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Hilfsprojekt

Brettenerin bildet junge Mütter im Kongo zu Bäckerinnen aus

Nelly Paratore hat selbst erlebt, wie junge Mädchen in ihrer Heimatstadt Kinshasa aus wirtschaftlicher Not in die Prostitution gezwungen werden. Sie hat ein Hilfsprojekt gestartet, das jungen Frauen mit einer Ausbildung Hoffnung und neue Perspektiven vermittelt.

Engagiert für junge Mädchen: Nelly Paratore hat ein Ausbildungsprojekt für junge Mädchen in ihrer Heimatstadt Kinshasa im Kongo gestartet. Foto: Gunter Hauser

Nelly Paratone hat selbst erlebt, wie junge Mädchen in ihrer Heimatstadt Kinshasa aus wirtschaftlicher Not in die Prostitution gezwungen werden. Sie hat ein Hilfsprojekt gestartet, das jungen Frauen im Kongo mit einer Ausbildung Hoffnung und neue Perspektiven vermittelt. Unterstützt wird sie dabei vom evangelischen Kirchenbezirk Bretten-Bruchsal.

Seit zehn Jahren lebt Nelly Paratore schon in Deutschland, mittlerweile ist sie deutsche Staatsbürgerin. Mit einem Berufsvisum kam sie hierher, und wenn sie jetzt in ihr Heimatland Kongo reist, braucht sie dort ein Visum. Diese Reise unternimmt sie einmal im Jahr, denn sie leitet ein Hilfsprojekt für junge Mütter am Stadtrand von Kinshasa.

Ihr verstorbener Vater war Gynäkologe, und so wurde sie schon in ihrer Kindheit auf die dramatische Situation junger Mütter aufmerksam. Wenn sie heute von den Nöten der Mädchen in ihrer Heimat spricht, wird sie ernst. Denn viele Kinder werden aus wirtschaftlicher Not in die Prostitution gezwungen. Wenn sie dann im Alter von 13 oder 14 Jahren schwanger werden, sind sie gesellschaftlich isoliert und haben keine Perspektive.

Das derzeit jüngste Mädchen in ihrem Projekt ist mit 15 Jahren Mutter geworden und wurde daraufhin von ihrer Familie verstoßen. Die Ausbildung ist für sie ein Lichtblick und eröffnet eine Perspektive für ein eigenständiges Leben. Sechs weitere junge Frauen, die älteste ist 22, sowie zwei Jungs im Alter von 16 und 17 Jahren nehmen ebenfalls teil.

Neue Hoffnung: Für die jungen Frauen in Kinshasa eröffnet die Ausbildung im Projekt „La Luna” Lebensperspektiven. Foto: Pierre Lutanga

In Deutschland Konditorin gelernt

Im Kongo hat Nelly Paratore Pädagogik studiert und einen Hochschulabschluss geschafft. Nach dem Tod ihres Vaters ging sie ins Ausland. In Deutschland hat sie dann noch Konditorin gelernt und arbeitet jetzt als Ausbilderin in einer Großbäckerei. Mit ihren Berufskenntnissen will sie jungen ledigen Müttern im Kongo zu einer selbstständigen Lebensführung verhelfen. Die Mädchen lernen Backen und Kochen, aber auch Hauswirtschaft und Kleintierzucht und werden so in die Lage versetzt, eigenständig für sich und ihre Familien zu sorgen.

Das Ausbildungsprojekt heißt „La Luna“, der Mond, und soll den Menschen dort Hoffnung auf die Zukunft geben. Wenn Nelly Paratore von „La Luna” erzählt, leuchten ihre Augen. Obwohl das Projekt erst 2018 gestartet ist, kümmern sich in der Landeshauptstadt schon sechs Mitarbeitende um 20 Auszubildende. Pierre Lutanga führt die Geschäfte vor Ort, eine gelernte Bäckerin unterrichtet die Azubis, wie man Brot, Brötchen und Kuchen backt und Torten kunstvoll verziert. Die Backwaren sollen bald an Hotels in Kinshasa verkauft werden und so auch zu Einnahmen führen. Derzeit ruht die Ausbildung allerdings aufgrund der Corona-Pandemie. Doch so bald wie möglich soll es weiter gehen.

Backofen in den Kongo geschickt

Bisher stemmt Nelly Paratore dieses Projekt ganz alleine. Jeden Euro, den sie entbehren kann, überweist sie in ihre Heimat. Freunde und Förderer unterstützen sie dabei und helfen ihr, Förderanträge zu schreiben und Kooperationen zu beantragen. Aber dies ist ein langer und schwieriger Weg. Doch die junge Frau geht ihn unbeirrbar. Für 2.500 Euro hat sie einen Backofen gekauft und ihn nach Kinshasa geschickt. Dort ist er nun das zentrale Arbeitsgerät. Die Räume, die über die Protestantische Kirche vermittelt wurden, sind angemietet. Aber Nelly hat schon Pläne für ein Haus in der Schublade.

Die junge Frau weiß auch genau, warum sie das alles tut. „Ich mache das für mein Land, damit den Leuten geholfen wird“, sagt sie. Nur mit Gottes Hilfe könnten die jungen Mädchen weiterleben, ist ihre Überzeugung. Um als alleinerziehende Mutter mit nur 33 Jahren eine solche Sache auf die Beine zu bringen, darf man nicht zögern. „Das hat mir mein Vater beigebracht“, sagt sie mit einem sympathischen Lächeln. Kein Cent, der gespendet wird, werde für Verwaltungs- oder Werbekosten genutzt, alles komme direkt den jungen Menschen zugute, versichert sie.

Service

Wer das Projekt „La Luna“ unterstützen möchte, kann das mit einer Überweisung an den Evangelischen Kirchenbezirk Bretten-Bruchsal machen. Konto: IBAN DE49 6635 0036 0005 0151 03.. Stichwort: „La Luna“. Für Spendenbescheinigungen ist eine Anschrift nötig.

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