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Corona-bedingt knappe Mittel

Bücherpaten unterstützen in Bretten Leseaktion für Kinder

Auch die Stadtbücherei in Bretten trafen die Folgen des Coronavirus. Neue Bücher erschienen dieses Jahr zunächst unerschwinglich. Eine Spendenaktion war die Lösung.

Qual der Wahl: Durch die Spendenaktion kamen viele neue Bücher für die Kinder und Jugendbuchabteilung zusammen. Lena kann sich kaum entscheiden. Foto: Sidney-Marie Schiefer

„Lies ein Buch mit einem Titel aus fünf Wörtern“, steht auf dem orangenen Zettel von Lena. Die Neunjährige hat sich grade für „Heiß auf Lesen“ angemeldet. Die Leseaktion der Stadtbücherei Bretten läuft dieses Jahr Coronabedingt etwas anders ab. Anstatt nach jedem Buch persönlich Fragen zum Inhalt zu beantworten, bekommen die Kinder Aufgaben. Dadurch soll vermieden werden, dass sich eine Schlange an der Ausleihstation bildet, erklärt Anette Giesche. Die Leiterin der Stadtbücherei erklärt, man hätte zudem die Teilnahmeplätze reduzieren müssen.

Positive Rückmeldung

Lena sucht im dritten Stock des Fachwerkhauses nach einem passenden Buch. Die Auswahl ist groß, auf einem Tisch liegen die neusten Anschaffungen. Das ist jedoch nicht selbstverständlich. Die Stadtbücherei befand sich wegen Corona in einer finanziell angespannten Situation. So mussten die Mitarbeiter erfinderisch werden. Ende Juni startete eine Bücherpaten-Aktion.

Das Team der Stadtbücherei veröffentlichte eine Liste mit ihrem Bedarf. Freiwillige konnten die Bücher dann in den Buchhandlungen Osiander und Kolibri kaufen und spenden. „Wir wussten gar nicht, was wir erwarten können und waren echt überrascht, wie toll das angenommen wurde“, freut sich Giesche.

Die Spendentische sollen auf jeden Fall bis zum Ende der Leseaktion am 10. September in den Buchhandlungen bleiben. „Ich kann mir aber auch vorstellen, das Projekt weiterzuführen“, sagt Alessandra Schmid von der Buchhandlung Osiander. Das Projekt werde sehr gut angenommen. „Die Leser nehmen sich Zeit, etwas Besonderes auszusuchen, etwas, das sie selbst lesen würden“, berichtet Schmid. Viele kommen gemeinsam mit der ganzen Familie.

Neben Kinderbüchern liegen auf den Tischen der Buchhandlungen auch Romane und Sachbücher aus. Alles sei gleichermaßen gefragt, sagt Ulrike Müller von der Buchhandlung Kolibri. Sie habe bereits mehrere Kisten mit Büchern abgeliefert. Jedesmal habe sie neue Wünsche der Stadtbibliothek mitnehmen können. Von ihren Kunden werde die Aktion toll aufgenommen. „Ich habe noch nie erlebt, dass jemand nicht gespendet hat, nur weil sein Lieblingsbuch nicht dabei war“, sagt die Geschäftsleitung.

Für Familie Fuchs sollte es ein Jugendbuch sein. „An dem Tag waren schon fast alle Bücher der Auswahl vergriffen“, sagt Matthias Fuchs. Er habe in der Zeitung von der Aktion gelesen und war sofort bereit zu spenden. Letztendlich habe er noch ein passendes Buch gefunden und auch das Erstleserecht beantragt. Das bedeutet, die erste Ausleihe des Buches wird von der Stadtbücherei für den Spender reserviert.

Sogar Spenderin aus München

„Viele nehmen das Recht in Anspruch“, sagt Sabrina Urbanczyk aus der Kinder- und Jugendbuchabteilung. Die meisten Spender kämen zeitnah vorbei, so würden die Bücher trotzdem schnell in den offenen Verleih kommen. Manche Bücherpaten haben jedoch keine Gelegenheit, ihr Buch zu lesen. „Wir haben sogar eine Spenderin aus München“, berichtet Giesche. Die Frau sei noch im Mailverteiler gewesen und habe sich erinnert, wie gerne sie früher die Bibliothek besucht habe.

Genauso große Leseratten sind die Kinder von Familie Fuchs. Der elfjährige Raphael macht dieses Jahr zum zweiten Mal mit bei „Heiß auf Lesen“. Ihm haben besonders die Aktionen rund um den Lesestoff gefallen. Jeder Teilnehmer bekommt ein Logbuch, in das die Aufgabe zum Buch eingeklebt wird. Außerdem werden die jungen Leser dazu ermuntert, eine Empfehlung zum Buch zu schreiben oder die Geschichte kreativ weiterzuentwickeln.

Nach etwas Hin und Her hat sich Lena für ihr erstes Buch entschieden. „Und täglich grüßt der Camembär, soll es sein. Fünf Wörter, passend zur Aufgabe.



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