
Die Chancen stehen schlecht, dass der Familienvater aus Nordmazedonien, der mit Frau und Kindern vor einer Mafia aus Serbien nach Deutschland geflohen ist, hier politisches Asyl bekommt. Allenfalls ein Abschiebestopp oder eine andere Art von ausländerrechtlichem Bleiberecht ist noch denkbar für den Mann, der sehr gut deutsch spricht und seit September einen Ausbildungsplatz in Gondelsheim zum Altenpflegehelfer hat.
Dies ist das vorläufige Ergebnis der Verhandlung, die am Montagvormittag (27. Februar) vor dem Karlsruher Verwaltungsgericht lief. Das endgültige Urteil wird erst in ein paar Wochen schriftlich zugestellt.
Von kriminellen Schlägern erpresst
In der gut einstündigen Verhandlung erzählte der 40-jährige Milan A. (Name geändert) seine Geschichte: Wie er von kriminellen Schlägern unter Druck gesetzt worden sei, die ihm 5.000 Euro Schutzgeld abpressen wollten.

Wie er in seiner zwischenzeitlichen Heimat Serbien entführt, eine Woche in einem Keller eingesperrt und dort geschlagen und mit dem Messer an der Kehle bedroht worden sei. Wie ihm gedroht wurde, dass er abgeschlachtet würde, wenn er das Geld nicht innerhalb eines Monats auftreibe.
In Frankreich bereits Asyl beantragt
Die Polizei, bei der er die Erpressung anzeigte, habe ihm keinen Glauben geschenkt, berichtet er weiter. Das sei so eine erfundene Zigeunergeschichte, hörte er den Vernehmungsbeamten zu einem anderen sagen.
Aus Angst um sein Leben und das seiner Familie hat er daraufhin das Land verlassen. 1.400 Euro habe ihn die Flucht nach Frankreich gekostet. Dafür musste er sein Auto verkaufen. In Paris habe er bei den Behörden dieselbe Aussage gemacht, doch man habe ihm keinen Glauben geschenkt. So sei er weitergereist nach Deutschland.
Genau dies ist jetzt das größte Problem des Nordmazedoniers. „Fälle, die bereits in einem anderen EU-Land entschieden wurden, können hier nicht noch einmal überprüft werden“, erklärte Verwaltungsrichter Fabian Schneider, der sich die Geschichte aufmerksam anhörte und wiederholt nachfragte.
„Warum können Sie nicht in einem anderen Landesteil oder in Nordmazedonien Zuflucht suchen?“, hakte er nach. Weil diese Kriminellen überall in Serbien ihre Kontakte hätten und weil er als Mitglied der ethnischen Minderheit der Roma in Nordmazedonien keine Rechte habe und keine Unterstützung bekomme, erwiderte der Gefragte.
Fall eines in Gondelsheim lebenden Nordmazedoniers: Eilanträge abgelehnt
Am 24. Januar hatte das Regierungspräsidium den Antrag von Milan A. auf Erteilung einer Ausbildungsduldung mit der Begründung, er stamme aus einem sicheren Herkunftsland, abgelehnt. Das führte auch Verwaltungsrichter Schneider ins Feld, der auf den aktuellen Bericht des österreichischen Bundesamts für Asyl und Fremdenwesen zur Lage auf dem Balkan verwies.

Da überdies zu dem in Frankreich gestellten Antrag keine neuen Gründe hinzugekommen seien, habe er den Eilantrag des Nordmazedoniers wie auch den der Ehefrau und der Kinder ablehnen müssen. Er werde allerdings noch genauer prüfen, ob Hindernisse für eine Abschiebung vorlägen, bekundete der Richter.
Ich möchte nur am Leben bleiben, ist das zu viel verlangt.Milan A.
Die drohende Abschiebung erschüttert den Familienvater, die Angst steht ihm ins Gesicht geschrieben. Er sei psychisch angeschlagen und in psychologischer Behandlung, erzählt er weiter, die dramatischen Erfahrungen könne er nicht abschütteln. „Ich möchte nur am Leben bleiben, ist das zu viel verlangt“, fragt er den Tränen nahe.
Sein Anwalt, Frank Mangler aus Bruchsal, will die Flinte dennoch nicht ins Korn werfen. Auch wenn es auf dem Weg über das Asylrecht wohl keine Chance zum Verbleib gebe, werde man schauen, ob man über das Ausländerrecht beim Regierungspräsidium eine Genehmigung zum Bleiben erreichen könne, bekundete der Anwalt nach der Verhandlung.