Skip to main content

Erhebliche Turbulenzen

Irritationen und Kreislaufkollaps bei Impfaktion für Brettener Schüler

Zuerst gab es Irritationen, ob Jugendliche unter 16 ohne die Anwesenheit der Eltern geimpft werden können. Dann hatte ein Teenager einen Kreislaufkollaps. Und draußen demonstrierten die Impfgegner.

Einlasskontrolle: Bei der Impfaktion im Brettener Hallensportzentrum sorgten unterschiedliche Informationen bezüglich der Anwesenheit der Erziehungsberechtigten für Irritationen. Caroline Traut von der Stadt (rechts im Hintergrund) und Marvin Rausch vom Mobilen Impfteam konnten jedoch eine Lösung finden. Unterm Strich fiel die Resonanz auf das Angebot erfreulich aus. Foto: Tom Rebel

Mit erheblichen Turbulenzen war die Impfaktion verbunden, die die Stadt Bretten am Dienstagvormittag im Hallensportzentrum auf die Beine gestellt hatte.

Zunächst herrschte Unklarheit darüber, ob bei den impfwilligen Jugendlichen, die jünger als 16 Jahre alt sind, ein Erziehungsberechtigter anwesend sein muss. Dann hatte ein 16-jähriges Mädchen, das ohne Begleitung erschienen war, einen Kreislaufkollaps, so dass vorsichtshalber ein Krankenwagen gerufen wurde.

Und draußen sorgte ein knappes Dutzend Impfgegner mit Slogans wie „Impfen tötet“ für zusätzliche Irritationen. Gleichwohl ging die Aktion gut über die Bühne und stieß auch auf eine positive Resonanz: Knapp 40 Impfwillige ließen sich die Spritze mit dem Biontec-Impfstoff geben. Die Stadt wertet das als Erfolg.

Ausführliche Diskussion in der Familie

„Ich habe mich bereits zweimal impfen lassen, weil ich mich und meine Mitmenschen schützen will“, erklärte der 16-jährige Luka draußen vor der Halle. Sein fast gleichnamiger Kumpel Luca will das heute machen.

„Meine Eltern haben mich gefragt, ob ich das will, und ich habe ja gesagt.“ Vorher habe man in der Familie ausführlich über die Impfung und mögliche Nebenwirkungen gesprochen.

Der dritte Freund will dagegen noch warten: „Ich mache das erst, wenn ich muss“, sagt er. Das Risiko, an Corona schwer zu erkranken, sei ihm bewusst, aber das sei doch sehr unwahrscheinlich, erklärt er seine abwartende Haltung.

Sozialministerium sorgt für Irritationen

In der Halle befinden sich Bürgermeister Michael Nöltner und Caroline Traut vom Amt für Bildung und Kultur im Gespräch mit einer empörten Seniorin. Die war mit ihrer Enkelin und einer gleichaltrigen Freundin zur Impfung erschienen. Doch das Impfteam wollte keine Jugendlichen unter 16 ohne die Anwesenheit der Erziehungsberechtigten impfen.

Nöltner verwies zwar auf das Schreiben des baden-württembergischen Sozialministeriums, das mitgeteilt hatte, dass Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren auch ohne Anwesenheit der Eltern geimpft werden könnten, wenn deren schriftliche Einverständniserklärung vorliege.

Doch das mobile Impfteam sah das anders. Mit einigen Klimmzügen gelang es schließlich, für alle Seiten akzeptable Lösungen zu finden.

„Die Unterlagen, bitte!“ Gleich am Eingang des Seitenfoyers wurden die Besucher empfangen – meist war es ein Elternteil mit dem Nachwuchs. Schnell war Fieber gemessen, das Formular ausgefüllt und die Einwilligung unterschrieben.

Dann ging es in die locker aufgestellten Stuhlgruppen, auf der die Wartenden Platz genommen hatten. Es sind sogar einige Erwachsene unter ihnen, die das Impfangebot wahrnehmen wollen.

Permanentes Testen lästig

Mika (13) und Arnold (15) haben die Prozedur bereits hinter sich und sitzen auf der anderen Seite des Raumes. Sie müssen noch eine Viertelstunde warten, um zu sehen, ob sie die Impfung gut vertragen. „Ich will nicht erkranken und schon gar nicht schwer“, begründet Mika seine Entscheidung, sich impfen zu lassen. Außerdem empfindet er das permanente Testen als lästig. Sein Bruder sieht das genauso.

Ihre Mutter hätte allerdings lieber noch gewartet, habe dann aber die Entscheidung der Jungs akzeptiert, bekundet sie. Sie selbst habe sich mit der Impfentscheidung auch schwer getan. Mittlerweile ist auch sie geimpft, „weil ich ältere Menschen um mich habe, die ich schützen will“, sagt sie. Dass das junge Mädchen bei der Impfung umgekippt sei, habe sie aber schon irritiert.

Markus Bailer aus Gölshausen ist bereits zweimal geimpft. Heute ist er mit seinem Sohn ins Hallensportzentrum gekommen, damit dieser seine Zweitimpfung bekommt.

Für den Familienvater ist das Impfen eine selbstverständliche Notwendigkeit: „Wir wissen, dass man etwas tun muss!“ Entsprechend groß ist sein Unverständnis für die Zeitgenossen, die sich draußen vor der Halle zu einer „Spontandemo“ eingefunden haben. Weil sie die Abstandsregeln einhalten, lassen sie die Brettener Ordnungshüter gewähren.

Impfarzt angenehm überrascht

„Ich bin sehr angenehm überrascht, dass doch sehr viele Jugendliche gekommen sind und sich zu diesem wichtigen Schritt entschlossen haben“, sagt der Arzt Roland Dietrich, der die Impfaktion leitet.

Man hatte schon Befürchtungen, dass das Angebot nicht so gut in Anspruch genommen werde. Insofern sei das heute eine sehr positive Erfahrung. Einen größeren Informationsbedarf der Eltern und Jugendlichen hat Dietrich nicht festgestellt. Lediglich die Frage, wie es denn mit der Zweitimpfung weitergehe, sei öfter gestellt worden.

Dazu hatte die Stadt bereits ein Infoblatt erstellt und gebeten, sich mit diesem Anliegen zunächst an den jeweiligen Hausarzt zu wenden. Sollte die Zweitimpfung dort nicht möglich sein, hatten sich die Brettener Ärzte Joachim Leitz und Wolfgang Stütz bereiterklärt, die Zweitimpfungen zu übernehmen.

Beim Zwischenfall mit dem jungen Mädchen gab der erfahrene Notfallarzt Entwarnung: Der Kreislaufkollaps habe mit der Impfung selbst nichts zu tun, erklärte er unmissverständlich, das sei keine Impfreaktion gewesen.

nach oben Zurück zum Seitenanfang