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Wieder Besuche im Pflegeheim

Nur die Plexiglasscheibe trennt die Gesprächspartner in Bretten

Nach wochenlangem Zutrittsverbot können Familienangehörige Eltern oder Großeltern in den Altenpflegeheimen wieder besuchen. Dafür gelten jeweils besondere Vorschriften, die Heime bieten dazu unterschiedliche Treffpunkte an.

Treffen im Besucherfenster: Nur eine Plexiglasscheibe trennt die Brettenerin Petra Ried von ihrer Mutter Ilse Appel. Foto: Rebel

Am Besucherfenster kann Petra Ried ihre Mutter Ilse Appel wieder treffen und mit ihr plaudern. Wochenlang war das im Brettener Altenpflegeheim Im Brückle wie auch in den anderen Seniorenheimen in der Region aufgrund der Corona-Verordnung nicht möglich. Eine schwere Zeit war das sowohl für die Heimbewohner als auch für deren Angehörige.

„Das ist ja nicht so einfach, wenn man eingesperrt ist“, sagt Ilse Appel. Seit November 2019 ist die noch rüstige Seniorin im Pflegeheim Im Brückle. Ihre Tochter wohnt nicht weit weg. „Wir hatten noch das Glück, dass das Fenster im Zimmer meiner Mutter im ersten Obergeschoss Richtung Parkplatz liegt“, berichtet Tochter Petra.

Da habe man sich wenigsten gesehen und per Zuruf ein paar Sätze wechseln können. Trotzdem hat sie die Trennung als schlimm empfunden, auch wenn sie täglich öfter mit ihrer Mutter telefonieren konnte.

Besucher und Bewohner treffen sich im Windfang

Über die neue Möglichkeit sind Mutter und Tochter überaus froh. Das Besucherfenster ist zwar kein Fenster, sondern ein ganzer Raum, doch es eröffnet die Kommunikation wie ein Fenster. Treffpunkt im Seniorenheim ist der Windfang im Eingangsbereich der Tagespflege. Dort hat die Heimleitung einen Tisch aufgestellt und mit einer weißen Tischdecke und etwas Deko schön hergerichtet.

Tücher zum Händedesinfizieren liegen ebenso bereit wie ein Telefon mit Verbindung zur Station. Und die Liste, auf der sich die Besucher eintragen müssen. Und natürlich ein Blatt mit den Regeln, die es einzuhalten gilt. Einziges Manko: Eine Plexiglasscheibe trennt Besucher und Besuchte.

Angebot ist gut ausgebucht

„Das Besucherfenster ist seit Beginn des Angebots am 12. Mai ziemlich ausgebucht“, berichtet Simone Schmidt, die Leiterin der Einrichtung. Geregelt ist die Besuchszeit dergestalt, dass sich die Angehörigen telefonisch anmelden. Was wir dann mit halbstündigen Terminen in eine Liste eingetragen. Besuchszeiten sind von 9 bis 11.30 und von 13.30 bis 16.30 Uhr. Am Morgen werden die Wohnbereiche informiert, welcher Heimbewohner wann nach unten zum Treffpunkt gebracht werden muss. Mitbringsel wie kleine Geschenke oder ein Stück Kuchen sind erlaubt.

Derzeit ist dieser Eingang zur Tagespflege, die derzeit ja geschlossen hat, ausschließlich für das Besuchsangebot reserviert, informiert die Chefin des Hauses. Von dort aus gibt es keinen Kontakt ins Haus. Und selbst bei schlechtem Wetter kann der überdachte Flur problemlos genutzt werden.

Besuche im Park möglich

Damit kann Ute Heim-Schneider zwar nicht aufwarten. Dafür hat die Pflegedienstleiterin des Neibsheimer Seniorenheims Haus Schönblick einen blühenden Park, in dem sich Bewohner seit dem 16. Mai wieder mit ihren Angehörigen treffen und spazieren gehen können. Mit Mundschutz versteht sich und mit dem nötigen Abstand.

Treffpunkt Park: Im Neibsheimer Altenpflegeheim Haus Schönblick können Angehörige die Heimbewohner im Grünen besuchen. Ins Haus darf allerdings kein Besucher. Foto: Rebel

Auch hier werden telefonisch Besuchstermine ausgemacht, das Personal bringt die Seniorinnen und Senioren dann nach unten, eine zeitliche Begrenzung für die Besuche gibt es nicht. „Das Angebot wird sehr gut angenommen, alle sind sehr froh, dass sie sich so wieder treffen können“, berichtet Heim-Schneider.

Wir hatten vorher schon Balkonkontakte, aber diese Nähe ist noch einmal etwas anderes.
Ute Heim-Schneider, Pflegedienstleiterin

Spürbar sei es, dass diese Begegnungen den Bewohnern wie den Angehörigen unheimlich gut tun. „Wir hatten vorher schon Balkonkontakte, aber diese Nähe ist noch einmal etwas anderes“, sagt die Pflegedienstleiterin, die sich über eines besonders freut: „Wir haben keinen positiv getesteten Corona-Fall mehr im Haus“, bekundet sie sichtlich erleichtert. Ende April seien alle Bewohner zuletzt getestet worden – alle ohne Befund.

Auch im Gondelsheimer Haus Schlossblick ist es für Familien wieder möglich, die Angehörigen im Heim zu treffen. Auf der überdachten Terrasse hat das Haus seit Anfang Mai einen Tisch aufgestellt. Dort sind halbstündige Besuche möglich, zwei Angehörige dürfen pro Tag kommen. „Das Angebot wird sehr gut angenommen“, bekundet Cornelia Hölzle, die Leiterin des Pflegeheims, in dem 31 Bewohner versorgt werden. Daneben gibt es noch acht betreute Wohnungen.

Auch Sterbebegleitung möglich

„Bei Bettlägerigen, Schwerstkranken und Sterbenden lassen wir die Angehörigen auch aufs Zimmer“, sagt Hölzle. Und auch ein Seelsorger dürfe kommen. Das alles allerdings nur mit Schutzkleidung, Maske und Händedesinfektion. „Wir hatten vor kurzem einen Sterbefall, da haben die beiden Töchter ihre Mutter bis zuletzt begleitet“, erzählt Hölzle. Überaus froh ist die Heimleiterin, dass ihr Haus bislang von Corona-Fällen verschont geblieben ist.

„Mittlerweile habe ich nicht mehr so viel Angst wie am Anfang“, räumt sie im weiteren Gespräch offen ein. Trotzdem will sie bei den Vorsichtsmaßnahmen nicht nachlassen. „Alle Mitarbeiter tragen Mund- und Nasenschutz, wir halten Abstand, wenn irgend möglich, und auch die Desinfektion handhaben wir straff“, betont die Heimleiterin, täglich werden auch die Türklinken desinfiziert.

Nach Voranmeldung in den Check-in-Bereich

Im Oberderdinger Senioren-Zentrum Haus Edelberg sind Besuche ausschließlich in speziell dafür eingerichteten Räumen möglich. Dafür ist eine Voranmeldung erforderlich. Der Besucher muss eine Viertelstunde vor dem vereinbarten Termin in einem Check-in-Bereich erscheinen. Dort müssen auch mitgebrachte Geschenke abgegeben werden. Für Angehörige, die Symptome einer Covid-19-Erkrankung wie erhöhte Temperatur oder Husten haben, sind Besuche grundsätzlich untersagt.

Laut Mitteilung der Haus Edelberg Senioren-Zentren, die ihren Sitz in Karlsruhe haben, darf ein Bewohner täglich nur einen Besucher empfangen. Der muss mindestens 16 Jahre alt sein und eine Schutzmaske tragen. Sobald es in einem der Häuser einen Covid-19-Verdachtsfall oder einen bestätigten Fall gibt, würden die Besuche eingestellt, heißt es weiter.

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