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Benzin ist teurer geworden

Autofahrer rund um Bruchsal reagieren gelassen auf die Preiserhöhung durch die CO2-Steuer

Die gestiegene CO2-Steuer treibt die Preise von Öl und Benzin nach oben. Wie gehen die Leute damit um? Wir haben uns bei Autofahrern, Spediteuren und Heizölhändlern umgehört.

Andrang an der Tankstelle, das Fahrrad ist, insbesondere im Winter, für viele keine Alternative. Foto: Martin Stock

Durch die erhöhte CO2-Steuer steigen die Treibstoffpreise. Aber hilft das auch der Umwelt? Fahren die Leute weniger Auto? Es scheint nicht so. Das Fahrverhalten verändert sich nur geringfügig, wie ein Besuch an einer Tankstelle in Kraichtal zeigt. Zur Feierabendzeit drängen sich die Fahrzeuge an den Zapfsäulen. Offensichtlich nutzen viele den Heimweg, um an der „Durchfahrttankstelle“ nachzufüllen.

Viele brauchen Ihr Auto auf dem Weg zur Arbeit, sofern sie nicht coronabedingt ins Homeoffice geschickt worden sind.

„Meine Arbeitsstelle liegt abseits von Bus und Bahn. Ich komme nur mit dem Auto hin bei einer akzeptablen Fahrdauer“, sagt ein Autofahrer aus Münzesheim.

Für einen Studenten aus dem hohen Norden ist die Erhöhung der Spritpreise zwar schmerzlich, aber auch er ist sowohl für seine Praktikumsstelle in Bretten als auch für die Fahrt ins heimische Ostfriesland aufs Auto angewiesen.

Der Weg zu meiner Arbeitsstelle ist bequemer und ich bin unabhängiger mit dem Auto. Auch wenn ich Fahrrad oder Stadtbahn nutzen könnte.
Felix Dorgelo aus Ubstadt

Mit 50.000 Kilometern im Jahr ist Lukas Sauer aus Oberacker als Außendienstler sicher ein Vielfahrer - da läuft viel Treibstoff durch den Motor. Doch er kann die Kosten mit seinem Arbeitgeber abrechnen. Dennoch bemüht er sich um eine spritsparende Fahrweise. Er habe allerdings für seinen eigenen landwirtschaftlichen Betrieb zum Ende des Jahres noch 1.000 Liter auf Vorrat getankt, erzählt er.

Felix Dorgelo aus Ubstadt gönnt sich den „Luxus“ Auto weiterhin. „Der Weg zu meiner Arbeitsstelle ist bequemer und ich bin unabhängiger mit dem Auto“, sagt er, „auch wenn ich Fahrrad oder Stadtbahn nutzen könnte.“ Für viele ist die Erhöhung noch erträglich, sei sie doch „nur“ eine „Rückkehr zu früheren Zeiten“, sagen sie.

Aus diesem Grund glaubt Ulrich Löffler, Geschäftsführer von Rossnagel Mineralöle in Bruchsal auch nicht, dass die CO2-Steuer das Umweltverhalten stark verändern wird. Löffler hat den Eindruck, dass die Politik die Heizölbranche zum „ungewollten Kind“ abstempelt. Nach seiner Wahrnehmung komme der Heizölhändler im Negativimage gleich nach dem Kernkraftwerk, sagt Löffler. Bei den Autofahrern heißt die Devise angesichts der Preiserhöhung: Noch genauer Ausschau halten, wo man am günstigsten tanken kann.

Wegen Corona wird weniger getankt

Auch die Corona-Pandemie hat Auswirkungen auf die Tankstellen-Stopps wie Andreas Stieber, Pächter in Ubstadt, feststellt: Weniger Fahrten durch Homeoffice und fast keine Kunden mehr nach 20 Uhr. „Wir könnten eigentlich fast ab 20 Uhr schließen“, sagt er.

Große Mengen an Diesel brauchen die Speditionen, die ja täglich unterwegs sind. Bei der Spedition Gutekunst in Münzesheim macht der Treibstoffverbrauch etwa ein Drittel der Betriebskosten aus. „Die Preiserhöhung schlägt sich dann in den Rechnungen für die Kunden nieder“, sagt Peter Gutekunst, Geschäftsführer der Spedition. „Soweit man die Kosten nicht anderweitig auffangen kann.“

Das Unternehmen macht regelmäßig Schulungen in spritsparendem Fahren. Für Gutekunst sind rund 40 Fahrzeuge bundesweit unterwegs, die insgesamt jährlich etwa 4 Millionen Kilometer hinter sich bringen.

Die Heizölverbraucher haben sich angesichts der bevorstehenden Preiserhöhung mit Vorrat eingedeckt. „Unsere Fahrer für die Heizöltransporte haben stressige Tage hinter sich“, sagt Ulrich Löffler. Und Werner Eberhardt von Eberhardt Brennstoffe & Mineralöle kann das bestätigen. „Jeder, der konnte, hat nachgetankt“, sagt er. „Jetzt haben wir unsere Bestelllisten abgearbeitet und all unsere Kunden bedient, dass sie nicht frieren müssen.“

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