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Im Notfall sollen Enkel helfen

Brennholz-Bestellung zunehmend nur noch online – funktioniert das?

Der staatliche Forst stellt auf Online-Bestellung von Brennholz um: Um auch in Zukunft noch Kunden zu erreichen und Ressourcen zu schonen. Die Kräfte werden angesichts des Klimawandels anderweitig gebraucht. 

Die Holzstämme werden vermessen: Mit der Kluppe ermittelt David Seidenglanz vom staatlichen Forstamt Hardtwald im Lußhardtwald bei Forst den Durchmesser des wertvollen Stammholzes und damit den Preis. Im Forstbezirk ist er für die Holzvermarktung zuständig. Foto: Heike Schaub

Die ersten Blätter an den Bäumen werden bereits gelb, nun beginnt im Wald die Ernte. „Ab November wird frisches Brennholz geschlagen, entastet und an den Wegen gelagert“, erzählt David Seidenglanz, im neuen Forstbezirk Hardtwald in Waghäusel-Kirrlach für die Holzvermarktung zuständig.

Die Behörde ForstBW, die die Staatswälder betreut, setzt bei der Brennholz-Bestellung erstmals auf ein Online-Verfahren. Das soll den Vorgang effizienter machen und nicht zuletzt die wertvolle Ressource Papier schonen. „Wir hoffen, dass die Online-Bestellung gut funktioniert und notfalls Kinder oder Enkel bei der Bestellung helfen“, so Seidenglanz.

Der typische Brennholz-Besteller ist nämlich älter: „Wir wollen die Kunden auch in Zukunft erreichen“, wirbt Pressesprecher Lukas Stange für das Online-Verfahren, mit dem ForstBW dem allgemeinen Behördentrend folgt.

Private Nachfrage ist gestiegen

Etwa 400 bis 500 Bestellungen pro Revier fallen jährlich an. Und davon hat der Forstbezirk Hardtwald zehn Stück zwischen der Schwetziger Hardt und Kastenwört bei Karlsruhe. Vor allem die private Nachfrage ist gestiegen – der Trend zum Kamin hält an, die Kritik am Kamin als Feinstaubschleuder wächst zeitgleich.

Gestapelt: Entlang der Schienen zwischen Forst und Hambrücken wird bis 18. März geschlagene Eichen und Buntlaubholz gestapelt. Bei der Holzsubmission werden die Stämme nach Baumart, Güte und Abmessungen sortiert. Holzhändler oder Sägewerke können das angebotene Holz vorher besichtigen. Foto: Heike Schaub

Durchschnittlich werden von Privatleuten zwei bis sechs Ster (Kubikmeter) Holz bestellt. In Seidenglanz’ Zuständigkeitsbereich gibt es aber auch zehn bis 15 Brennholzhändler, die jeweils zwischen 100 und 400 Festmeter ordern. Das gespaltene Holz sollte mindestens zwei Jahre getrocknet werden.

Der Borkenkäfer hat sich explosionsartig vermehrt.
David Seidenglanz / ForstBW

Beim Leiter des Stadtwalds Bruchsal, der nach der Neuordnung der Forstbehörden unter der Regie des Landratsamtes läuft, wird das neue Online-Angebot im Staatswald nicht als Konkurrenz gesehen: „90 Prozent unserer Kunden sind altbekannt“, erzählt Michael Durst.

Etwa 350 bis 400 Kunden sind es jährlich. Sie bestellen zusammen etwa 2.000 Festmeter. Bei ihm könne die Brennholz-Bestellung nach wie vor schriftlich oder per Mail abgegeben werden. Auch der Preis sei vergleichbar. 56 Euro kostet der Festmeter Buche, die steigende Nachfrage hat auch den Preis steigen lassen, während die Preise für Fichte in den Keller gefallen sind.

Staatlicher Forstbetrieb wurde auf Effizienz getrimmt

Gefragt ist vor allem Hartholz wegen des höheren Brennwerts. Davon gebe es genug: Drei trockene Sommer hintereinander haben der Buche zugesetzt – abgestorbene Kronen machen den Forstleuten zunehmend Sorgen. Bei der Holzernte setzt man deshalb auf Harvester, spezielle Holzernte-Maschinen, um die Arbeiter nicht durch herabfallende Äste zu gefährden. Auch der Borkenkäfer, der vor allem die Fichte befällt, wird im Hardtwald zum Problem.

Der staatliche Forstbetrieb wurde in den vergangenen Jahren auf Effizienz getrimmt. Die letzten Dürrejahren und die Folgen des zunehmenden Klimawandels binden Personal, das in den vergangenen 30 Jahren aus Kostengründen reduziert wurde. Nun fehlen die Mitarbeiter, um regelmäßig den Borkenkäfer-Befall zu kontrollieren. „Der Borkenkäfer hat sich explosionsartig vermehrt, den kriegen wir nicht unter Kontrolle“, bedauert der Forst-Experte.

Neben dem Brennholz für den Privatgebrauch wird auch hochwertiges Stammholz für den Möbel- und Konstruktionsbau geerntet. Industrieholz geht in die Spanplattenproduktion.

Außerdem gibt es noch sogenanntes „Containerholz“ – extra auf Länge geschnitten – für die Verschiffung nach China. Fichten werden dort zu Verpackungsmaterial verarbeitet. Derzeit sei Deutschland der zweitgrößte Importeur für Containerholz in China, erzählt Seidenglanz.

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