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Energiewende in der Stadt

Bruchsal will Ringschluss für die Fernwärme: Studie für Trasse durch die Kernstadt

Heizen ohne Heizung: In Bruchsal geht der Ausbau der Fernwärme weiter. Bald sollen im Quartier Belvedere die Arbeiten beginnen. Zeitgleich arbeitet man am großen Wurf: einem Fernwärmenetz 4.0, das sich durch die ganze Kernstadt zieht.

Bis zur Bruchsaler Mülldeponie könnte das Fernwärmenetz der Zukunft einmal führen. Dort könnten Solaranlagen Energie in die Leitungen einspeisen, die in einem Ringschluss verschiedene Quartiere in der Kernstadt verbinden sollen. Foto: Martin Heintzen

In der Südstadt sind die Arbeiten fast abgeschlossen, rund um das Belvedere soll es bald losgehen: Bruchsal baut seine Energiequartiere weiter aus. Doch dabei soll es nicht bleiben. In Zukunft sollen die einzelnen Quartiere in einem großen Netz verbunden werden und weitere Viertel dazukommen.

Wie dieses nachhaltige Fernwärmenetz 4.0, betrieben mit erneuerbarer Energie, einmal aussehen könnte, stellte Armin Baumgärtner, Chef der Bruchsaler Stadtwerke, jetzt im Gemeinderat vor.

Gegenüber der Bruchsaler Rundschau betonte Oberbürgermeisterin Cornelia Petzold-Schick zuvor, dass „Wärmenetze zum Megathema für Kommunen in den nächsten 20 Jahren werden“. Vor den Stadträten sprach sie von einem „großen Wurf“, den man für die Stadt plane.

Fernwärmenetz in Bruchsal: Machbarkeitsstudie wird beauftragt

Doch der Reihe nach: Zunächst werden mit einer Machbarkeitsstudie umfassend Daten erhoben und Potenziale analysiert. Welche Viertel eigenen sich für den Aufbau eines Wärmenetzes? Welche Energieformen können dort genutzt werden? Diese Fragen soll die Studie beantworten und die rechtlichen Rahmenbedingungen schaffen. „Wir werden Wärmeinseln aufbauen und diese in den Folgejahren verbinden“, so Baumgärtner mit Verweis auf die Energiekonzeption 2030 der Stadtwerke.

Mit den Landeseinrichtungen sind wir bereits im Gespräch.
Cornelia Petzold-Schick, Bruchsals Oberbürgermeisterin

In der Bahnstadt wird bereits mit Fernwärme geheizt, in der Südstadt geht es im Herbst los. Im neuen Energiequartier Belvedere stehen mit Käthe-Kollwitz-Schule und Schönborn-Gymnasium schon zwei Anker-Kunden und Hauptenergielieferanten fest. An das dortige Netz könnte sich künftig das Gefängnis als Großabnehmer anschließen. „Mit den Landeseinrichtungen sind wir bereits im Gespräch“, sagte OB Petzold-Schick.

Durch die ganze Kernstadt könnte sich das Netz ziehen - dank weiterer Knotenpunkte wie die Bruchsaler Schwimmbäder, der Triwopark, die Fürst-Stirum-Klinik, das Unternehmen SEW-Eurodrive, die Geothermie-Anlage bei der Bereitschaftspolizei und das geplante Energiequartier Innenstadt oder auch die Mülldeponie als Standort einer Solarthermie-Anlage.

Bruchsal dank Energieleitplan zur Modellkommune ernannt

Mit einem Energieleitplan haben die Bruchsaler Stadträte bereits vor über einem Jahr kommunale Klimaschutzziele festgelegt. Bestandteil ist eine städtische Wärmeplanung. Mit dieser ist Bruchsal einer gesetzlichen Vorgabe zuvor gekommen und wurde neben Freiburg und Baden-Baden zur Modellkommune erklärt.

Daher waren die Bruchsaler an der Erstellung eines kommunalen Leitfadens des Landesumweltministeriums beteiligt. Nachhaltige und lokale Konzepte stehen darin im Mittelpunkt, Wärmenetze kommen „eine zentrale Rolle“ bei der Wärmewende zu.

Bei der Bruchsaler Fernwärme 4.0 arbeiten Stadt, Stadtwerke, Landkreis und die Umwelt- und Energieagentur zusammen. Fördergeld gibt es vom Bundeswirtschaftsministerium, die laut Baumgärtner in der ersten Phase 50 Prozent der Planungskosten decken, später werden 30 Prozent der Planungskosten sowie zehn Prozent der Projektkosten übernommen.

Erneuerbare Energiequellen sollen in das geschlossene Fernwärmenetz gespeist werden, die sich entlang der Trasse befinden. 37 Millionen Kilowattstunden könnten so in Zukunft pro Jahr in Bruchsal produziert werden, heißt es vonseiten der Stadtwerke. Ziel sei es zudem, dass sich auch Privatkunden an das Netz anschließen.

Positive Stimmen aus dem Gemeinderat in Bruchsal

Dazu sagte Stadtrat Helmut Jäger (CDU): „Wir hoffen, dass wir die Bürger mitnehmen können“. Chancen sah er auch im Bereich e-Mobilität, außerdem plädierte er für kleinere Projekte in Neubaugebieten etwa mit Blockheizkraftwerken. Ursula Häffner (Grüne/Neue Köpfe) lobte das Baukastensystem bei der Wahl der Energieerzeugung und sprach als weitere Komponenten Tiefengeothermie am Oberrheingraben wie auch Umgebungs- und Abwärme an.

Mit dem Fernwärmenetz sei man für die Zukunft gut gerüstet und werde als Stadt der Vorbildfunktion gerecht, sagte SPD-Stadtrat Fabian Verch. Weitere Potenziale böte die Mobilitätswende, etwa mit einer autofreien Innenstadt. Roland Foos von den Freien Wählern sprach ein Anreizsystem für private Anlieger an, damit es für diese attraktiv werde, von solch einem Fernwärmenetz Energie zu beziehen.

Für Volker Ihle (FDP) ist das Wärmenetz „ökologisch und ökonomisch sinnvoll“. Auch die AfD/UBiB stehe dem Fernwärmenetz aufgeschlossen gegenüber, wie Sven Bogenreiter sagte. Bei der Tiefengeothermie plädierte er für eine „umfangreiche Pro-und-Contra-Diskussion“.

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