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Meinung

von Christina Zäpfel

Ein Baustein gegen Corona

Luftfilter im Klassenzimmer: Im Zweifel für die Kinder

Das Land schüttet sein Füllhorn aus über den Kommunen, damit diese einige Luftfilter für die Schulen kaufen können. Nun sind die Apparate nicht unumstritten und ganz sicher kein Allheilmittel gegen die Pandemie.

Luftfilter im Klassenzimmer: Zumindest in Klassen mit jüngeren Schülern sollten diese genutzt werden. Foto: Tom Rebel

Ja, es ist kompliziert, das mit Corona im Allgemeinen und mit den Luftfiltern an Schulen im Speziellen. Welche Studie hat Recht? Das müssen sich jetzt viele Gemeinderäte noch vor der Sommerpause fragen. Sie sind dank Millionen-Förderungen aus Bund und Land plötzlich unter Zugzwang geraten. Außer in Gondelsheim gibt es wohl in den wenigsten Schulen und Kitas im nördlichen Landkreis mobile Luftfilter, geschweige denn fest installierte.

Bemerkenswert ist an der Debatte, dass der Städtetag diese Millionenförderung nicht mit Kusshand nimmt, sondern Zweifel an der Filter-Wirksamkeit anmeldet. Die sind angebracht, keine Frage. Doch so eindeutig unwirksam, wie manche nun mit Verweis auf die neue Stuttgarter Studie behaupten, scheinen die mobilen Luftfilter eben auch wieder nicht zu sein.

Das Risiko, etwas falsch zu machen, nimmt den Kommunen keiner ab

Jetzt ist es - einmal mehr - an den Kommunen, eine schwierige Entscheidung zu treffen. Und das Risiko, etwas falsch zu machen, nimmt ihnen keiner ab.

Jetzt noch schnell teure Luftfilter anschaffen, mit dem Risiko, dass sie nicht viel bringen? Oder doch lieber Füße stillhalten und den wachsenden Druck von Eltern und der Öffentlichkeit aushalten? Das alles im Wissen um die gefährliche Delta-Variante und drohende Schulschließungen im Herbst?

Wer würde sich da nicht dem Druck beugen? Doch Mitleid mit den Politikern ist nicht anzeigt. Das Thema ist anderthalb Jahre alt. Längst hätte man sich Gedanken machen können. Wer sich jetzt für die Anschaffung entscheidet, sollte zumindest nicht darüber klagen, dass das alles so kurzfristig kommt und bis zum Schulbeginn nach dem Sommer nicht mehr viel Zeit ist. Von den sicher happigen Preisen für die Geräte gar nicht zu sprechen, jetzt da sie alle haben wollen.

Luftfilter im Klassenzimmer? Zumindest bei jüngeren Kindern darüber nachdenken

Luftfilter, so sagt selbst die neue Stuttgarter Studie, können das Infektionsrisiko im Raum senken. Das heißt nicht, dass man alle Klassenzimmer damit ausstatten muss. Für eine Schulstadt wie Bruchsal wäre das schlicht nicht leistbar. Aber wenigstens in den jüngeren Klassen mit den nicht geimpften Kindern und in schlecht belüftbaren Zimmern sollte man darüber nachdenken.

Und ja: Allen muss klar sein, die Filter ersetzen das Lüften nicht. So viel kann man aber den Lehrern und Hausmeistern schon zutrauen. Gegen das Virus gibt es nun mal kein Allheilmittel, nur eine Kombination aus vielen Maßnahmen, und die Luftfilter sind ein Baustein.

Nutzen wir ihn. Fürs „familienfreundliche Bruchsal“ und alle anderen Gemeinden kann in dem Fall nur gelten: Im Zweifel für die Kinder. Und in dem Punkt ist noch viel Luft nach oben.

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