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16.000 Menschen mit Migrationshintergrund in der Stadt

Erste Bruchsaler Integrationsbericht im Gemeinderat vorgestellt

Nach anfänglicher Kritik wurde jetzt in Bruchsal der Integrationsbericht vorgestellt. Vor allem die enthaltenen Handlungsempfehlungen stießen damals im Rat auf wenig Gegenliebe. Das hat sich nun geändert.

Begegnung und Austausch: Beim Internationalen Stadtfest zeigt sich die Vielfalt Bruchsal. Erstmals wurde jetzt ein Integrationsbericht vorgelegt, in dem Daten und Fakten zusammengetragen und die Arbeit von Vereinen, Einrichtungen und der Verwaltung vorgestellt wurde. Foto: Martin Heintzen

Nachdem es im Winter noch ziemlich geknirscht hatte, wurde jetzt in der Gemeinderatssitzung vom Dienstag der erste Bruchsaler Integrationsbericht erstmals öffentlich vorgestellt.

Er nimmt die Jahre 2015 bis 2019 in den Blick. In Zukunft sei ein Integrationsmonitoring geplant und eine kontinuierliche Fortschreibung, sagte die Integrationsbeauftragte Fürüzan Kübach in einer kurzen Präsentation.

Der Rat nahm den Bericht einstimmig zur Kenntnis.

Im Winter gab es viel Kritik an Handlungsempfehlungen

Eigentlich sollte das umfangreiche Zahlen- und Faktenwerk bereits in der Novembersitzung präsentiert werden. Damals wurde der Tagesordnungspunkt jedoch kurzfristig abgesetzt, vor allem die Handlungsempfehlungen waren auf Kritik gestoßen.

Von Seiten der Verwaltung plant man daher nun, sukzessive mit Vorschlägen zu bestimmten „Handlungsfeldern“ in den Rat zu gehen. Aus den Reihen des Gemeinderates wurde zudem eine Klausurtagung mit dem Schwerpunkt Integration angeregt.

Zum Inhalt: Rund 16.000 Menschen mit Migrationshintergrund leben inzwischen in Bruchsal mit einer Gesamteinwohnerzahl von mehr als 45.150 Menschen (Stand: 2019). Das sind rund 35 Prozent, davon ist etwa die Hälfte Ausländer, die andere Hälfte sind Deutsche mit einem Migrationshintergrund.

Die meisten Bruchsaler mit Zuwanderungsgeschichte (circa 64 Prozent) sind im „arbeitsfähigen Alter zwischen 18 und 65 Jahren“, wie Kübach erklärte. Mehr als die Hälfte der Kinder im Vorschulalter haben einen Migrationshintergrund oder sind Ausländer, bei den Schülern sind es rund 30 Prozent. Kein Wunder also, dass die Fraktionen die Bedeutung des Spracherwerbs betonten.

Das Ah und Oh ist die Sprache - das ist keine banale, sondern die wichtigste Aussage.
Werner Schnatterbeck, CDU-Stadtrat

„Das Ah und Oh ist die Sprache - das ist keine banale, sondern die wichtigste Aussage“, sagte Werner Schnatterbeck (CDU). Integration sei ein nie endender Prozess, der gesamtgesellschaftlich beeinflusst werden sollte. Dass zweimal im Ausschuss über den Bericht diskutiert worden sei, zeige, welchen Umfang der Bericht habe. Schnatterbeck regte eine Klausurtagung zum Thema an.

Ruth Birkle (Grüne/Neue Köpfe) lobte den Bericht ebenfalls. Sie kritisierte jedoch den interkulturellen Ansatz, der heute oft im Gegensatz zu den universellen Menschenrechten gesehen werde. „Es muss eine Integration mit Blick auf das Individuum geben und nicht auf die Gruppe, der es zugeschrieben wird“, so Birkle.

Wie gelingt Integration in der Pandemie?

Das internationales Stadtfest nannte Fabian Verch (SPD) als positives Beispiel. Dort gelinge es Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen. Er forderte Sprachkurse speziell für Männer anzubieten und erhoffte sich dabei „Input von der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt“.

Eine große Herausforderung sei es, dass Integration trotz Pandemie gelinge. „Dieses Thema muss viel stärker auf die politische Agenda“, so Verch.

Bildung sei eigentlich Länderaufgabe, stellte Roland Foos (Freie Wähler) heraus. „Dennoch finanzieren wir das meiste selbst. Wir tragen das mit, weil wir die Erfolge sehen.“ Die Handlungsempfehlungen, wie etwa die Entsendung von Erzieherinnen in Familien, könne man nicht mittragen.

Jürgen Wacker (FDP) sagte, dass Deutschland kein Erkennungsproblem habe, sondern ein Defizit im Handeln. Er freue sich auf die Klausurtagung.

Gabriele von Massow (AfD/UBiB) sprach von großen Herausforderungen: „Es gibt Handlungsbedarf.“

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