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Sonnengruß auf dem Surfbrett

Wie Yoga-Schüler auf dem Stand-up-Paddle am Erlichsee zu innerer und äußerer Balance finden

Alexandra Roth bietet am Erlichsee Yoga auf dem Stand-up-Paddle-Board an. Dabei war sie noch Anfang des Jahres unsicher, ob der Trend - wie viele Anfänger- nicht wieder ins Wasser fällt.

Dehnübungen: Im Stand machen sich die Teilnehmerinnen warm für die Yoga-Übungen. Foto: Andreas Fuchs

Bei warmen 30 Grad machen sich neun junge Frauen zusammen mit Yoga-Lehrerin Alexandra Roth Ende Juli auf ans Wasser des Erlichsees in Oberhausen-Rheinhausen. Der große See liegt ruhig unter dem wolkenlosen Himmel. Badegäste sind am Mittwochabend kaum noch im Wasser. Am Ufer liegen schon die großen Sup-Boards bereit. Die Gruppe ist bunt gemischt. Darunter sind Schülerinnen von Roth, aber auch Yoga-Neulinge und einige Sup-Yoga Wiederholungstäter.

Stand-up-Paddle-Boards, kurz SUP-Boards, verleiht Andreas Fuchs seit dem vergangenen Jahr am Erlichsee. Auf die Idee, mit auf den aufstrebenden Trend „Sup-Yoga” aufzuspringen, kam der Verleiher. „Andreas Fuchs hat mich angerufen, weil er sein Angebot vergrößern wollte. Und er wollte mich dafür gewinnen”, erinnert sich Alexandra Roth an das erste Gespräch.

Erst dachte ich, das Sup-Yoga wäre nur ein Spaß und nichts Ernsthaftes. Aber ich wollte es unbedingt probieren.
Alexandra Roth, Yoga-Lehrerin

Warmes Wetter zieht die erfahrene Yoga-Lehrerin aufs Wasser

Yoga macht Roth seit vielen Jahren aus Leidenschaft. Seit 15 Jahren hat sie ein eigenes Zentrum in Oberhausen, dort bietet sie beispielsweise Yoga-Kurse und Mental-Coachings an. Doch die Yoga-Übung „Sonnengruß” auf ein Surfbrett zu verlagern, daran hatte Roth vor einem Jahr noch nicht gedacht.

„Erst dachte ich, das Sup-Yoga wäre nur ein Spaß und nichts Ernsthaftes. Aber ich wollte es unbedingt probieren.” Auf einem Board ist Roth davon noch nie gestanden. „Die ersten 15 Minuten, da konnte ich nicht mal aufstehen”, erzählt die 50-Jährige lachend. Aber dann ging es schnell. „Ich habe es einfach weiter probiert.”

Die Idee war geboren und Roth, als langjährige Yoga-Lehrerin, an Bord. Mit den steigenden Temperaturen wurden Termine am Erlichsee angeboten. Die Nachfrage was sofort da. „Die Termine sind immer voll”, so Roth. Corona-bedingt durften am Anfang sieben Teilnehmer mit dabei sein.

Das kann jeder, man muss sich nur trauen. Das ist alles Kopfsache.
Alexandra Roth, Yoga-Lehrerin

Mit der langsam untergehenden Sonne paddelt die Gruppe Ende Juli auf den See hinaus. Mitten auf dem Wasser sammeln sich die Teilnehmer und die Boards werden an Roths befestigt. Noch wackeln die Bretter samt Teilnehmerinnen auf dem Wasser. Sportübungen? Aufstehen? - Danach sieht es noch nicht aus. Doch die Stimmung ist ausgelassen, es wird gelacht und gescherzt.

Entspannung: Die Teilnehmer müssen vor dem Yoga zur Ruhe kommen. Foto: Andreas Fuchs

Wer seine Angst überwindet, wird belohnt

„Das kann jeder, man muss sich nur trauen. Das ist alles Kopfsache”, sagt Roth. Zunächst legen sich die jungen Frauen auf die Bretter. Es wird ruhiger in der Gruppe. Die Yoga-Lehrerin beginnt mit ihrem Programm. Die Gruppe soll sich entspannen, sich bewusst auf dem Wasser wahrnehmen. Die Atmung muss sich beruhigen. „Das Board verzeiht nichts. Bist du präsent, dann ist das Board ruhig, wirst du unruhig oder gestresst, wackelt das Board”, erklärt Roth. Wenn mal also nicht ins Wasser fallen möchte, sei Entschleunigen und Konzentration auf den Moment entscheidend.

Nun kommt Bewegung in die Gruppe. Übungen im Sitzen und im Vierfüßler-Stand meistern die Teilnehmerinnen unter Roths Anleitung. „Jetzt probieren wir den Sonnengruß”, sagt Roth. Beim Sonnengruß folgen viele Yoga-Figuren im Stand und im Liegen hintereinander, unter anderem streckt man im Stand die Arme weit geöffnet nach oben.

„Es geht nicht darum, dass alles perfekt klappt, aber macht es bewusst und in Ruhe.” Und tatsächlich: Kaum ein Teilnehmer gerät beim Sonnengruß unter der Sonne auf dem Board ins Wackeln. Es folgen weitere Übungen, unter anderem der „Krieger” und der „Hund”. Entscheidend ist die Balance, damit das Brett auf dem Wasser nicht ins Wanken gerät. Das Sup-Yoga trainiert so die tiefere Muskulatur und sorgt gleichzeitig für Entspannung.

„Mentaltraining in Reinform” inmitten der Natur

Nach rund eineinhalb Stunden ist die Sonne fast untergegangen und die Yoga-Stunde geht zu Ende. Ins Wasser gefallen ist heute niemand. Melanie Jung war zum ersten Mal dabei. „Man wird ruhiger auf dem See”, sagt sie. Yoga macht sie schon seit drei Jahren. Auf dem Board war es eine neue Herausforderung für sie. „Wenn man seine Angst überwindet, macht es viel Spaß. Ich bin immer noch begeistert.”

Eine Sup-Yoga Wiederholungstäterin ist Larissa Hamsch: „Man findet auf dem Wasser eine neue Perspektive.” Bei der Übung „Hund” wird eine Art Brücke mit dem Körper gebildet, der Blick geht kopfüber durch die Beine. „Wenn da auf ein mal der Himmel unten und der See oben ist, das ist ein tolles Bild”, sagt sie. „Das ist ganz anders als im Yoga-Raum”, erzählt Roth. „Man kann die Natur miteinbeziehen, alle Elemente sind um einen herum.” Roth bezeichnet das Sup-Yoga als „Mentaltraining in Reinform”.

Wenn man seine Angst überwindet, macht es viel Spaß. Ich bin immer noch begeistert.
Larissa Hamsch, Sup-Yoga Teilnehmerin

„Mir macht das einfach Spaß, das ist nichts geschäftsmäßiges”, sagt Roth. Aktuell können sich Interessierte für einzelne Termine anmelden. Pro Session kostet das Sup-Yoga 45 Euro, inklusive Leihgebühr für das Brett und Eintritt zum See. Im nächsten Sommer will Roth wieder Sup-Yoga anbieten, auch ein regelmäßiger Kurs sei denkbar. Die Nachfrage ist groß, nicht nur unter ihren Yoga-Schülern. Unter anderem hätte schon eine Gruppe eines Junggesellenabschieds angefragt.

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