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Mehr Wasser von oben statt Wein beim Aktionstag für Radfahrer

Aktion für Radler: Kraichgau-Winzer präsentieren Weine

Die Weingüter und Genossenschaften im Kraichgau haben sich eine gute Marktposition erarbeitet. Traditionsreiche und neue Häuser überzeugen Genießer mit Weiß- wie Rotweinen. Der Aktionstag Wein&Bike fiel aber wegen des viele Regens ins Wasser.

Michael Rothmaier, Weinerlebnisführerin Michaela Kern und Wolfgang Palesch (von links) empfingen Besucher in der Vinothek des Sulzfelder Bürgerbahnhofs. Foto: Tom Rebel

Fünf Weingüter und die örtliche Winzergenossenschaft gibt es in Sulzfeld. Für eine gemeinsame Präsentation der heimischen Produkte sorgt die Vinothek im Bürgerbahnhof. Natürlich genügt es nicht, die edel gestalteten Flaschen in Vitrinen zu betrachten. Am Samstag schenkten die Aktivisten des Genossenschaftsprojekts Bürgerbahnhof Riesling, Merlot, Lemberger oder Spätburgunder zum Verkosten ein. Allerdings wurde nicht so viele Probiergläser benötigt wie erwartet.

Bei gefühlten zwei Grad am Samstag schwangen sich keine Radfahrer auf ihr Gefährt, um am Aktionstag Wine&Bike zum Probegenuss zu strampeln. Nicht mal von Schorle- und Radtag konnte man sprechen. Zu stark verwässert wurde das Konzept. Einige neugierige Autofahrer und Begleiter waren doch anzutreffen, das galt auch fürs Weingut Klenert in Münzesheim oder das VDP-Prädikatsweingut Heitlinger in Östringen-Tiefenbach.

Besucher trotzen dem schlechten Wetter

In Sulzfelds Bürgerbahnhof ließ sich ein Paar aus Knittlingen von Michaela Kern erläutern, was rund um die Burg Ravensburg vom dortigen Weingut sowie dem Reblandhof oder den Weingütern Pfefferle und Brüssel, dem Winzerhof Bregler plus den Winzern aus Baden (früher Winzerkeller Wiesloch) im Angebot ist. Die beiden Knittlinger kennen die weite Welt der Weine, aber sie schätzen sehr, was im Kraichgau ausgebaut wird. Beispielsweise in Oberderdingen oder Kürnbach. „Die jungen Winzer mit vielen Erfahrungen aus allen Kontinenten haben für eine ständige Verbesserung der Qualität gesorgt“, findet das Paar.

Mit Michaela Kern steht in Sulzfeld seit Mai eine ausgebildete Wein-Erlebnisführerin zur Verfügung. Ein Mosaikstein, um den Kraichgauort für Besucher attraktiv zu halten. „Wir sind tatsächlich sehr gut gebucht von Touristen, die Übernachtungsmöglichkeiten werden genutzt und ein Winzerhof baut gerade aus“, berichtet Sulzfelds Bürgermeisterin Sarina Pfründner.

E-Bike-Station im Hof

In Oberderdingen hatte sich das Weingut Lutz mit seiner Ladestation für E-Bike und einem Zelt im Hof gut eingestellt auf den herbstlichen Aktionstag. Aber am Amthof drängten sich keine Ausflügler beim Strom- und Weinservice. In Kürnbach klinkte sich das Weingut Gravino angesichts des Wetters kurzfristig ganz aus dem Programm aus. Echte Kraichgau-Touristen waren dennoch anzutreffen.

Ein Wochenende mit Wandern und Wellness gönnten sich Claudia Hendrischk und Josefine Kletzsch. Die beiden Leipzigerinnen mit beruflichen Aufgaben in Stuttgart waren durch die Badewelt-Sinsheim in die Region angelockt worden und suchten beim Weingut Heitlinger Weine nach ihrem Geschmack. Wo hätten sie eine bessere Auswahl finden können? Auf 85 Hektar Reben in Tiefenbach, Eichelberg, Odenheim oder Hilsbach baut Heitlinger an. Das verbundene Weingut Burg Ravensburg verfügt zuäsätzlich über 35 Hektar. „Der Kraichgau ist Burgunderland“, erläutert Sommelier Gautam Nagpal den beiden Lêipzigerinnen und empfiehlt zu nächst einen Pinot Gris, später einen Chardonnay und einen Auxerrois. Auch ein Riesling kommt zur Verkostung. Trockene Weine aus „Großen Gewächsen“ finden den Geschmack der beiden Frauen.

Was im Boden von Reben steckt: Auch das gehört zu einer Weininformation bei Heitlinger in Tiefenbach. Sommelier Gantam Nagpal zeigt in Schälchen, was an Kompost in den Weinberg kommt. Beispielsweise Beinwell, Kuhmist oder Hornkiesel. Foto: Tom Rebel

Heitlinger habe sich der biologisch-dynamischen Erzeugung verschrieben und berücksichtige den Mondkalender, erläutert der britische Sommelier, der lange in der Toskana gearbeitet hat und die in vergleichbare Kraichgaulandschaft lieben gelernt hat. Selbst das Vorzeigen von Kompost gehört zu einer Weininformation. In einer Kiste mit Schälchen zeigt Nagpal, dass Beinwell, Kuhmist oder Hornkiesel in den Boden kommen. Bereits 1960 wurde das Tiefenbacher Weingut gegründet, 2010 erfolgte die wirtschaftliche Vereinigung mit der „Burg Ravensburg“ . Claus Burmeister führt die Geschäfte der Häuser mit Leuchtturmfunktion für die verbesserte Marktposition der Kraichgauweine.

Erst seit fünf Jahren hat der in Kürnbach aufgewachsene David Klenert sein Weingut mit Sitz in Münzesheim. Und doch fanden die Produkte mit dem Label Ecovin schnell Resonanz. „Der Auxerrois ist leider ausverkauft bei uns, vielleicht können sie im Mingolsheimer Weingeschäft noch ein paar Flaschen bekommen“, erfährt ein Kunde am Samstag in Münzesheim. Immerhin hat Klenert-Mitarbeiter Ruben Mannherz eine gute Nachricht dazu: Im November oder Dezember wird der 2020er Auxerrois zu haben sein.

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