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Viel Lärm und Luftbelastung

Staus auf B292 nerven Östringer Bürgerinitiative und das Rathaus

Eine neue Bürgerinitiative in Östringen will eine Nordumgehung der B292 unmittelbar am Ort verhindern. Im Östringer Rathaus rennt man dabei offene Türen ein, denn die Straße würde durch ein längst genehmigtes Baugebiet führen.

Der Kreisel an der B292/Industriestraße spielt eine wichtige Rolle in den Überlegungen des Östringer Rathauses und Befürchtungen der Bürgerinitiative über die neue Umgehungsstraße. Foto: Schaub

Sobald auf der A5 oder 6 ein Stau ist, merken wir das sofort“, erzählt Östringens Bürgermeister Felix Geider: „Das wird in Zukunft noch zunehmen“, verweist er auf die geplanten Sanierungsarbeiten am Walldorfer Kreuz. Leidtragende sind die Bewohner der Östringer Hauptstraße, die gleichzeitig ein Teil der B292 ist und über die sich in solchen Fällen der Transitverkehr schiebt.

Dass die Belange der lärm- und abgasgeplagten Anwohner ernst genommen werden müssen, ist im Rathaus klar. Die neu gegründete Bürgerinitiative Ortsumgehung Östringen rennt mit ihren Forderungen bei Felix Geider deshalb offene Türen ein: „Wir rudern im selben Boot.“ Nur wo eine mögliche Ortsumgehung verlaufen soll, da will man sich im Östringer Rathaus alle Optionen offen halten.

Stau auf der A5 oder A6 merken wir sofort

Eine Nordumgehung in unmittelbarer Nähe des Wohngebiets am Dinkelberg, wird von der Bürgerinitiative abgelehnt. Diese Variante nennt der Bundesverkehrswegeplan von 2016: „Die Belastungen durch Verkehr, Lärm und Feinstaub werden nur auf die Einwohner im nördlichen Teil von Östringen verlagert“, sagt der Pressesprecher der Bürgerinitiative, Michael Ruf. Der Andrang bei einer ersten Infoveranstaltung war mit 200 Interessenten groß.

Großer Andrang bei Bürgerinitiative

„Damit haben wir nicht gerechnet“, so Ruf. Befürchtet wird außerdem, dass die Östringer mit einer Nordumfahrung vom Naherholungsgebiet im Brettwald abgeschnitten werden. Mittlerweile hat der neu gegründete Verein 85 Mitglieder. Mit den beiden neue Kreisverkehren an der B292/Industriestraße und der Franz-Gurk-Straße sieht die Bürgerinitiative bereits Nägel mit Köpfen für diese Pläne gemacht.

Vorstudie durch Fakten überholt

Diese Einschätzung teilt Bürgermeister Geider nicht. Seiner Meinung nach ist die umstrittene Nordumgehung, wie im vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans beschrieben, lediglich eine Vorstudie. Und die ist längst durch Fakten überholt worden. Denn am östlichen Ortsausgang entsteht auf 10,65 Hektar das neue Wohngebiet Dinkelberg IV mit 165 Parzellen und 295 Wohneinheiten. Mit den konkreten Erschließungsarbeiten soll Ende 2021 oder Anfang 2022 begonnen werden. Wo und wie das neue Wohngebiet an die Hauptstraße angeschlossen wird, ist noch nicht abschließend geklärt. Später werden dort aber etwa 620 Menschen wohnen.

Nordumfahrung würde durch Baugebiet führen

Diese Planungen sind längst mit dem Regierungspräsidium (RP) und Landratsamt Karlsruhe abgestimmt. „Auch Eidechsen wurden schon evakuiert“, so Geider im BNN-Gespräch. Eine mögliche Nordumfahrung, wie von der Bürgerinitiative befürchtet, würde genau durch dieses neue Baugebiet führen. Damit ist sie nach Einschätzung Geiders längst vom Tisch. Die Vorstudie im Bundesverkehrswegeplan hat keinen planungsrechtlichen Charakter, so der Bürgermeister. Die Planungshoheit liege in dem Fall bei der Gemeinde. „Auch inhaltlich macht eine Nordumfahrung keinen Sinn, die Probleme wären nur an den nördlichen Rand verlagert“, erzählt Geider.

Weitere Untersuchungen geplant

Er plädiert dafür, die weiteren Voruntersuchungen im FFH-Gebiet abzuwarten, so lange sei alles spekulativ. Ohnehin werden wegen der Vordringlichkeit der B35-Umfahrung in Bruchsal die weiteren Planungen in Östringen zurück gestellt. RP-Sprecherin Irene Feilhauer teilte auf BNN-Anfrage mit, dass die Maßnahme in Östringen weiter im vordringlichen Bedarf sei und Planungen bis 2025 vorgelegt werden müssen. Zwischenzeitlich liegen auch Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie durch die Hochschule Karlsruhe vor. Inhaltlich wollte sie dazu nichts sagen.

Im Dialog

Auch im Rathaus wartet man erst einmal ab: Für Geider ist auch eine Südumfahrung, die laut Bundesverkehrswegeplan zwei Tunnel und eine Talbrücke erfordern, noch nicht vom Tisch. Für nachdenkenswert hält er eine weite Umfahrung durch den Brettwald, die kurz vor der Kläranlage – allerdings auf Gemarkung Bad Schönborn – beginnen könnte und bei Mühlhausen an die B 39 anschließen würde. In dem Fall würden aber auch die Rettigheimer ein Wörtchen mitreden. Auf jeden Fall sei das ein Prozess, bei der die Bevölkerung mitgenommen werden müsse.

Östringer sorgen für meisten Verkehr

Ohnehin ist ein Teil der Verkehrsprobleme hausgemacht: So sind über 50 Prozent des Verkehrs auf der Hauptstraße Pkw-Fahrten von Östringern oder Mitarbeitern von Firmen in den Industriegebieten. Lkw machen laut Geider nur 15 Prozent des Verkehrs aus.

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