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Kleiner Beitrag zur Energieversorgung

Windräder auf dem neuen Studentenwohnheim in Bruchsal liefern Strom für zehn Mikrowellen

Seit einigen Wochen drehen sich nun drei neuartige Windräder auf Bruchsals Studentenwohnheim. Sie leisten einen kleinen Beitrag zur Energieversorgung. Für Bauherr Matthias Holoch ist die Anlage ein Versuch.

Seit gut vier Wochen drehen sich nun endlich die drei neuartigen Windräder auf Bruchsals Studentenwohnheim Foto: Heinz Forler

Matthias Holoch denkt in großen Dimensionen. Und er und kümmert sich zugleich um Details. „Wir versuchen zu zeigen, was bautechnisch in puncto Nachhaltigkeit möglich ist“, sagt der 51-Jährige. Er ist Bauherr und einer der Gesellschafter des Studentenwohnheims in der Bruchsaler Bahnstadt. Außerdem nennt er sich Vorreiter für umweltgerechtes Wohnen in naher Zukunft.

Bei der Energiegewinnung verlassen Holoch und Kollegen die ausgetretenen Wege. So ragen auf dem Flachdach des 27 Meter hohen Gebäudes drei Savonius-Rotoren.

Das sind Windräder mit schaufelförmigen, einander überlappenden Flügeln, die entlang der Drehachse montiert sind. Im Gegensatz zu Windrädern in der freien Landschaft oder vor den Küsten haben sie eine vertikale Achse. Damit funktionieren sie unabhängig von der Windrichtung.

Vorteile der Rotoren auf dem Studentenwohnheim in Bruchsal

Die vergleichsweise kleinen Turbinen, die nach ihrem Erfinder Sigurd Savonius benannt sind, seien nicht so effektiv wie die großen Anlagen außerhalb der Kommunen, sagt Holoch. Er nennt aber auch Vorteile: „Die Rotoren drehen sich nicht schneller als der Wind.“ Somit gebe es keine Vibrationen, keine Schattenwürfe, keine Geräusche und keinen Vogelschlag.

Meines Wissens gibt es in Deutschland keine weitere Anlage in dieser Größe.
Matthias Holoch, Bauherr

„Diese Anlage ist ein Versuch“, erklärt der Bruchsaler: „Meines Wissens gibt es in Deutschland keine weitere Anlage in dieser Größe.“ Die drei Rotoren erzeugen nach seinen Angaben zusammen maximal 9.000 Watt. Das ist etwa so viel, wie zehn Mikrowellen bei voller Leistung benötigen.

Holoch sieht sie als einen Baustein der Stromversorgung. „Man muss sich an andere Vorstellungen gewöhnen als bei Fotovoltaik.“ Er könne sich aber durchaus vorstellen, dass diese Technik künftig auch in Einfamilienhäusern für Licht und Wärme sorgen wird.

Bald soll die Batterie in dem Bruchsaler Wohnheim eintreffen

Zusätzlich ist auch die Umwandlung von Sonnenlicht in Strom in dem Wohnheim ein wichtiger Faktor. Auf dem Dach und an den Wänden des Gebäudes in der Straße Am Alten Güterbahnhof sind auf einer Fläche von 1.200 Quadratmetern Solarzellen angebracht. Diese können rund 200.000 Watt produzieren.

Dann werden wir doppelt so viel Energie erzeugen, wie wir brauchen.
Matthias Holoch, Bauherr

Um jedoch völlig unabhängig von den Stadtwerken zu werden, müssen sich die Verantwortlichen der Studenten-Wohnen-Bruchsal GmbH und Co. KG nur noch ein wenig gedulden. Autark wird das Wohnheim nämlich sein, sobald die Batterie in der Größe eines Schiffscontainers eingetroffen ist. Und das soll bald soweit sein. „Dann werden wir doppelt so viel Energie erzeugen, wie wir brauchen.“

Keiner der Bewohner in „Stage 76“ ist älter als 30 Jahre

An dem Gebäude, das für rund zwölf Millionen Euro errichtet wurde, prangt der Schriftzug „Stage 76“. Die Buchstaben sind die Abkürzung für „Studenten und Auszubildende leben gemeinsam“. Die Zahl verweist auf die beiden ersten Ziffern der Bruchsaler Postleitzahl. Im Oktober 2020 sind die ersten Bewohner eingezogen. Niemand ist älter als 30 Jahre. Seit Frühsommer 2021 ist das Wohnheim mit 150 Studenten, Auszubildenden, Schülern und Praktikanten komplett belegt.

Platz gibt es auch für Tiere. So ist ein Steinhügel für Eidechsen aufgeschichtet, in den Wänden sind Nistkästen für Schwalben, Mauersegler oder Fledermäuse. Und bald schon soll sich die Fassade deutlich von jenen der Nachbargebäude unterscheiden. Denn überall hängen große Kübel, aus denen Pflanzen und bis zu sechs Meter hohe Bäume sprießen sollen.

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