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Zu Besuch im Stall

Von wegen störrisch und faul: Eselzüchterin aus Bruchsal räumt mit Vorurteilen auf

Kein anderes Tier ist so sehr mit der Weihnachtsgeschichte verbunden wie der Esel. Nachvollziehbar findet das Katrin Dickgießer-Weiß. Denn beinahe ebenso faszinierend wie die Weihnachtsgeschichte findet die Bruchsaler Eselzüchterin die Tiere.

Eselszüchterin Katrin Dickgießer-Weiß und ihre Tochter Carla mit den Eseln Lucy und Kir. Sie sind vom Eselsvirus befallen, sagen sie. Foto: Patricia Bonaudo

„Wer einmal vom Eselvirus befallen ist, kommt nicht mehr davon los“, sagt Katrin Dickgießer-Weiß. Sie selbst ist jedenfalls schon lange infiziert. Mit Eseln ist sie aufgewachsen, später hat sie die Tiere von ihrem Vater übernommen.

In ihrem Stall raschelt das Stroh. Zu hören ist das gleichmäßige Kauen von Leopold, Napoleon, Lucy und Kir. „Ich liebe dieses Geräusch“, sagt Dickgießer-Weiß. Esel beschreibt sie als klug, gutmütig und sensibel. Deshalb sei es in Wirklichkeit ein Kompliment, einen Menschen als Esel zu bezeichnen.

Und doch hält sich das Gerücht vom dummen, störrischen und faulen Esel. Die vermeintliche Sturheit sei aber vielmehr ein Abwägen von Optionen bei Gefahren. Denn im Gegensatz zum Pferd fliehe der Esel nicht, sagt Dickgießer-Weiß. In seiner felsigen und steilen Heimat würde ihn unkontrolliertes Weglaufen möglicherweise das Leben kosten. Ein Esel bleibe also erst einmal stehen und überlege, wie er seine Haut am besten retten könne.

Mit Eselin Lucy auf dem Jakobsweg

Inzwischen steht die nächste Generation Esel-Liebhaber bei Familie Dickgießer-Weiß in den Startlöchern. Ein Leben ohne Esel können sich die Kinder Karla, Selma und Jakob nicht vorstellen. So kommt Selma jeden Tag, um mit den Tieren zu arbeiten und Kunststücke einzustudieren. Im Sommer reiten Selma und Karla manchmal gemeinsam aus. „Und Leopold hält ganz still, wenn Jakob ihm die Hufe säubert. Wir anderen dürfen das nicht“, sagt Dickgießer-Weiß.

Jakob, der Sohn von Züchterin Kathrin Dickgießer-Weiß reitet auch gern mal auf einem Esel. Foto: Katrin Dickgießer-Weiß

Vor einigen Jahren hat Eselin Lucy ihre Halterin auf dem Jakobsweg begleitet. Über 800 km legten die beiden in Spanien zurück. In Vorträgen berichtet Dickgießer-Weiß von ihren Erlebnissen. „Viele meinten, ich hätte es gut, weil ich keinen Rucksack tragen musste. Aber ich habe dafür die Verantwortung für Lucy getragen.“ Jeden Abend habe sie einen geeigneten Stellplatz gesucht, an dem sie Lucy im Blick behalten konnte. Am Ende der Reise habe sich die Eselin gar nicht mehr von ihrer Halterin trennen wollen.

Esel-Freunde können die Tiere manchmal auch außerhalb des Stalls antreffen. „Die Kontaktfreudigkeit der Tiere nutzen wir, um uns in die Gemeinschaft hier einzubringen“, sagt Dickgießer-Weiß. Im Sommer bietet die Familie Ferienkurse an. Außerdem sind die Esel regelmäßig bei Krippenspielen oder beim Martinsumzug zu Gast.

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