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Energie aus 33 Metern Tiefe

Segen von oben, Energie von unten: Kloster Waghäusel setzt auf Erdwärme

Kirche und Wohnräume im Kloster Waghäusel werden mit Erdwärme beheizt. Die Ordensgemeinschaft der „Brüder vom gemeinsamen Leben“ hat bald nach Übernahme der Seelsorge auf diese Energieform gesetzt. Und blieb nicht bei einer Wärmepumpe stehen.

Die Klosterkirche Waghäusel wird mit Hilfe von Erdwärme beheizt. Schon seit 18 Jahren nutzt die Ordensgemeinschaft der „Brüder vom gemeinsamen Leben“ diese ölsparende Energieform. Foto: Thomas Liebscher

Pater Robert-Maria steigt die Treppen hinunter, biegt um einige Ecken, schließt eine Tür auf und steht vor dem schlichten, wichtigen Objekt. Ein grauer Kasten, bestückt mit weißen und schwarzen Rohren. Segensreich im Kloster Waghäusel, so darf man sagen, ist auch dieses Objekt im Heizungskeller.

Es handelt sich um eine Wärmepumpe, die für angenehme Temperaturen in der Wallfahrtskirche sowie im eigentlichen Klostergebäude sorgt. Die mit Strom betriebene Pumpe verwandelt Erdwärme in Heizungsluft oder erhitzt Wasser. „Wartungsfreundlich, umweltfreundlich und seit vielen Jahren kostensparend“, so charakterisiert Pater Robert-Maria diese Form der Energieerzeugung.

Der Wallfahrtsrektor und Hausobere kann zudem stolz darauf verweisen, dass in Waghäusel schon vor 18 Jahren die Energie von unten als den Segen von oben ergänzendes Pilotprojekt eingesetzt wurde. Das erzbischöfliche Bauamt in Heidelberg habe die innovativen Wege für die Kirche gefördert. Früher wurden 30.000 Liter Heizöl im Jahr benötigt, heute ist es nur ein Bruchteil davon. „Die Ölheizung haben wir immer noch. Sie wird benötigt, wenn es draußen kälter ist, und weil unsere ältere Wärmepumpe nicht die Effizienz von heutigen Modellen hat“, sagt der Katholik.

Sonden gehen in 33 Meter Tiefe

Im Klostergarten wurden einst 14 Sonden in den Boden eingelassen. In 33 Metern Tiefe entzieht eine Salz-Wasser-Lösung der Erde die Wärme. Die Pumpe mit Kältemittel und Heizkreislauf besorgt den Rest. Diese Art der Energiegewinnung begann in einer Nische. Heute stehe sie hoch im Kurs und erfreue sich großer Nachfrage, sagt der Bundesverband Wärmepumpe. Und stellte kürzlich das Kloster Waghäusel als Pioniereinrichtung heraus.

Mit der umfassenden Renovierung der Gebäude 2001 bis 2003 wurde der Schritt zur anderen Heizung gemacht. Gern hätten die „Brüder vom gemeinsamen Leben“, die das Kloster 1999 übernahmen, auch Solarzellen aufs Dach gebracht. Doch dem steht der Denkmalschutz entgegen.

Pater Robert-Maria an der Wärmepumpe im Heizkeller des Klosters Waghäusel. Foto: Thomas Liebscher

Heute leben fünf Brüder der augustinischen Ordensgemeinschaft in Waghäusel. Das Mutterhaus steht in Maria Bronnen im Schwarzwald. Die Brüder übernahmen 1999 die Seelsorge in St. Marien mit der traditionsreichen Wallfahrt zur „Mutter der gütigen Herzen“ von den Kapuzinern. Die Weiterentwicklung des Klosters nah bei der Eremitage ermöglicht, dass es weitere vier Mitbewohner gibt und genügend Platz ist für Besucher und Gruppen. Mit Aufenthaltsräumen für Wochenendangebote und Zimmern zur Übernachtung. Die aber erst wieder belegt werden können, wenn das Beherbergungsverbot endet.

Gästehaus mit neuer Generation von Wärmepumpe

Ein schmuckes Gästehaus hinter dem Kloster ist mit Stockbetten für Jugendgruppen ausgestattet - und auch dieses Gebäude wird mit einer Wärmepumpe beheizt. Sogar einer der neueren Generation. Es handelt sich um eine Luft-Luft-Wärmepumpe.

Das Gästehaus und die Gästezimmer blieben viele Monate des Pandemie-Jahres ungenutzt. „Das hat das Gesicht des Klosters stark verändert“, berichtet Pater Robert-Maria. Und es fehlen Einnahmen, zumal die Ordensgemeinschaft drei Angestellte beschäftigt. Hinzu kommen für die Gemeinde ein Hausmeister, eine Mitarbeiter im Sekretariat und der Orgeldienst für die Kirche. „Wir finanzieren uns nur zu einem geringen Teil aus Kirchensteuern“, erklärt der verantwortliche Pater. „Wir sind auf Spenden der Kirchenbesucher oder der Förderer angewiesen.“

Und wenn weniger Menschen die Kirche aufsuchen, kann das Budget nicht ausgeglichen werden. „Wir kommen jetzt ins Minus, ich will keinen Alarm schlagen, natürlich haben wir Rücklagen, aber sehr lange werden sie nicht halten,“ berichtet der in Mannheim aufgewachsene Bruder Robert-Maria. Aus einem weiten Gebiet zwischen Karlsruhe, Bruchsal, Speyer und Mannheim kommen üblicherweise Menschen zu den Gottesdiensten in die Klosterkirche. Oft reichen die Plätze nicht und es gibt Übertragungen in Säle des Klosters. Zuletzt blieb jedoch bis zur Hälfte der Stammbesucher zu Hause. An Weihnachten könnte es wieder anders sein, je nachdem, was politisch bis dahin noch entschieden wird. Die Brüder-Gemeinschaft stellt sich organisatorisch jedenfalls darauf ein.

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