Ausweichstrecke: Auch am Ortsausgang von Kirrlach in Richtung Waghäusel geht es auf der L555 oft bestenfalls nur im Schritttempo vorwärts. | Foto: Heintzen

A5-Baustelle sorgt für Stau

Staugefahr bis 2021: im Kriechtempo durch den nördlichen Landkreis Karlsruhe

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Wegen der neue Großbaustelle auf der Autobahn 5 zwischen der Anschlussstelle Kronau und dem Kreuz Walldorf kommt es auch auf Kreis und Bundesstraßen im nördlichen Landkreis Karlsruhe zu vielen Staus. Betroffen sind unter anderem die Bundesstraßen 3 und 35 sowie die Landesstraße 555 und die Kreisstraße 3575.

Die 54-jährige Assistentin aus Oberhausen arbeitet gern in Bruchsal. Eigentlich. In diesen Tagen, Wochen und Monaten wird ihr der Alltag allerdings vergällt. Nicht wegen der Aufgaben im Büro, sondern wegen der Fahrt zwischen Wohnort und Dienststelle. Statt der sonst üblichen 25 Minuten für die einfache Strecke benötigt sie derzeit mitunter doppelt so lange.

Hauptursachen für die Verzögerungen sind Staus wegen der neuen Baustelle auf der Autobahn 5 zwischen Kronau und Walldorf. Viele Berufspendler nutzen Bundes-, und Kreisstraßen im nördlichen Landkreis als Auswege. Mit der Folge: Auch dort geht es, wenn überhaupt, oft nur im Kriechtempo vorwärts.

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Von „erheblichen Behinderungen und kilometerlangen Staus“ berichtet ein Sprecher des Polizeipräsidiums. Betroffen sind nicht nur die Autobahnen 5 und 6 zwischen dem Dreieck Hockenheim und dem Walldorfer Kreuz. Auch auf der B35 zwischen Bruchsal und Philippsburg, der Kreisstraße 3575 von Bruchsal nach Kronau oder der B3 durch Ubstadt, Langenbrücken und Mingolsheim ist besonders zu Stoßzeiten viel Geduld am Lenkrad gefordert.

„B3 zu Pendlerzeiten sehr voll“

„Wir haben zwar keine belastbaren Zahlen, und es sind auch keine Klagen von Anwohnern bekannt“, erklärt Brunhilde Schlageter, Ordnungsamtsleiterin in Ubstadt-Weiher: „Aber die B3 ist zu Pendlerzeiten schon sehr voll.“ Und der Kreisverkehr auf der K3575 in Höhe von Stettfeld gilt auch zu Zeiten normaler Verkehrsverhältnisse als neuralgischer Punkt. Die Situation auf der B35 kommentiert Christopher Moll, stellvertretender Leiter des Polizeireviers Philippsburg, mit den Worten: „Es ist schlimm. Die Straße ist teilweise stark überlastet.“

Entspannung erwarten die Experten frühestens im April 2021. Dann sollen die 60 Millionen teuren Arbeiten an der Autobahn zwischen Kronau und Walldorf abgeschlossen sein. Derzeit ist die Fahrbahn von drei auf zwei Spuren verengt, weil die Beläge auf einer Länge von sechs Kilometern in beide Richtungen erneuert werden müssen. Zudem werden drei Brücken über der Schnelltrasse saniert, und eine Lärmschutzwand wird errichtet.

„Das ist eine gefühlte Geschichte“

Verkehrsteilnehmer reagieren irritiert über die vergleichsweise vielen Baustellen zur gleichen Zeit. Beispielsweise ist erst seit kurzem die B 292 bei Östringen nach Reparaturarbeiten wieder in beiden Richtungen befahrbar. Auf der Autobahn quälen sich die Kraftfahrer über Behelfsbrücken an Bruchsal vorbei. Die Landesstraße bei der Wiesentaler Kapelle ist wegen der Einrichtung eines Kreisels bis Ende dieses Jahres, die Salierbrücke bei Speyer sogar bis Anfang 2021 wegen Erneuerung dicht.

„Das wird so wahrgenommen, weil es viele Staus gibt“, sagt Irene Feilhauer, Pressesprecherin beim Regierungspräsidium Karlsruhe, zu der vermuteten Häufung und ergänzt: „Das ist aber eine gefühlte Geschichte; es geht alles nach Plan.“ Kriterien wie Fahrbahnbefestigung oder Belastung der Trassen seien ausschlaggebend für die Arbeiten.

„Die Straßenbauverwaltung erstellt auf dieser Grundlage ein Erhaltungsmanagement als Vier-Jahres-Programm“, heißt es im Regierungspräsidium. Dort verweist man darauf, „dass die schlechtesten Straßen als erstes saniert werden“.

Die Behörde hat mittlerweile eine weitere Großbaustelle angekündigt. Ab 2022 soll die A5 beim Autobahnkreuz Walldorf auf sechs Spuren erweitert werden. Der Bund hat dafür 140 Millionen Euro bereitgestellt. Mit rund 87000 Fahrzeugen pro Tag sei die „Kapazitätsgrenze eines vierstreifigen Querschnitts erreicht“, teilt das Regierungspräsidium Karlsruhe mit. 2030 wird dort mit 97500 Autos und Lkw täglich gerechnet.