Kleinflugzeug in Bruchsal abgestürzt
An der Fassade eines Bauhaus Baumarktes liegen die Trümmer eines Kleinflugzeugs das dort abgestürzt ist. | Foto:  Uli Deck

Vorfall am 20. Juli

Zwischenbericht zu Flugzeugabsturz mit drei Toten in Bruchsal vorgelegt

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Nun ist zumindest der Ablauf des Flugzeugabsturzes vom 20. Juli klar. Dabei war Bruchsal knapp einer Katastrophe entgangen: Ein 80-jähriger Pilot war mit zwei Insassen gegen 13 Uhr in den rückwärtigen Teil des Bauhauses beim Flugplatz Bruchsal gekracht. Zu der Zeit herrschte samstäglicher Hochbetrieb in dem Baumarkt. Am Freitag hat die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) in Braunschweig nun den Zwischenbericht vorgelegt.

Er enthält keine Angaben zur Unfallursache, sondern beschreibt nur das Geschehen und macht Angaben zu den Opfern und dem Flugzeug. So stellt der BFU-Bericht etwa fest, das beim Start die Gesamtmasse 29,7 Kilogramm über dem zulässigen Wert lag. Ob das Ursache für den Absturz war, wird aber nicht gesagt. Auf Anfrage teilte ein BFU-Sprecher mit, dass innerhalb eines Jahres auch der Abschlussbericht mit der Unfallursache vorliegen soll.

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Flug konnte teilweise rekonstruiert werden

Anhand von Fotos eines Fluggastes konnte der Flug teilweise rekonstruiert werden: Danach startete der 80-jährige Pilot um 10.58 Uhr im nordrhein-westfälischen Attendorn-Finnentrop Richtung Dachau, wo man eine Person absetzen wollte, um anschließend nach Frankreich weiterzufliegen.

Laut GPS-Daten flog die Jodel DR 1050 über Siegen, Reichelsheim, Ronneburg, Aschaffenburg, Miltenberg, Heilbronn bis nach Bruchsal. Um 12.55 Uhr fiel dem Flugleiter des Landeplatz Bruchsal ein Motorflugzeug auf, das sich aus Richtung Nordosten und viel zu tief näherte.

Offensichtlich versuchte der Pilot die Höhe zu korrigieren, war dann aber zu hoch unterwegs und startete durch. Vergeblich versuchte der Flugleiter, Kontakt über Sprechfunk mit dem Piloten der Maschine aufzunehmen. Die viersitzige Jodel DR 1050 drehte ab und flog den Landeplatz dann ein zweites Mal von Süden her an, wie es in dem BFU-Bericht heißt.

Maschine prallte mit Schräglage gegen den Baumarkt

Bei ihrer Untersuchung konnten die Mitarbeiter der BFU zahlreiche Filmaufnahmen auswerten, die Besucher auf dem Flugplatz machten. Auf den Videos ist zu sehen, dass die Landeklappen ausgefahren sind und die Jodel mit reduzierter Leistung anflog. Offensichtlich versuchte der Pilot ein zweites Mal durchzustarten. Drei bis vier Sekunden vor dem Unfall zog das Flugzeug im leichten Steigflug nach links. Mit zunehmender Schräglage prallte die Maschine im Sinkflug gegen die rückwärtige Seite des Baumarktes, wo sich ein Lager befindet.

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Das Flugzeug prallte in drei Meter Höhe gegen einen Betonpfeiler und die Gebäudewand. Triebwerk und Cockpit wurden durch die Wucht des Aufpralls vom Rumpf getrennt und lagen links vom Pfeiler. Die zerstörte Kabine lag rechts davon.

Im Inneren fanden die Rettungskräfte, die sofort zum Unfallort geeilt waren, die drei tödlich verletzten Insassen. Die beiden vorderen Insassen trugen noch ihre Sicherheitsgurte. Die Schlösser der hinteren Sicherheitsgurte wurden geöffnet vorgefunden.

80-jähriger Pilot hatte 926 Stunden Flugerfahrung

Wie die BFU festgestellt hat, hatte der 80-Jährige eine EU-Pilotenlizenz und bis dato 926 Stunden Flugerfahrung mit 1.104 Starts und Landungen auf Motorflugzeugen gesammelt. Sein flugmedizinisches Tauglichkeitszeugnis war noch bis 17. Mai 2020 gültig.

Bereits Anfang August hatte die Staatsanwaltschaft Karlsruhe das Obduktionsergebnis bekannt gegeben. Danach gab es keine Hinweise auf einen internistischen Notfall. Eine Sprecherin des Polizeipräsidiums Karlsruhe erklärte am Freitag auf Anfrage, dass es weiter offen sei, ob medizinische Ursachen vorlagen. Dies sei wahrscheinlich auch nicht mehr zu klären.

Die 1964 gebaute Jodel DR 1050 war zuletzt am 21. April 2019 kontrolliert worden. Seit ihrem Bau hatte sie 1.322 Starts und Landungen hinter sich.