Die Zukunft des Bühler Schlachthofs ist ein wichtiges kommunalpolitisches Thema. Das zeigte sich auch beim Besuch des Bühler Gemeinderates im Jahr 2014. | Foto: Ulrich Coenen

Hof in Offenburg schließt

Schlachthof in Bühl ist künftig der letzte in Mittelbaden

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Zum Jahresende schließt der Schlachthof in Offenburg. In Mittelbaden gibt es dann nur noch den Schlachthof in Bühl. Der gewinnt einige neue Kunden. Für Viehtransporte werden die Wege damit länger. Die nächsten Schlachthöfe sind im Breisgau, in Mannheim und in Bretten. 

Der Termin steht. Zum Jahresende macht der Schlachthof in Offenburg dicht. Er ist der Stadtentwicklung im Wege. Pläne für einen Neubau haben sich zerschlagen. So bleibt den Kunden im Ortenaukreis in Zukunft nur der Weg nach Bühl oder in den Breisgau, wo sich die nächsten Schlachthöfe befinden.

Mehr Bedeutung

Die Frage, ob und in welchem Umfang der Bühler Schlachthof von dieser Entwicklung profitiert, wird seit Jahren diskutiert. Nach dem Fleischskandal, der in den vergangenen Wochen für Schlagzeilen gesorgt hat, gewinnt der demnächst einzige Schlachthof in Mittelbaden deutlich an Bedeutung.

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Klar ist aber inzwischen, dass der Bühler Schlachthof nicht offizieller Nachfolger des Offenburgers wird. „Die vom früheren Offenburger Landrat Klaus Brodbeck angestrebte Kooperation beziehungsweise die Verlegung der Offenburger Schlachtungen nach Bühl wurden nicht weiterverfolgt“, konstatiert Andreas Bohnert, der Geschäftsführer des Bühler Schlachthofs. „Die Schließung des Schlachthofs Offenburg wird aus unserer Sicht bedauert. Dadurch brechen weitere Strukturen in der Landwirtschaft und im Metzgerhandwerk weg.“

Edeka kommt nicht nach Bühl

Dennoch wird der Bühler Schlachthof vom „Aus“ in Offenburg profitieren, allerdings nur bedingt. Edeka, der größte Kunde in Offenburg, wird nicht nach Bühl wechseln. Damit hat in der Zwetschgenstadt aber auch niemand gerechnet. „Die Struktur des Offenburger Schlachthofs hat sich schon immer grundlegend von der Bühler Situation unterschieden“, stellt Bohnert fest. „Die Schlachtzahlen wurden von Edeka dominiert. Diese Schlachtungen werden, soweit nicht schon erfolgt, in die großen industriellen Schlachthöfe verlegt. Bühl stand hier nie zur Diskussion, wäre auch für Nischenprodukte nicht geeignet.“

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Einige neue Kunden

Im Hinblick auf die kleineren Offenburger Kunden sieht es besser aus. „Die Filiale eines Fleischhändlers wird Schlachtungen nach Bühl verlagern“, berichtet Bohnert. „Auch drei bis fünf mittelständische Metzgerbetriebe werden voraussichtlich nach Bühl kommen. Die ersten Gespräche finden erst in den nächsten Wochen statt.“

Die Zahl der Schlachtungen in Bühl wird damit steigen. Bohnert geht von 3 500 bis 4 000 zusätzlichen Schweinen pro Jahr aus. Sollte Michael Bauernschmid, der Betreiber des Offenburger Schlachthofes, der sich auf seinen Zerlegebetrieb und den Fleischhandel konzentrieren will, Schlachtungen in Bühl durchführen, könnten die Zuwächse noch deutlicher ausfallen. Wie viele zusätzliche Rinder im nächsten Jahr in Bühl geschlachtet werden, kann Bohnert noch nicht einschätzen.

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Offenburg hat mehr Kapazität

Zum Vergleich: In Bühl wurden im vergangenen Jahr insgesamt 12 400 Schweine, 1 500 Rinder, 300 Kälber, 190 Schafe und Ziegen geschlachtet. Nach Auskunft von Bohnert werden diese Zahlen 2019 wieder erreicht. Offenburg hat mit rund 70 000 Schweinen und 4 000 Rindern pro Jahr eine deutlich höhere Kapazität.

Bohnert betont zudem, dass sich die kleinen Metzgereien, die Kunden in Bühl sind, zunehmend schwertun. „Ihnen geht es nicht anders als beispielsweise den kleinen Bäckern“, erklärt er. „Natürlich hilft der Fleischskandal den regionalen Betrieben aktuell.“ Dies sei aber nicht von Dauer, weil es letztendlich um den Preis gehe.

Die Wege werden weiter

Die Zukunft der Schlachthöfe in Bühl und Offenburg ist seit vielen Jahren ein Dauerthema.
Die Landesbeauftragte für Tierschutz, Cornelie Jäger, hat 2015 ein vom Land Baden-Württemberg finanziertes Fachgutachten in Auftrag gegeben, das die Leistungsfähigkeit des Bühler Schlachthofs prüfen sollte. Das Schlachtvieh in Bühl wird unter anderem von Hofläden und Privatpersonen angeliefert. Dieses Gutachten sah für Bühl grundsätzlich gute Chancen als Nachfolger des Offenburger Schlachthofs, forderte aber bauliche Veränderungen.

Eigentümerin der Immobilie in der Bühler Industriestraße, in der sich der Schlachthof befindet, ist die Stadt. Betrieben wird diese Einrichtung von der Schlachthof Bühl GmbH als Pächterin. Gesellschafter sind neben der Stadt die Gemeinde Ottersweier, zwei Fleischhändler, ein Pharma-Unternehmen, elf Landwirte und sechs Metzger.

Schlachthöfe werden nach dem Betriebsende in Offenburg in Baden selten. Neben Freiburg und Bretten gibt es weitere Schlachthöfe in Mannheim, und Bahlingen am Kaiserstuhl.