Das Schloss wird bei Jonas Denzel zum riesigen Piano | Foto: jodo

Hände stehen im Fokus

Jonas Denzel macht Zuschauer zu einem Teil der Schlosslichtspiele

Anzeige

Jonas Denzel ist ein Wagnis eingegangen: Wird es gelingen, die Zuschauer der Schlosslichtspiele zum Mitmachen zu bewegen? Sie Teil einer Show werden zu lassen?

Schon seit der Premiere Ende Juli ist die Antwort eindeutig: Begeistert klatschen die Besucher Abend für Abend mit, wenn die Hände auf der Fassade sie dazu auffordern. Ja, einige fiebern regelrecht dem Beitrag entgegen – der komplett „made in Karlsruhe“ ist. Als einziger in diesem Jahr.

Jonas Denzel ist Karlsruher

Vier neue Projektionen gibt es insgesamt. Drei davon stammen von Künstlern aus Ungarn. Jonas Denzel ist der Vierte im Bunde. Er steuert das Werk „Hands-on“ bei.

Geboren und aufgewachsen in Karlsruhe, kennt er das Schloss quasi aus dem Effeff. „Und doch nimmt man es anders wahr, wenn man es bespielt“, berichtet der 27-Jährige.

Gigantische Projektionsfläche

Er strahlt, wenn er über seinen ersten eigenen Beitrag für die Schlosslichtspiele spricht. „Die Projektionsfläche ist mit einer Breite von 170 Metern gigantisch. Und es ist wahnsinnig schön zu erleben, wie die Arbeit beim Publikum ankommt“, sagt der Künstler.

Jonas Denzel
Jonas Denzel präsentiert die Show „Hands-on“ | Foto: jodo

Immer wieder erreichen ihn derzeit Mails von früheren Weggefährten, die seinen Namen auf der Schlossfassade sehen und ihm gratulieren zu diesem Erfolg. Und wenn er selbst abends vor Ort ist und wieder alle mitklatschen, „dann habe ich Gänsehaut“, sagt der junge Mann.

Schon 2015 mit dabei

Denzel war dabei, als die Schlosslichtspiele 2015 zum 300. Stadtgeburtstag Premiere feierten. „Damals war ich Volontär am ZKM.“

Dessen Chef Peter Weibel hatte die Idee zu den allabendlichen Projektionen, für die er bis heute Kurator ist. Weibel verantwortete auch weitere Kunstprojekte in der Stadt zum großen Jubiläum – etwa das schwebende Haus am Marktplatz.

Sehr inspirierend

„Als Volontär habe ich die Werke dokumentiert. Ich fuhr durch die Stadt, fotografierte und führte Interviews mit den Künstlern. Das war sehr inspirierend“, erinnert sich Denzel.

Er bekam den Auftrag, einen Werbespot für das ZKM im Rahmen der ersten Schlosslichtspiele zu gestalten. 30 Sekunden war der lang. Denzel ließ Nullen und Einsen über die Fassade regnen.

Ein richtig cooles Gefühl

„Ein richtig cooles Gefühl“ sei es gewesen, das Ergebnis dann im Herzen der Stadt zu sehen. „Damals war das ja alles Neuland.“

Denzel ging schließlich erst nach Mainz, um seinen Master in Mediendesign zu machen. Dann sicherte er sich das Fulbright-Stipendium, das ihm zwei Auslandssemester in Film- und Medienkunst in Philadelphia ermöglichte.

Noten werden zu Rädern

In der Zeit erreichte ihn ein Angebot von Weibel: zusammen mit dem ZKM-Chef durfte er 2017 an der Show „Velografie für Drais“ mitwirken. Notenköpfe verwandelten sich auf der Fassade in Räder.

Denzel kam gerade noch rechtzeitig aus den USA zurück, um das Werk vor Ort selbst zu erleben. In diesem Jahr präsentiert er nun also seine erste eigene Show.

Sechs Monate Arbeit

Sechs Monate arbeitete er an dem Werk, das alles in allem sieben Minuten dauert. Die Grundidee dahinter ist: Die Hände sind das erste Werkzeug des Menschen.

„Seit ich zehn bin, spiele ich Schlagzeug“, erzählt der 27-Jährige. „Es gibt Body-Percussion: Dabei wird der Körper zum Klangkörper. Also hatte ich die Idee, dass das Schloss zum Klangkörper und zum riesigen Klavier wird, das Hände bespielen“, so Denzel, den ZKM-Chef Weibel bei der Arbeit unterstützte.

100 Armpaare

Denzel bat Freunde und Bekannte, ihre Hände filmen zu dürfen. Mehr als 100 Armpaare kamen so zusammen, aufgenommen im selbst gebauten Studio im WG-Zimmer.

Anders als die Künstler aus Ungarn setzt er nicht auf aufwendige 3-D-Effekte. Er hatte nicht wie seine Kollegen riesige Teams an seiner Seite. Sein Werk ist minimalistischer. „Hands-on eben“, sagt er. „In einigen Szenen sind über 50 Hände auf einmal auf der Fassade zu sehen“, so der Künstler.

Sören Schaudel mit im Boot

Er filmte, schnitt, stellte frei. Und er grübelte: Wirkt es, wenn die Arme aus den Fenstern herauskommen? Und eben auch: Werden die Zuschauer tatsächlich mitklatschen? Auf dem Mauerwerk schließt sich schließlich der Kreis: Die Hände dirigieren den rechten Flügel, dann den linken, dann die Zuschauer davor, also die Mitte.
Die Musik, die dazu erklingt, hat Denzel zusammen mit seinem Freund Sören Schaudel produziert. Auch er ist gebürtiger Karlsruher. Heute studiert er in Freiburg.

Alle Geräusche am Schloss aufgenommen

„Wir haben alle Geräusche am Schloss aufgenommen. Wir haben an Türklinken und Regenrinnen gerieben und an Fenster geklopft. Wir sagten: Wahrscheinlich macht irgendwann jemand auf. Das passierte aber nicht“, erinnert sich der Künstler lachend.

Gerade erst machte er seinen Master in Mediendesign. Der Beitrag für die Schlosslichtspiele war Teil davon. Nun hat Denzel viel Besuch. Aus aller Welt reisen Freunde an, die das Werk gerne sehen möchten. „Jetzt haben wir etwas richtig cooles zu zeigen“, sagt Denzel. „Für Karlsruhe ist das ein absoluter Mehrwert.“

Anfragen von anderen Städten

Denzel verrät auch: „Ich habe schon Anfragen von anderen Städten.“ Schließlich ist man andernorts auf den Karlsruher Erfolg aufmerksam geworden und will Ähnliches anstoßen. Und Denzel hätte da schon eine Idee für einen neuen Beitrag für die Schlosslichtspiele. Welche das ist, verrät er nicht.

Überhaupt sei ja nicht klar, ob er nochmals so eine Chance bekommt. In jedem Fall würde er gerne weiter in dem Genre arbeiten, zumindest nebenher, eine Anstellung im Videostudio des ZKM könnte er sich nämlich auch sehr gut vorstellen.

Service

Die Schlosslichtspiele starten derzeit um 21.30 Uhr. Ab Freitag, 17. August, geht es um 21 Uhr los. Die Arbeit „Hands on“ ist am Donnerstag, 16. August, ab 22.25 Uhr zu sehen. Vom 17. bis 23. August startet der Beitrag um 23.10 Uhr, ab 24. August dann um 21 Uhr.