Volker Hasch ist seit 2007 Inhaber des Topsys und hat es seither Stück für Stück zu seinen Ursprüngen zurückgeführt. Gemeinsam mit Tina Casal ist er an fast jedem Abend da, an dem das Topsy Turvy seine Tür öffnet.
Volker Hasch ist seit 2007 Inhaber des Topsys und hat es seither Stück für Stück zu seinen Ursprüngen zurückgeführt. Gemeinsam mit Tina Casal ist er an fast jedem Abend da, an dem das Topsy Turvy seine Tür öffnet. | Foto: cf

50 Jahre Party im U-Boot

Faszination Topsy Turvy: Wo die Verrückten feiern gehen

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Früher kamen nur wenige Auserwählte mit einem Schlüssel hinein, heute steht die eine Tonne schwere Tür mit dem Bullauge fast jedem offen. Das Topsy Turvy in der Karlsruher Hirschstraße wird 50 und ist damit der älteste Club der Stadt. Außergewöhnlich ist aber nicht nur sein Alter. Denn das „magische Theater“, das Innenarchitekt David Lauer einst aus einer Wäscherei schuf, ist „nur für Verrückte“. Was aber steckt eigentlich hinter der Faszination Topsy?

Bei Tageslicht und von außen betrachtet hat das Topsy Turvy, das von den Karlsruhern liebevoll einfach „Topsy“ genannt wird, etwas von einem Spielplatz. Die bunte Fassade mit den runden Fenstern wirkt wie mit Wasserfarben in die Häuserzeile der Hirschstraße hineingemalt. Am Mittwochvormittag gehen viele, die am Wochenende auf der Tanzfläche mit den verspiegelten Wänden feiern, ihrer Arbeit nach. Im Topsy laufen derweil allmählich die Vorbereitungen für die nächste Party an.

„Ich bin nicht so der Nüchterne. Ich stehe schon auf Kitsch“, sagt Volker Hasch und nimmt einen Schluck von seiner Cola Light. Hasch ist seit 2007 Inhaber des Topsys. In dieser Zeit hat er es Stück für Stück wieder zu seinem Ursprung zurückgeführt, nachdem es einige Zeit zur Cocktailbar umfunktioniert worden war. „Das kannst du in Karlsruhe nicht machen“, sagt Hasch. „Die Karlsruher hängen an ihren Traditionen.“ Und zur Topsy-Tradition gehört eben auch ein bisschen Kitsch.

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Ab und zu sind Schrauben locker

Bei den Gästen des Clubs kommt das an. „Manchmal nehmen die Leute etwas von der Deko mit“, gibt Tina Casal, Haschs Partnerin, zu. Ab und zu fehlen sogar ein paar der rund 35.000 Schrauben aus der Wandverkleidung, die die Gäste wohl mit der Hand herausdrehen. Was die Leute mit denen machen, wissen Casal und Hasch nicht.

Ob die Topsy-Gäste nicht doch ein bisschen verrückt sind? Immerhin steht auf dem Schild, das über der Eingangstür hängt, folgende Passage aus Hermann Hesses „Steppenwolf“: „Magisches Theater. Eintritt nicht für Jedermann. Nur für Verrückte. Eintritt kostet den Verstand.“

Wenn das stimmt, dann sind in Karlsruhe sehr viele Menschen verrückt. Denn das Topsy ist fast immer voll. „Das mag nicht jeder“, erklärt Casal. Aber viele schätzen die familiäre Atmosphäre. Denn im Topsy kennt man sich. „Viele Gäste unterhalten sich gerne mit den Barleuten“, weiß Hasch. Da gehe es auch einmal um Privates. Deswegen achten Hasch und Casal bei ihrem Personal vor allem darauf, dass es nicht nur kommunikativ, sondern auch verschwiegen ist. „Was im Topsy passiert, muss im Topsy bleiben“, sagt der Inhaber bestimmt.

  • Künstlich erzeugte Schlangen gibt es beim Topsy nicht. "Wenn die Leute auf dem Bürgersteig stehen, ist es wirklich voll", sagt Tina Casal.
  • "Magisches Theater - Eintritt nicht für Jedermann - Nur für Verrückte - Eintritt kostet den Verstand" steht auf dem Schild über der Eingangstür des Topsy Turvy. In den Anfangszeiten kamen hier nur wenige Auserwählte hinein. Heute darf jeder ins Topsy, "der sich ordentlich benimmt".
  • Die Vorrichtung ist noch immer zu sehen, wenn auch längst außer Funktion: Hier mussten die exklusiven Gäste des Topsys vor einigen Jahren noch ihren Schlüssel einstecken. Der Türsteher hinter dem Bullauge kontrollierte zusätzlich, ob Zutritt zum Club gewährt wurde.
  • Der U-Boot-Look des Topsys hat sich seit den 50ern kaum verändert. Das Topsy wurde von dem Bildhauer und Innenarchitekt Prof. David Lauer aus einer Wäscherei umgebaut und war in seiner Anfangszeit ein Treffpunkt für viele Künstler.
  • Volker Hasch ist seit 2007 Inhaber des Topsys und hat es seither Stück für Stück zu seinen Ursprüngen zurückgeführt. Gemeinsam mit Tina Casal ist er an fast jedem Abend da, an dem das Topsy Turvy seine Tür öffnet.
  • Blick von der Tanzläche in die "kleine Bar". Dort sitzt meist noch der "harte Kern" beisammen, wenn die Musik längst aus und das Licht an ist.
  • Der sogenannte "VIP"-Bereich war früher mit einer niedrigen Mauer abgetrennt. Die musste aus Gründen des Unfallschutzes entfernt werden.
  • In das kleine Séparée ziehen sich besonders gerne Liebespaare zurück, wissen Volker Hasch und Tina Casal. Im Topsy haben sich über die Jahre einige Paare gefunden.
  • Das Topsy Turvy bei Tageslicht: Die bunten Kacheln und die runden Fenster stechen schon aus der Ferne ins Auge.

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Vom exklusiven Künstlertreff zur Topsy-Familie

Man kann es sogar noch weiter treiben: Wer ein Mal im Topsy gefeiert hat, bleibt dem Topsy treu. Auf viele der Stammgäste trifft das zumindest zu. Einige frühe Topsy-Gänger kommen inzwischen sogar mit ihren erwachsenen Kindern zum Feiern. Die Altersspanne der Gäste schätzt Hasch auf 25 bis 60 Jahre.

Über die Jahre war das Topsy nicht nur der Schauplatz vieler Partys. Es gab auch Klassentreffen und sogar Hochzeiten. „Topsybabys gibt es auch schon viele“, sagt Hasch und lacht. Der ehemalige exklusive Künstlertreff aus den Fünfzigern hat schon viele Paare zusammengebracht.

Exklusiv ist das Topsy heute nicht mehr. Und das soll auch so sein. „Schickimicki wird hier nicht gelebt“, sagt Tina Casal. Das Topsy ist für alle da und es darf jeder kommen, der sich ordentlich benimmt. An der schweren Tür mit dem Bullauge wird nur abgewiesen, wer zu betrunken ist oder in Jogginghosen und Badelatschen kommt.

Seit ungefähr acht Jahren kommt hin und wieder sogar eine Katze in den Eingangsbereich des Topsys. Sie lässt sich von den Partygästen streicheln, dreht ein paar Runden vor der Garderobe und verschwindet dann wieder in einem Hof in der Hirschstraße, weiß der Topsy-Chef.

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Topsy-Gäste feiern gerne lang

Nur zwei feiern niemals mit: Volker Hasch und Tina Casal. „Wenn man selbst sein bester Kunde ist, geht das schief“, glaubt Casal. Außerdem steckt hinter den Topsy-Partys viel harte Arbeit: „Man ist unter Anspannung von 22 Uhr bis 5 Uhr.“ Wenn die Party ihren Höhepunkt erreicht, bedeutet das für das Topsy-Personal meistens Akkordarbeit. „Man muss schon Spaß haben an der Nachtgastronomie“, stellt Volker Hasch klar. „Sonst funktioniert es nicht.“

Ab und zu können Casal und Hasch auch mal entspannen. Ein bisschen zumindest. „Urlaub haben wir schon auch mal gemacht“, sagt Tina Casal. „Aber mit dem Wochenende zwischendrin, da wird man auch mal zappelig.“ Das Topsy gehöre eben zur Familie.

Die Topsy-Familie, das ist außerdem eine, die gerne sehr lange feiert. Wenn um 5 Uhr die Lichter angehen und die Musik verstummt, sitzen viele Partygäste noch in der „kleinen Bar“ direkt am Eingang. Dann fängt der „harte Kern“ oft zu singen an. Ab und zu kommt die Musik auch vom ein oder anderen Smartphone. Denn seit einer Weile gibt es im Topsy sogar WLAN. „Man muss sich eben der Zeit anpassen“, sagt Hasch ein bisschen wehmütig.

Dass das Topsy das kann – sich der Zeit anpassen – haben die vergangenen 50 Jahre bewiesen. Und möglicherweise wird sich das auch in den nächsten 50 Jahren nicht ändern.

Ein Mal dürfen die Topsy-Partygäste so lange feiern, wie sie wollen: Bei der Geburtstagsgala am 22. November geht es um 22 Uhr los. Gefeiert wird, bis der letzte Gast geht. Egal, wann das ist.