Foto: da

Eichners Trauzeuge

HSV-Sportdirektor Mutzel hat beim KSC Spuren hinterlassen

Anzeige

Michael Mutzel wird im September 40. Seine besten Fußballerjahre hat er zwischen 2004 und 2011 als Mittelfeldkraft beim Karlsruher SC erlebt. Nach seiner aktiven Laufbahn blieb er als Nachwuchskoordinator der TSG 1899 Hoffenheim in der Region. Seit April ist der gebürtige Memminger nun Sportdirektor beim Hamburger SV, womit seine Rückkehr zum KSC ins Wildparkstadion am Sonntag unter für ihn besonderen Vorzeichen steht. Das und mehr verriet Mutzel im Gespräch mit unserem Redaktionsmitglied René Dankert.

 

Herr Mutzel, wie kommt der im badischen Bundesliga-Fussball sozialisierte Donauschwabe eigentlich im hohen Norden klar?

Mutzel (lacht): Ganz gut, muss ich sagen. Ich habe nach den ersten Monaten einen positiven Eindruck vom HSV gewonnen. Auch mit der Mentalität der Leute in dieser schönen Stadt kam ich schnell klar. Und es spielt sich hier alles nochmal in einer anderen Größenordnung ab. Nur beim Wetter musste ich mich umstellen. Hier regnet es doch häufiger.

 Ist es für Sie mit dem HSV gerade etwas schwierig, sich ohne jede Eintrübung über einen gelungenen Saisonstart zu freuen?

Mutzel: Wie meinen Sie das?

Die kolportierten Zweifel an der Identität von Bakary Jatta beschäftigen den Kontrollausschuss des DFB, der 1. FC Nürnberg wie auch der VfL Bochum haben Proteste gegen gegen die Wertung Ihrer verlorenen Spiele  eingelegt …

Mutzel: … natürlich ist dieses Thema lästig und beschäftigt uns nun schon seit Wochen. Wir als Verein haben uns dazu eindeutig positioniert. Unabhängig davon ist unser Saisonstart bei sieben Punkten aus drei Spielen absolut gelungen, wir sind im DFB-Pokal weiter – so weit, so gut. Aber man hat auch gesehen, dass wir uns noch besser einspielen müssen. Es gibt keinen Grund, sich auf diesem Start auszuruhen.

Der HSV hat einen größeren Kaderumbruch hinter sich, dazu hat er sich von Fixpunkten seiner traditionellen Folklore getrennt. Wie nehmen die Fans den neuen HSV an?

Mutzel: Grundsätzlich positiv. Sie begrüßen es, dass neue Leute und neue Ideen reinkommen. Aber noch ist da auch eine angezogene Handbremse zu bemerken.

Inwiefern?

Mutzel: Ich habe das Gefühl, dass sich der Verein nach Enttäuschungen der vergangenen Jahre erst wieder das volle Vertrauen erarbeiten muss. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir den Leuten das Misstrauen nehmen werden, indem wir weiterhin guten und erfolgreichen Fußball spielen. Auch unsere neuen Spieler haben schnell gemerkt, was für eine Power sie bei Heimspielen entfachen können. Jeder spürt, was mit diesem Club möglich ist.

Zu Ihnen persönlich: Ralf Becker, in Ihren Bundesligatagen beim KSC Trainerassistent, hatte Sie aus Hoffenheim zum HSV gelockt. Kaum waren Sie da, musste er gehen. War das nicht komisch für Sie?

Mutzel: Ich bin jetzt 20 Jahre in dem Geschäft. Da gehören solche Situationen zu meinem Berufsrisiko. Es stimmt, dass Ralf ein Antrieb für meinen Wechsel war – allerdings habe ich mich, unabhängig von Ralf, bewusst für den HSV entschieden. Ich habe Bock auf den Verein, Bock darauf, hier mit anzupacken. Als ich von Ralfs Beurlaubung erfuhr, habe ich natürlich kurz geschluckt, mich dann aber voll auf meine Aufgabe konzentriert und gemerkt, dass die Zusammenarbeit mit Bernd Hoffmann, Jonas Boldt und Dieter Hecking gut funktionieren wird.

Sie waren schon bei 1899 Hoffenheim hinter dem inzwischen 18 Jahre alten Flügelspieler Xavier Amaechi vom FC Arsenal her. Der kam im Sommer für kolportierte 2,5 Millionen Euro zum HSV. Wie lief Ihr Werben um den Spieler ab?

Mutzel: Wichtig ist bei so einem Transfer die Beziehungsebene, das Menschliche. Ich hielt immer engen Kontakt mit Xaviers Agenten, dem Spieler und dessen Familie. Dann haben wir alle zu einem Heimspiel nach Hamburg eingeladen. Der Junge fing Feuer und fand die Geschichte spannend. Jetzt geht es darum, dass er sich auch schnell in Deutschland zurechtfindet. Dann werden wir viel Freude an ihm haben.

Im Umfeld des KSC ist das Wiedersehen mit dem HSV stets auch mit dem üblen Nachgeschmack der Relegation 2015 verbunden. Bemerken Sie auch beim HSV besondere Ausschläge?

Mutzel: Nein, ich persönlich nicht. Das mag ein mediales Thema sein, ist aber ja nun auch schon eine Weile her und bei beiden Vereinen ist zwischenzeitlich sehr viel passiert. Für mich persönlich ist das Spiel aber schon etwas Besonderes. Der KSC ist der Verein, für den ich am längsten gespielt habe. Und aus der Zeit habe ich noch einige Leute in meinen Handy-Kontakten.

 

Foto: GES/Gilliar

 

Wen beispielsweise?

Mutzel: Christian Eichner natürlich. Ich bin sein Trauzeuge und habe immer noch sehr engen Kontakt zu ihm. Auch mit anderen Spielern unserer damaligen Mannschaft bin ich regelmäßig in Kontakt, Alexander Iashvilli, Maik Franz, Basti Freis, Timo Staffeldt, Mario Eggimann zum Beispiel – aber auch mit Hans, unserem Zeugwart, oder mit Rolf Dohmen, der damals Manager war. Es war einfach eine tolle Zeit.

Vor zehn Jahren sind Sie mit dem KSC aus der Bundesliga abgestiegen. Kommt Ihnen das so lange vor?

Mutzel: Witzigerweise kommt es mir so vor, als wäre das noch länger her da ich nach meiner aktiven Karriere in den 9 Jahren Management so viele Spiele außerhalb des Platzes erlebt habe. Aber in den zwei Jahren Bundesliga damals hat vieles zusammengepasst. Man hat trotzdem auch gesehen, dass Fehler gemacht wurden und es dann ganz schnell wieder in die falsche Richtung ging. Auch aus dieser Erfahrung damals konnte ich für meinen heutigen Job lernen.

Sie kommen zum KSC zurück und werden das Wildparkstadion kaum wieder erkennen …

Mutzel: … ich bin wirklich gespannt. Dass gebaut wird, ist eine gute Geschichte und aus meiner Perspektive auch zum Schmunzeln: Als ich meinen Vertrag damals beim KSC verlängerte, 2006 war das, glaub ich, sagte man mir, im Jahr darauf würde gebaut werden. Nun, ein gutes Dutzend Jahre später, ist es endlich soweit.

Wie beurteilen Sie den KSC, der am Sonntag auf den HSV wartet, in sportlicher Hinsicht?

Mutzel: Einen Aufsteiger zu beurteilen, der die Euphorie mitnahm und dann einen Superstart hinlegte, ist schwierig. Nach zehn Spielen wird man mehr darüber wissen. Aber der KSC macht bis hierher einen relativ gefestigten Eindruck.

Haben Sie das Spiel in Kiel gesehen?

Mutzel: Ich war im Stadion, ja. Das war typisch für diese Zweite Liga: Du musst deine Chancen nutzen. Von denen hatte der KSC in der ersten Hälfte doch einige, danach aber hat es Kiel einfach gut gemacht, seine Chancen genutzt. Das 2:1 ging dann in Ordnung, fand ich.