Große Nachfrage im Laden: Geschäftsführer Tobias Eicker stellt in diesem Frühjahr ungefähr 30 Prozent höhere Einnahmen als im vergangen Jahr fest. E-Bikes machen bei Zweirad Eicker 40 Prozent, normale Räder 60 Prozent des Verkaufs aus. | Foto: jodo

Teilweise Lieferengpässe

Karlsruher Fahrradhändler stellen größeren Frühjahrs-Andrang durch Corona-Krise fest

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Fahrradhändler haben in diesem Frühjahr alle Hände voll zu tun. Zum saisonbedingten Andrang kommt die erhöhte Nachfrage durch die Coronavirus-Pandemie hinzu. Bei manchen Händlern in Karlsruhe gehen deshalb bereits langsam die Teile aus.

Bei Zweirad Eicker gibt es schon große Lücken im Lager. Die Lieferketten der Hersteller seien wegen der Corona-Krise durcheinander gekommen, erklärt Geschäftsführer Tobias Eicker. Seiner Ansicht nach verspäten sich in der Lieferkette Einzelteile zur Herstellung, der ganze Kreislauf gerät dadurch aus den Fugen.

Zweirad Eicker hat höhere Einnahmen als im Vorjahr

Trotzdem läuft Eickers Geschäft gerade sehr gut. Im Vergleich zum Frühjahr 2019 verzeichnet er ungefähr 30 Prozent höhere Einnahmen. „Ich habe seit der Wiedereröffnung am 20. April keine ruhige Minute mehr“, sagt der Geschäftsführer. Vor allem E-Bikes sind in seinem Laden sehr gefragt und machen einen Anteil von 40 Prozent aus. Normale Fahrräder bilden die restlichen 60 Prozent. Trekking-Räder sind laut Eicker momentan ebenfalls gefragt.

Die Wartezeit beträgt teilweise über eine Stunde.

Tobias Eicker, Geschäftsführer.

Der große Ansturm führt häufig zu langen Schlangen vor dem Gebäude. „Die Wartezeit beträgt teilweise über eine Stunde“, erläutert der Geschäftsführer. Für die Kunden gebe es spezielle Markierungen, um den Sicherheitsabstand nach den Corona-Richtlinien zu garantieren. Je nach Anzahl der Verkäufer – meist sind drei anwesend – lasse er nur eine bestimmte Anzahl an Leuten ins Ladengeschäft. Seine Verkaufsfläche misst knapp 500 Quadratmeter.

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Bei MK-Bikes dürfen sich laut Geschäftsführer Michael Klikar maximal drei Personen gleichzeitig im Laden aufhalten. Zudem versuche er, in der Schlange vor dem Laden zwischen Beratungs- und Bezahlkunden zu unterscheiden. Dadurch könne die Wartezeit für alle verkürzt werden. Die Beratung laufe häufig im Freien ab – ohne Mundschutz, nur mit Sicherheitsabstand.

„Meine Gravel-Bikes sind mittlerweile komplett ausverkauft“, sagt Klikar. Das sind geländegängige Rennräder mit etwas breiteren Reifen. Umsatztechnisch falle die große Nachfrage nach E-Bikes am stärksten ins Gewicht, da sie teuerer sind. E-Mountainbikes sind nach Klikars Angaben ebenfalls stark gefragt.

Geschäftsführer Klikar befürchtet Umsatzverlagerung

„Es ist zu befürchten, dass es durch Corona lediglich eine Umsatzverlagerung gibt“, sagt Klikar. Es könne durchaus sein, dass im Juni und Juli keine Räder mehr lieferbar seien. Das würde einen Rückgang der Geschäfte nach sich ziehen. Klikar meint, dass die Hersteller momentan vorrangig die etwas teueren E-Bikes produzieren, dann normale Räder. Die Firmen müssten nun den Rückstand durch den Shutdown aufholen.

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Als das Ladengeschäft geschlossen war, kamen trotzdem noch Leute zu MK-Bikes in die Werkstatt. Dort durfte auch während der Schließung der Verkaufsfläche unter Corona-Vorgaben weitergearbeitet werden. Am Tag der Wiedereröffnung hätte sich dann vor dem Geschäft bereits eine große Schlange gebildet, sagt Klikar.

Fahrradtouren statt Urlaub in weiter Ferne

Für den großen Andrang in Fahrradgeschäfte sieht Christian Streicher mehrere Gründe. Der Geschäftsführer von Strebel und Co schätzt, dass zurzeit viele Menschen von den öffentlichen Verkehrsmitteln auf das Fahrrad umgestiegen sind. Außerdem sei Geld für den Kauf vorhanden. „Die Leute holen sich beispielsweise eher ein neues Trekking-Bike, als einen Urlaub zu buchen“, erklärt Streicher.

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Schließlich biete das Fahrrad die Möglichkeit, an Urlaubstagen gemeinsam mit der Familie in der Region Ausflüge zu machen. Streicher geht mit dem großen Ansturm auf seinen Laden anders um als MK-Bikes oder Zweirad Eicker. „Unsere Kunden müssen sich im Voraus bei uns anmelden“, erklärt der Geschäftsführer. Dann bereitet sich Streicher auf die Beratung vor, damit es schneller geht.

Leitsystem sorgt für getrennte Laufwege

In der Regel entstehe keine große Schlange, weil die Werkstatt vom Verkaufsbereich getrennt ist, erläutert Streicher. Zudem soll ein Leitsystem am Boden für getrennte Laufwege im Geschäft sorgen. Bei Strebel und Co ist laut Inhaber von Lieferengpässen noch kaum etwas zu spüren. Gefragte Modelle würden aber langsam rar.