Ab Montag sind die neun Kundencenter wieder geöffnet. Die Bilanz-Pressekonferenz lief noch online ab. Auffallend sind die Rekord-Beitragsrückerstattungen – aber auch ein deutlich gesunkener Jahresüberschuss.
Ab Montag sind die neun Kundencenter wieder geöffnet. Die Bilanz-Pressekonferenz lief noch online ab. Auffallend sind die Rekord-Beitragsrückerstattungen – aber auch ein deutlich gesunkener Jahresüberschuss. | Foto: Hora

Rabatte bei Neuverträgen

Karlsruher Versicherungsgruppe BGV unterstützt in der Corona-Krise die „Helden des Alltags“

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Es wäre nicht das erste Mal, dass die Karlsruher BGV/Badische Versicherungen-Gruppe unter den deutschen Assekuranzen vorprescht: Ab sofort bietet der BGV bei Neuverträgen etwa Verkäuferinnen im Lebensmittel-Einzelhandel, Mitarbeitern in Laboren, Apotheken oder in der Pflege einen Beitragsrabatt zwischen fünf und 15 Prozent an. Es sind die viel zitierten Helden des Corona-Alltags.

BGV-Vorstandsmitglied Moritz Finkelnburg spricht bei der Bilanz-Pressekonferenz von einem Alleinstellungsmerkmal. Der Branchenverband GDV in Berlin muss auf BNN-Anfrage passen. Mit anderen Worten: Er weiß auch von keiner anderen Versicherung, die einen solchen Corona-Rabatt anbietet. Allerdings begrenzt diesen der BGV bis zum 31. März 2021. Falls die Pandemie länger dauere, „werden wir sicherlich verlängern“, so der Vertriebsvorstand.

Kostenlose Unfallversicherungen für Kinder, die wegen Corona zuhaue bleiben müssen

Seit geraumer Zeit läuft eine weitere Aktion: „Da durch die Schulschließungen für die Schüler der gesetzliche Unfallversicherungsschutz keine Wirkung entfaltet, kann jeder Kunde des BGV seine Kinder, die von Kita- oder Schulschließungen betroffen sind, bis zum 31. Mai 2020 kostenlos unfallversichern lassen“, so BGV-Chef Edgar Bohn.

Noch eine erfreuliche Nachricht: Der BGV erstattet in diesem Jahr über acht Millionen Euro zurück – ein Rekordbetrag. Bohn: „Das machen nur sehr wenige Versicherer.“ Von der Beitragsrückerstattung profitieren konkret die BGV-Mitglieder – also vor allem die badischen Kommunen – sowie die Privatkundschaft mit ihrer Hausrat- und Unfallversicherung.

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Andere Versicherer kommen Autofahrern im Corona-Shutdown entgegen

In der Kfz-Sparte zaudern die Karlsruher allerdings. Deutschland-Branchenzweiter Allianz und die DEVK sind vorangeprescht. Sie wollen ihren Versicherten finanziell entgegenkommen, die wegen des Shutdowns weniger Auto fahren – weil es dadurch auch weniger Unfallrisiken gibt.

„Das Echo ist in der Branche sehr umstritten“, so Finkelnburg. Der BGV wolle die weitere Entwicklung abwarten. Falls ein weiterer Shutdown käme und Autos erneut still stehen sollten, „sind wir sicherlich die letzten, die nicht mit den Kunden sprechen“, sagt er auf BNN-Nachfrage.

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Großer Infobedarf bei der Rechtsschutz-Tochter

Derzeit läuft’s beim Neugeschäft des BGV – wie auch bei der Konkurrenz – eher mau. Die Menschen hätten in Corona-Zeiten andere Sorgen, als neue Versicherungen abzuschließen, heißt es.

Lebhaft geht es indes beim Tochterunternehmen Badische Rechtsschutzversicherung AG zu, wie Vorstand Roland Fahrner verdeutlicht: „Die Kunden haben ein Sicherheitsbedürfnis, nachzufragen, wie es um ihre Rechte steht.“ Arbeits-, Miet- und Reiserecht nennt er als Stichworte. Auch Diesel-Gate bleibe als Thema erhalten, ergänzt Vorstand Thomas Kollöffel.

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Der Jahresüberschuss ist kräftig gesunken

Zum Jahresabschluss: „Zufriedenstellend“ sei 2019 ausgefallen, so Bohn. Bei den gebuchten Beiträgen liege man mit einem Plus von 6,8 Prozent erneut über dem Branchendurchschnitt von 3,2 Prozent. Allerdings ging es für die Karlsruher auch bei den Aufwendungen für Versicherungsfälle stramm nach oben.

Für die Kapitalanlagen der Assekuranz lag die Nettoverzinsung nur noch bei 1,5 (2018: 2,1) Prozent. Die entsprechenden Erträge gingen auf 18,7 (2018: 23,5) Millionen Euro runter – mit Auswirkungen auf den Jahresüberschuss. „Das ist ein deutlicher Abrieb“, sagt Bohn. Man liege aber im Rahmen der Planungen.

BGV/Badische Versicherungen-Gruppe (Karlsruhe)
Gründungsjahr: 1923
Produkte: Versicherung aller Risiken für Kommunen sowie Privat- und Firmenkunden: Sach-, Unfall-, Haftpflicht-, Kfz- und Rechtsschutzversicherung
Vorstandsvorsitzender: Edgar Bohn
Gebuchte Beiträge: 392,7 (2018: 367,8) Millionen Euro
Gemeldete Schäden: 139.000 (2018: 136.000)
Aufwendungen für Versicherungsfälle: 309,7 (2018: 290,6) Millionen Euro
Versicherungsverträge: 1,85 (2018: 1,81) Millionen Euro
Jahresüberschuss: 5,2 (2018: 7,3) Millionen Euro
Mitarbeiterzahl: 773 (2018: 764)