Sabrina Kugler setzt sich als Fotografin dafür ein, dass Frauen lernen, sich selbst schön zu finden - so wie sie sind. Sie sagt: "Ausstrahlung ist sexy - nicht die Konfektionsgröße."
Sabrina Kugler aus Karlsruhe setzt sich als Fotografin dafür ein, dass Frauen lernen, sich selbst schön zu finden - so wie sie sind. Sie sagt: "Ausstrahlung ist sexy - nicht die Konfektionsgröße." | Foto: Knipserei Karlsruhe

Body Positivity vor der Kamera

Karlsruherin fotografiert für mehr Selbstakzeptanz: „Ich bin doch gar nicht so hässlich!“

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„Du bist aber ganz schön dick geworden.“ Von solchen Kommentaren hatte die Karlsruher Fotografin Sabrina Kugler die Nase voll. „Ich hatte es satt, mir sagen zu lassen, wie ich aussehen soll. Was ich wiegen soll“, sagt sie. Als Fotografin will sie auch anderen Frauen dabei helfen, „den Krieg gegen sich selbst zu beenden.“

Sabrina Kugler ist aufgewachsen, wie viele aufwachsen: mit Kommentaren zu ihrem Körper und vermeintlich gut gemeinten Ratschlägen wie „mach doch einfach mal mehr Sport“. „Ich hatte schon immer viel mit Gewichtsschwankungen zu tun“, sagt Kugler heute. Im Sommer traute sie sich nicht, kurze Kleidung zu tragen und schwitzte lieber, als eine Angriffsfläche für Bemerkungen zu ihrem Körper zu bieten. Aber irgendwann war damit Schluss.

„Ist es ein Privileg schlanker Frauen, dass die nicht so schwitzen müssen wie ich?“, fragte sich die Karlsruherin. Die Antwort gibt sie selbst: „Sich in der eigenen Haut wohl zu fühlen, sollte kein Privileg von Menschen mit einem bestimmten BMI oder einer bestimmten Kleidergröße sein.“

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Erst seit knapp einem Jahr ist Kugler nebenberuflich als Fotografin tätig und hat „Die Knipserei“ ins Leben gerufen. Dabei unterscheidet sie jedoch klar zwischen Auftragsarbeiten gegen Bezahlung und Projektarbeit, die immer unentgeltlich ist. „Da will ich mich ausleben, da steckt mein Herz drin“, sagt Kugler.

Ein solches Herzensprojekt hat die Fotografin im Sommer 2019 ins Leben gerufen. Unter dem Hashtag „#grlpwr2019“ – einer Abkürzung für das englische Wort „Girlpower“ – rief sie gezielt jene Frauen dazu auf vor die Kamera zu treten, die nicht dem gängigen Schönheitsideal entsprechen.

Zunächst sprach Kugler dabei vor allem Frauen an, die Übergrößen tragen. Als ihrem Aufruf jedoch auch Frauen mit anderen Körperformen folgten, weitete sie das Projekt aus. Eine Teilnehmerin sei früher beispielsweise wegen „ihrer kleinen Oberweite“ gemobbt worden. Manche der Models hatten bereits Erfahrungen vor der Kamera, andere trauten sich zum ersten Mal.

Gegenoffensive zum Schlankheitswahn

Dass das nicht unbedingt einfach ist, weiß Kugler aus eigener Erfahrung vor und hinter der Kamera. „Da ist häufig ganz viel Scham“, sagt sie. Frauen befürchteten, dass sie zu dick sein könnten und machten sich Gedanken darüber, was wohl andere über die Fotos denken könnten.

„Häufig ist einfach die Selbstwahrnehmung gestört“, sagt die Fotografin. „Die Frauen meinen, sie sehen auf den Bildern so aus, wie sie sich selbst im Spiegel sehen. Ich höre Sätze wie ‚Aber ich bin doch gar kein Model‘. Aber die Frauen sehen sich eben nicht so, wie ich sie sehe, wenn ich auf den Auslöser drücke.“

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Das Problem mit der Selbstakzeptanz

„Die ersten zehn Bilder werden nie was“, weiß Kugler aus Erfahrung. Das war auch bei den „grlpwr“-Shootings so. Der Grund ist die Aufregung, besonders bei jenen Models, die zum ersten Mal vor der Kamera stehen. „Wenn man den Frauen dann aber die Bilder auf der Kamera zeigt und sie sehen, dass die gut werden, verändert sich was“, erklärt die Fotografin. Dann gebe es meistens einen „Aha-Moment“. „Ich bin doch gar nicht so hässlich“ ist ein Satz, den Kugler dann häufig hört.

Mangelndes Selbstwertgefühl hält die Fotografin für ein großes Problem in der Gesellschaft, das auch Männer und Kinder nicht ausschließe. Frauen gingen aber tendenziell wohl härter mit sich ins Gericht. „Viele Unternehmen wären wohl plötzlich bankrott, wenn alle Frauen auf einmal mit sich selbst im Reinen wären“, glaubt Kugler.

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Größeres Projekt 2020 geplant

Auch in 2020 ist ein großes Projekt zum Thema Selbstakzeptanz und „Body Positivity“ geplant. Gemeinsam mit weiteren Fotografenkolleginnen möchte Sabrina Kugler dieses Mal einen Kalender herausbringen. Der Erlös soll wohltätigen Zwecken gespendet werden, beispielsweise einem Frauenhaus in der Region.

„Es ist immer schön, das Selbstbewusstsein der Frauen wachsen zu sehen“, sagt Kugler. Daher soll ihre Initiative für Selbstakzeptanz keine einmalige Sache bleiben. Sie ist überzeugt: „Frauen haben sich lange genug klein gemacht.“