Die erste Tiny-House-Siedlung im Karlsruher Raum soll auf dem Campingplatz Albgau bei Ettlingen entstehen. Der Verein um Regina Schleyer (rechts) baut sein Netzwerk bundesweit mehr und mehr aus.
Die erste Tiny-House-Siedlung im Karlsruher Raum soll auf dem Campingplatz Albgau bei Ettlingen entstehen. Der Verein um Regina Schleyer (rechts) baut sein Netzwerk bundesweit mehr und mehr aus. | Foto: jodo

Noch keine Fläche gefunden

Kein Platz für Tiny Houses in Karlsruhe?

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Minimalistisch, gemeinschaftlich und naturnah leben im Tiny House: Diese Idee findet in und um die Fächerstadt viele Interessierte. In der Messe Karlsruhe fand im vergangenen Jahr bei der Wohnmesse Loft das erste Tiny House Festival statt, die zweite Ausgabe 2019 wurde mit 25 Ausstellern und 20 Miniaturhäusern zum größten Tiny House Festival in ganz Europa. Doch noch immer gibt es im Stadtgebiet keine Flächen, auf denen ein Wohnprojekt für Tiny Houses umsetzbar wäre.

Das Konzept, das der Verein Tiny Houses für Karlsruhe der Stadtverwaltung für den Campingplatz in Durlach vorgelegt hatte, ist mittlerweile vom Tisch: In der letzten Gemeinderatssitzung vor der Sommerpause lehnte das Gremium bei der Entscheidung über die Entwicklung des Campingplatzes einen Ergänzungsantrag der Fraktion Für Karlsruhe ab, in dem ein Drittel der Fläche für den Aufbau einer Tiny-House-Siedlung vorgesehen war.

Dauercamping in Durlach nicht erwünscht

Die Ratsmitglieder einigten sich darauf, für den Campingplatz ein eher klassches Konzept für den vorübergehenden Aufenthalt mit Zelt oder Wohnwagen zu entwickeln. Dauercamping oder dauerhaftes Wohnen im Tiny House ist dort nicht erwünscht. Oberbürgermeister Frank Mentrup sagte in der Sitzung jedoch zu, dass man zu einem späteren Zeitpunkt, wenn sich dauerhaft freie Flächen auf dem Campingplatz ergäben, nochmals über Tiny Houses nachdenken könne. Auch gebe es die Möglichkeit, gemeinsam mit der Tiny-House-Bewegung darüber nachzudenken, einige der Minihäuser anstelle von so genannten Mobile Homes auf dem Campingplatz aufzustellen, „um auch einmal zu zeigen, wie so etwas aussieht und wie man so etwas machen kann“. Zudem werde man weiterhin über Möglichkeiten für Tiny Houses im Stadtgebiet nachdenken müssen, so der Oberbürgermeister.

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Konzepte für Probewohnen

„Wir müssen einfach mal abwarten“, sagt Regina Schleyer vom Verein Tiny Houses für Karlsruhe. „Die Stadt ist sensibilisiert, das ist schon mal gut.“ Die Grünen im Stadtrat hätten dem Verein zugesagt, über Lösungen nachzudenken, ebenso wie die Messe Karlsruhe. Dort kann man sich ein Projekt zum Probewohnen im Tiny House vorstellen, um die Idee weiter zu tragen.

Tiny Houses auf Flachdächern?

Die Möglichkeit, Tiny Houses auf Flachdächern im Stadtgebiet aufzustellen, sei grundsätzlich denkbar, sagt Schleyer. „So was gibt es ja unter anderem schon in den Niederlanden. Wenn die Statik stimmt, ist das sicherlich kein Problem.“ Allerdings müssten baurechtliche Fragen geklärt und auch die Nachbarschaft einbezogen werden, wenn es etwa um Dachhöhen und den Ausblick gehe. „So ein Garagenriegel im Hinterhof mit Tiny Houses drauf, das kann man sich schon vorstellen. Es wäre dann kein hässliches Objekt mehr, sondern ein Projekt für kreative Wohnmöglichkeiten.“

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An Interessenten für Tiny-House-Stellplätze mangelt es derweil nicht. Mehr als 20 Namen lang ist die Liste der Menschen, die sich beim Verein Tiny Houses für Karlsruhe bislang gemeldet haben, berichtet Schleyer. Auf dem Campingplatz Albgau bei Ettlingen, wo eine ganze Siedlung entstehen soll, könne man im Notfall bereits einzelne Miniatur-Eigenheime abseits des für die Siedlung vorgesehenen Areals aufstellen, das habe der Betreiber zugesagt. Da jedoch noch nicht viele Mitglieder konkret am Bau eines Tiny Houses seien, sei die Lage entspannt.

Verein ist gut vernetzt

Das Siedlungs-Projekt schreite langsam voran. „Die geplante Freifläche sollte eigentlich schon im Juli oder August fertig sein, jetzt wird Oktober angepeilt“, so Schleyer. Man sei da vom Campingplatzbetreiber abhängig, aber zuversichtlich. „Das Eine bedingt das Andere. Es braucht seine Zeit.“

Derweil findet der Verein weitere Unterstützer in anderen Gemeinden. Es habe etwa eine vielversprechende Grundstücksbegehung in Enzklösterle bei Calw im Schwarzwald gegeben. Erfreulich für den Verein sei auch der Entschluss des Rheinauers Dieter Puhane, von der Produktion auf die Realisierung ganzer Tiny-House-Dörfer umzuschwenken. „Wenn wir in Ettlingen soweit sind, hole ich ihn ins Boot“, so Schleyer.

Der Verein bildet sich derweil weiter, vernetzt sich mit Herstellern und Tiny-House-Vereinen und Architektur-Experten in ganz Deutschland. Ende August etwa reisten Mitglieder zum Tiny-Living-Festival ins Wendland. Man stehe außerdem in regem Kontakt mit dem Karlsruher Stadtplanungsamt, sagt Schleyer. Die Idee vom minimalistischen Leben im Winzig-Häuschen wächst weiter.