Konflikt vor der Haustür: Andrea Jäger von „Lottis Traum“ in der Hirschstraße fürchtet um den Fortbestand ihres Cafés, wenn vor dem Lokal Parkplätze ausgewiesen werden. In diesem Fall bekommt sie keine Genehmigung für die Außenbestuhlung.
Konflikt vor der Haustür: Andrea Jäger von „Lottis Traum“ in der Hirschstraße fürchtet um den Fortbestand ihres Cafés, wenn vor dem Lokal Parkplätze ausgewiesen werden. In diesem Fall bekommt sie keine Genehmigung für die Außenbestuhlung. | Foto: jodo

Gastronomie

„Lottis Traum“ in Karlsruhe: Verdrängen zwei Parkplätze ein Café?

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Mit „Lottis Traum“ hat sich Andrea Jäger einen Jugendtraum erfüllt. Vor knapp zweieinhalb Jahren eröffnete sie das Café in der Hirschstraße zwischen Sophien- und Amalienstraße. Viel Herzblut floss in das Lokal, das bestückt mit originalen Möbelstücken aus den 50er und 60er Jahren stilvollen Vintage-Charme versprüht. Doch nun droht Lotti Ungemach, und Andrea Jäger versteht die Welt nicht mehr.

Eine Person aus dem Haus, in dessen Erdgeschoss sich das Café befindet, hat beim Ordnungsamt angeregt, einen Parkplatz direkt vor dem Café einzuzeichnen. Sollte das passieren, wäre die gesetzlich vorgegebene Gehwegbreite von mindestens 1,60 Meter nur dann einzuhalten, wenn die Außenbestuhlung des Cafés entfernt wird.

Wegfall der Tische wäre das Aus für „Lottis Traum“

Der Wegfall der Tische würde jedoch das Aus für „Lottis Traum“ bedeuten, sagt die Inhaberin. „Damit wäre meine Existenz zerstört.“ Selbst wenn es sich wie in Lottis Fall „nur“ um zehn Sitzplätze handelt, für einen Gastronomiebetrieb seien diese enorm wichtig. Selbstverständlich können dort bei schönem Wetter nicht alle Gäste Platz nehmen, „aber es ist wichtig, dass sie das Gefühl haben, sie könnten“, betont Andrea Jäger.

„Denn sonst wird man von Kunden von vornherein gedanklich ausgespart und sie bleiben weg. Das bestätigt jeder Gastronom.“ Der Sommer sei ohnehin keine einfache Zeit für ein Café, so Andrea Jäger: „Es ist Urlaubszeit, es gibt viele Feste, die Menschen haben andere Dinge im Kopf, es zieht sie ins Freibad, an den See.“

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Wenn dann durch den Wegfall der Außenbestuhlung noch mehr Gäste wegbrechen… das möchte sie sich überhaupt nicht ausmalen. Und Andrea Jäger will „Lottis Traum“ auch nicht so einfach aufgeben. „Ich werde für mein Café kämpfen“, betont sie. Unterstützung bekommt sie von ihren Gästen. Gut 80 Unterschriften für den Erhalt der Außenbestuhlung und damit auch für „Lottis Traum“ sind schon nach wenigen Tagen zusammengekommen.

 

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Trend geht zufußgängerfreundlichen Innenstädten

Der Trend geht zu fahrrad- und fußgängerfreundlichen Innenstädten, zudem suchen die Menschen auch wieder verstärkt nach individueller Gastronomie. Umso weniger hat Andrea Jäger deshalb Verständnis für solche Aktionen – „wegen zwei Parkplätzen ein Café zerstören! Leider macht da jemand Stimmung gegen mich.“ Im ersten Jahresquartal wurden im Zuge des „Fairen Parken“ die Markierungen in der Hirschstraße angebracht. Der Raum vor dem Café wurde vom Tiefbauamt ausgespart.

„Dass man uns jetzt gut sieht, hat sich sehr positiv ausgewirkt“, bestätigt die Betreiberin. „Wir haben von vielen die Rückmeldung bekommen, dass sie erst dann beim Vorbeifahren oder -gehen auf uns aufmerksam wurden.“

Uns liegen mehrere Beschwerden in dieser Sache vor

Björn Weiße, Leiter vom Ordnungs- und Bürgeramt.

Bevor die Markierungen angebracht wurden, parkten vor dem Café immer wieder Autos und Sprinter. Keine schönen Aussichten für die Gäste. „Uns liegen mehrere Beschwerden in dieser Sache vor, sowohl von Anwohnern als auch von zwei ortsansässigen Gewerbebetrieben“, bestätigt Björn Weiße, der Leiter vom Ordnungs- und Bürgeramt.

 

Er betont, dass die Beschwerden sich explizit nicht gegen das Café richten – „das fügt sich sehr gut in die Nachbarschaft ein“, – sondern gegen die „zwei geopferten Parkplätze“. Weiße bestätigt auch, dass im Falle einer nachträglichen Markierung das Café keine Genehmigung für die Außenbestuhlung mehr erhalten würde. „Ich weiß nicht, ob das den Menschen bewusst ist, die die Markierung fordern“, sagt Weiße. Zugleich betont der Ordnungsamtschef: „Wir beharren nicht auf die Parkplätze.“

Weiße will das Gespräch mit der Cafébesitzerin und den Anwohnern und Gewerbetreibenden suchen und schauen, „dass wir alle Interessen unter einen Hut bekommen“. Er ist optimistisch: „Wir finden eine Lösung.“

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Andrea Jäger träumt seit 16. Lebensjahr vom eigenen Café

Seit ihrem 16. Lebensjahr träumte Andrea Jäger, die aus der Rhön stammt, von einem eigenen Café. „Erfüllt habe ich mir den Traum erst mit 43 Jahren“, lacht sie. Sie studierte Germanistik, arbeitete in der Erwachsenenbildung in Würzburg und bog irgendwann Richtung Gastronomie ab. Viel Erfahrung sammelte die Bayerin unter anderem als Restaurantleiterin in einem Hotel in Zermatt in der Schweiz. Dann stand sie wieder an einer Lebenskreuzung. „Entweder ich mache es jetzt oder nie.“

Zunächst favorisierte sie Nürnberg, ihre Wahl fiel aber schließlich auf Karlsruhe, wo ihr Bruder lebt und sie dadurch in der Zwischenzeit viele Menschen kennengelernt hat. Bereut hat sie den Schritt in die Selbstständigkeit nicht. „Auch wenn ein Café kein Selbstläufer ist. Es braucht Zeit, bis sich ein Lokal etabliert und bei den Menschen bekannt wird. Man muss auf vielen Plattformen aktiv sein.“

Urlaub ist für die 45-Jährige seit über zwei Jahren ein Fremdwort. „Ich stehe sieben Tage die Woche im Café“, sagt sie. „Ich bin jetzt im dritten Jahr und ich habe endlich das Gefühl, dass ich es gepackt habe.“