U-Strab
Zwei mal vier Meter groß sollen die Genesis-Tafeln aus Majolika-Fliesen mit bis zu 15 Zentimeter starkem Relief sein – gefertigt von Lüpertz im Atelier der Majolika. | Foto: Art Connect/Anton Goll

Sicherheitsbestimmungen

Keramikkunst an Karlsruher U-Strab-Haltestellen verzögert sich

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Das ehrgeizige Projekt von Markus Lüpertz, die sieben Haltestellen der U-Strab mit großformatigen Reliefs auszustatten, erweist sich neben der künstlerischen Herausforderung auch als technisch anspruchsvoll. Vor allem technische Gründe haben zu einer Verzögerung geführt.

Das bestätigt Anton Goll, Sprecher des Vereins „Karlsruhe Kunst Erfahren“ und Promotor, gegenüber den BNN. Dabei geht es im Wesentlichem um die Installation der Reliefs, die den sicherheitsrelevanten und konstruktiven Ansprüchen der städtischen Tunnel-Tochter Kasig genügen müssen.

Deshalb haben Verein, Kasig und die Majolika entschieden, dass zunächst ein „Testbild“ erstellt und in der Haltestelle Durlacher Tor auf dem Bahnsteig stadteinwärts eingebaut wird. „Dort muss es auf Maß in die vorbereitete Lücke von vier Metern Breite und zwei Metern Höhe passen“, so Kasig-Sprecher Achim Winkel.

Am Donnerstag hat die Firma Büge, die für die Installation des Kunstwerks zuständig ist und die mit der Majolika bereits bei vielen Projekten zusammengearbeitet hat, diesen Bereich vermessen.

Lüpertz-Reliefs müssen auch Sicherheitsbestimmungen einhalten

Das Relief selbst wird gehalten durch einen Edelstahlrahmen. Da das Keramikrelief aus zehn Einzelplatten zusammengesetzt wird und insgesamt 1,5 Tonnen wiegt, gibt es konstruktive Sachzwänge. Auch einen „Sicherheitszuschlag“ an Gewicht muss die Konstruktion aushalten.

Ausstellung „Markus Lüpertz. Druckgrafiken“
Der Künstler Markus Lüpertz steht vor einem seiner ausgestellten Gemälde. | Foto: Sebastian Willnow

Gleichzeitig muss die Konstruktion den Brandschutz berücksichtigen. Und da die Betonwand in der vorgesehenen Nische auch belüftet sein muss, muss die Konstruktion einen Abstand von einem Zentimeter wahren.

Mehr zum Thema: So sehen die unterirdischen Haltestellen der Karlsruher U-Strab derzeit aus

Lüpertz produziert ein Testbild, erst danach folgen weitere Werke

Nun soll Lüpertz nach den ersten Arbeiten im November loslegen, damit er das erste Testbild fertigstellen kann. Nach wochenlanger Trocknung, dem ersten Brand, der gegen Ende Januar bei rund 900 Grad erfolgen kann, wird Lüpertz in seinem Majolika-Atelier alle zehn Keramikplatten am Stück mit farbigen Glasuren bemalen.

Dann wird der zweite Brand, der Glatt- oder Glasurbrand bei rund 1.200 Grad erfolgen. Geplant ist die Fertigstellung samt Brennvorgang bis Januar, im Februar soll das Testbild montiert werden – allerdings bleibt es verdeckt und der Öffentlichkeit verborgen.

Sollte das Testbild allen konstruktiven Ansprüchen genügen, kann die Arbeit beginnen und Verein und Majolika schließen den endgültigen Vertrag über die Produktion der weiteren Reliefs.

Eine Animation der Haltestelle am Europaplatz. Auch hier sollen die Lüpertz-Kunstwerke zu sehen sein. | Foto: kasig

Verein zahle der Majolika einen „signifikanten Betrag“ im Voraus

Was die Kosten bis zum endgültigen Start angeht, hatte es in den vergangenen Wochen zwischen Majolika und dem Verein Debatten gegeben. Nun hat der Verein beschlossen, der Majolika einen „signifikanten Betrag“, so Goll, vorzustrecken, um alle erdenklichen Vorlaufkosten abzudecken.

Im Juli 2017 fällte der Gemeinderat den Entschluss, dass Lüpertz die Reliefs für die U-Strab gestalten darf. Im Vorfeld hatte es für das Lüpertz-Projekt viel Unterstützung, aber auch viel Kritik gegeben.

Zentral für den weiteren Fortgang war die Gründung des Trägervereins „Karlsruhe Kunst Erfahren“. Er wird der Besitzer der 14 Kunstwerke sein, die zunächst für sechs Jahre an den sieben Haltestellen installiert werden.

Kunst im Hof der Majolika
Eine runde Sache kann der Großauftrag zur Fertigung der Lüpertz-Reliefs für die Majolika werden. Die gefährdete Traditionsinstitution erhofft sich dadurch einen Imagegewinn. | Foto: jodo

Im März 2019 hatte der Verein verkündet, dass Sponsorenzusagen von rund 750.000 Euro vorliegen. Lüpertz präzisierte bei diesem Termin, dass er den Titel „Genesis – die sieben Tage der Schöpfung“ nie religiös gemeint habe. Das Thema sei eben nicht nur religiös interpretierbar, es sei generell ein abstrakter Überbegriff für eine schöpferische Arbeit, sagte er vor Journalisten und Sponsoren