Schlosslichtspiele
Die Schlosslichtspiele gehen in die dritte Runde | Foto: dpa

ZKM beauftragt sechs Künstler

Schlosslichtspiele lassen Fassade von Wassermassen fluten

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In diesem Sommer wird die Fassade des Karlsruher Schlosses geflutet, das Gebäude versinkt in gewaltigen Wassermassen – nur virtuell. Der israelische 3D-Künstler Eyal Gever setzt auf dieses Szenario in seinem Beitrag der Schlosslichtspiele. Das berichtet das ZKM, das die allabendlichen Projektionen künstlerisch verantwortet.

Schlosslichtspiele mit sechs Künstlern

ZKM-Chef Peter Weibel verpflichtete insgesamt sechs Künstler beziehungsweise Gruppen. Mit Gever sowie dem Bremer Künstlerkollektiv Urbanscreen wurden nun die letzten Namen öffentlich.

Schwerpunkt Architektur

Der künstlerische Schwerpunkt liegt in diesem Jahr auf neuen Formen von Architektur – an der Schnittstelle von digitaler und realer Architektur.

Mit dabei sind das Architektenduo Hani Rashid/Lise Anne Couture, das Studio der Pritzker-Preisträgerin Zaha Hadid sowie der amerikanische Goldene Löwe von Venedig-Preisträger Greg Lynn.

Publikumsliebling am Start

Auch die ungarische Künstlergruppe Maxin10sity – seit dem Start der Schlosslichtspiele 2015 absoluter Publikumsliebling – entwickelt eine neue Show. Die Shows laufen vom 3. August bis zum 10. September jeden Abend bei freiem Eintritt.

Kunst im Weltraum

Der 1970 geborene Gever arbeitet seit beinahe 20 Jahren an der Entwicklung von 3D-Technologien. An der Schnittstelle von Kunst und Technologie entwickelt er Computersimulationen extremer Ereignisse. Er gilt als Visionär der „cutting-edge-technologies“ und erhielt zahlreiche Auszeichnungen für seine Innovationen in den Bereichen Multimediadesign und -technologie.

Eyal Gever
Eyal Gever flutet die Schlossfassade | Foto: Gever

2014 machte die NASA Gever das Angebot, der erste Künstler zu sein, der Kunst im Weltraum schafft. Die U.S. Space Agency entwickelte einen neuen 3D-Drucker, der bei Schwerelosigkeit arbeitet und im Oktober 2014 zur Internationalen Raumstation geschickt wurde. Gevers Kunst im All wurde auf der Internationalen Raumstation im September 2015 enthüllt.

Schönheit und Zerbrechlichkeit des Lebens

Zu seinem Konzept für die Schlosslichtspiele erläutert er: „Ich verfolge die Nachrichtenlage mit glühendem Eifer. Leider muss ich feststellen, dass sie bestimmt ist von Berichten über Krieg, Terror und Naturkatastrophen.“ Dies erinnere ihn Tag für Tag an die Schönheit und Zerbrechlichkeit unseres menschlichen Lebens auf diesem Planeten.

„Das hat mich dazu bewogen, meine Arbeit Cleansing zu konzipieren: Das Karlsruher Schloss wird einer Art Reinigungsprozess unterworfen, mit dem Versprechen, einen Neuanfang möglich zu machen.“

Gruppe aus Bremen

Urbanscreen ist ein Bremer Künstlerkollektiv mit dem Schwerpunkt ortsspezifischer Medieninstallationen im öffentlichen Raum. Seit 2005 beschäftigt sich das interdisziplinäre Team aus Architekten, Medienkünstlern, Bühnenbildnern, Musikern und Technikspezialisten mit dem Dialog zwischen Videokunst und urbaner Kommunikation.

Urbanscreen
Aus Bremen stammt das Künstlerkollektiv Urbanscreen | Foto: Urbanscreen

Die Arbeiten von Urbanscreen wurden ausgezeichnet mit dem Deutschen Lichtdesign Preis in der Kategorie Lichtkunst (2011 und 2015), dem silbernen Art Directors Club Award (2010), einem silbernen Cannes Design Lion (2010) sowie dem MAB16 Award für das Projekt Klubhaus St. Pauli.

Inhomogeneous

Für Karlsruhe entwickelte die Truppe eine mit „Inhomogeneous“ – ungleichförmig – überschriebene Arbeit. Ausgangspunkt ist eine spannungsreiche Gegenüberstellung architektonischer Form- und Gestaltungsprinzipien.

Die klassizistische Architektur des Karlsruher Schlosses wird in ihre Grundelemente zerlegt, die gleichzeitig als kleinste Einheit einer jeden grafischen Komposition gelten können: Punkt, Linie und Fläche.

Neuinterpretation der Fassade

Die Auflösung und Abstraktion der bestehenden Gebäudestruktur ermöglicht eine Neuinterpretation der Fassade – von einfachen grafischen Transformationen bis hin zu komplexen, möglichen und unmöglichen virtuellen Architekturen.

Anders als im bildschirmbasierten Bewegtbild, spielten die Faktoren Ort und Zeit beim Projection Mapping – wie sich die Kunstform nennt – eine zentrale Rolle: „Bewegung geschieht immer in Relation mit einem realen Ort – der Architektur. Beim Karlsruher Schloss kann diese Verbindung aufgrund der eindrucksvollen Größe und den Entfernungen, die in der Animation überbrückt werden, besonders gut als Taktgeber für die Entwicklung verschiedener Zustände der Architektur eingesetzt werden. Wir simulieren eine Evolution des Gebäudes, die nicht nur zeitlich, sondern auch räumlich geordnet ist“, so das Kollektiv.