Prokurist der CG Gruppe und ehemaliger Herausforderer von KSC-Präsident Wellenreuther: Martin Müller.
Prokurist der CG Gruppe und ehemaliger Herausforderer von KSC-Präsident Wellenreuther: Martin Müller. | Foto: GES

CG Gruppe um Müller

Ausstieg angedroht: Top-Sponsor des KSC will Vertrag jetzt doch einhalten

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Die CG Gruppe AG, Top-Sponsor des Karlsruher SC, wird ihren Vertrag mit dem Fußball-Zweitligisten jetzt doch einhalten. Dies stellte der Prokurist der Firma, Martin Müller, am Donnerstagabend auf Facebook klar. Grund dafür ist die Meldung der BNN über einen möglichen Ausstieg, der für Aufregung sorgte und nun offenbar auch zu einem Umdenken führte.

Nachdem die Stadt Karlsruhe im Stadionstreit Berufung eingelegt hat, drohen dem KSC jetzt neue rechtliche Auseinandersetzungen: Diesmal mit dem Top-Sponsor CG. Prokurist der Gruppe ist der unterlegende KSC-Präsidentschaftskandidat Martin Müller.

Martin Müller hat auf der Facebookseite "Gegengerade Karlsruhe" kommentiert.
Martin Müller hat auf der Facebookseite „Gegengerade Karlsruhe“ kommentiert. | Foto: Screenshot Facebook

Der Wahlkampf für die Präsidentenwahl könnte für den Karlsruher SC ein Nachspiel vor Gerichten haben. Die CG Gruppe AG, Top-Sponsor des Fußball-Zweitligisten, erwägt, ihr im Sommer 2019 eingegangenes, langfristig angelegtes Engagement bei den Blau-Weißen wegen diverser Aussagen des dann mit knapper Mehrheit erneut ins Amt gewählten KSC-Präsidenten Ingo Wellenreuther aufzukündigen. Diese Information der Badischen Neuesten Nachrichten bestätigte der unterlegene Kandidat Martin Müller auf Nachfrage am Donnerstag.

Als „Heuschrecken“ diffamiert

„Die CG Gruppe wurde von Herrn Wellenreuther diffamiert, wir wurden als Heuschrecken bezeichnet und mussten hinnehmen, dass man mir eine Unterwanderung des KSC unterstellt. Unsere Anwälte in Berlin haben die Aussagen bewertet und eine klare Haltung dazu. Wenn der KSC den Vertrag mit Lagardère unter Hinweis auf einen eingetretenen Vertrauensverlust kündigen kann, so gilt das für uns nach unserer Einschätzung umso mehr“, erklärte Müller in seiner Eigenschaft als Prokurist der CG Gruppe.

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Wellenreuther, mit dem lauten Nachdenken beim Top-Sponsor konfrontiert, sagte den Badischen Neuesten Nachrichten:

Dazu nehme ich gar keine Stellung. Ich weiß nicht, worum es geht.

Faktisch hatte Wellenreuther unter anderem bei einer Infoveranstaltung bei den Supporters vor einem „Heuschrecken“-Szenario gewarnt, bei dem ein Investor über die Gremienwahlen des Vereins und der daraus sich ergebenden Besetzung des Beirats die 50+1-Regelung unterlaufen könnte. Beim selben Anlass hatte der Bauprojektentwickler mit Christoph Gröner an der Spitze per Eidesstattlicher Versicherung gegenüber den KSC-Mitgliedern ausgeschlossen, das Szenario eines Ausstiegs in Betracht zu ziehen. Wörtlich: „Die CG Gruppe AG wird unabhängig vom Ausgang der Präsidentenwahl Ihres Vereins den mit Ihrem Verein vorgesehenen Sponsoring-Vertrag einhalten und den Verein wie vorgesehen unterstützen.“ Der Wahlkampf hat nun aber offenbar Spuren hinterlassen und die Juristen der CG Gruppe unter anderem Tonmitschnitte prüfen lassen.

Logo der CG Gruppe soll eigentlich auf das Trikot

Der Titel des Top-Sponsors war beim KSC im Sommer wegen der CG Gruppe neu eingeführt worden, da sich deren eigentliche Absicht, Hauptsponsor zu werden, nicht verwirklichen ließ. Klaiber Markisen hatte nach dem Aufstieg der Blau-Weißen von seiner Option Gebrauch gemacht und sich diesen Titel für ein weiteres Jahr gesichert. Diese Möglichkeit böte sich dem seit 2009 dem Verein treu verbundenen Mittelständler aus Forst für die kommende Saison ein letztes Mal. Vereinbart ist nach BNN-Informationen, dass die CG Gruppe spätestens zur Saison 2021/2022 und dann für drei Jahre die Trikotbrust der Karlsruher zieren wird. Eine Million Euro jährlich und damit das Doppelte des bisherigen Aufwands will sich die Unternehmensgruppe mit Hauptsitz in Berlin diesen Deal kosten lassen. Es geht also um ein Sponsorenpaket im Volumen von vier Millionen Euro.

Müller: „Unterirdischer“ Wahlkampf

Fünf Tage nach der wegen 41 fehlender Stimmen verlorenen Präsidentenwahl äußerte sich Müller erstmals ausführlich zu den Umständen des Wahlkampfs:

Das, was hier zwei Wochen lang ablief, war unter aller Sau.

Und weiter: „So unterirdisch wie Herr Wellenreuther hat mich noch niemand bekämpft, und ich komme aus keiner Branche, in der mit Wattebäuschchen geworfen wird“, erklärte Müller, der „angewidert“ sei, „wie dieser Mensch mit anderen umgeht“. Ihn habe es „schockiert, wie tief man sinken kann“.

Von der Öffentlichkeit beachtete Auseinandersetzungen vor Gerichten führt der KSC bereits mit der Stadt als Bauherr der neuen Arena, mit dem Vermarkter Lagardère und mit dem DFB vor dessen Bundesgericht.

Müller reagiert auf Facebook auf die Berichterstattung
Am späten Donnerstagabend reagierte Martin Müller mit einem Eintrag bei Facebook auf diesen BNN-Artikel. Hatte er am Mittag das Szenario des Klagewegs wie berichtet im Gespräch mit den BNN bestätigt, so schrieb er, nachdem die Berichterstattung dazu im Netz viel Wirbel ausgelöst hatte, nunmehr: „Die CG Gruppe BLEIBT dem KSC defnitiv treu – die CG Gruppe wird den Vertrag mit dem KSC für (mindestens) 4 bzw. 5 Jahre einhalten!“
Von einer rechtlichen Auseinandersetzung war also keine Rede mehr, nur noch von Vertragstreue und von einer eingeforderten Entschuldigung, ohne dass Müller den Namen Wellenreuther erwähnte. „Jedoch ist eine Entschuldigung seitens desjenigen, welcher diese Verleumdungen und Unterstellungen immer wieder kommuniziert hat mehr als angebracht“, schrieb er.
Die „Beschimpfungen und Verleumdungen gegen die CG Gruppe als Topsponsor“ seien „haltlos und deutlich unter der Gürtellinie“ gewesen. Und weiter: Einen Geschäftspartner des KSC darf man nicht wegen der Verfolgung eigener Ziele derart in Mißkredit bringen!“