Stefan Böckeler will aus dem Karlsruher Standort seines Familienbetriebs „das tollste Kaffeehaus Süddeutschlands“ machen. Doch Verwaltungsvorschriften, die Kostenverteilung und der Faktor Zeit spielen seines Erachtens gegen ihn.
Stefan Böckeler will aus dem Karlsruher Standort seines Familienbetriebs „das tollste Kaffeehaus Süddeutschlands“ machen. Doch Verwaltungsvorschriften, die Kostenverteilung und der Faktor Zeit spielen seines Erachtens gegen ihn. | Foto: jodo

Renovierung seit 2012 geplant

Warum das Café Böckeler am Marktplatz Karlsruhe um seine Zukunft kämpft

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Pünktlich zur Eröffnung des neuen Karlsruher Straßenbahnnetzes sollte das traditionsreiche Café  Böckeler am Marktplatz in neuem, modernen Glanz erstrahlen. Seit 2012 hegt Inhaber Stefan Böckeler diesen Plan – passiert ist bis heute konkret nichts. Die Gründe dafür sieht der Unternehmer nicht nur in der Verzögerung der Bauarbeiten für die Kombilösung, sondern auch in der aus seiner Sicht unflexiblen Planung seitens der Stadt Karlsruhe.

Einen Kaffee und ein Stück Torte kann man im Café Böckeler am Karlsruher Marktplatz in diesen Tagen nicht genießen. Während der Schließung in der Corona-Krise hat Inhaber Stefan Böckeler Handwerker bestellt, Maler und Elektriker sollen das Café ein wenig renovieren.

Wir wollen hier das tollste Kaffeehaus Süddeutschlands erschaffen

Stefan Böckeler, Konditoreiunternehmer

Doch eigentlich schwebt dem Familienunternehmen Größeres vor: „Wir wollen hier das tollste Kaffeehaus Süddeutschlands erschaffen. Da reicht’s nicht, wenn man nur streicht“, erzählt der Unternehmer bereits Mitte März im Gespräch mit der Redaktion. Zu diesem Zeitpunkt darf das Café noch geöffnet haben, allerdings nur unter Einhaltung des Sicherheitsabstands zwischen den Gästen.

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Die Idee zum Umbau der Räumlichkeiten reifte im Jahr 2012, eigentlich wollte man pünktlich zum Ende der Kombilösungs-Bauarbeiten für die Karlsruher U-Strab fertig sein. „Wir wollen unseren Gästen ein modernes Café bieten. Einen Ort, an dem sie sich wohlfühlen“, sagt Böckeler. Am 17. März 2020, dem Tag, als die neu gepflasterte Fläche auf der Nordhälfte des Marktplatzes gerade freigegeben wird, strahlt im Café Böckeler noch immer nur der alte Glanz.

Neue Brandschutzbestimmungen und veraltete Fahrstühle

Über die Jahre haben sich rechtliche Rahmenbedingungen geändert. Zudem herrscht Uneinigkeit darüber, wie die Kosten zwischen Mieter, dem Caféhausbetreiber Böckeler, und Vermieterin, der Karlsruher Fächer GmbH (KFG) – einer städtischen Tochter – aufgeteilt werden sollen. Denn mit ein wenig Farbe hie und da ist es tatsächlich nicht getan.

Die geschwungene Treppe vom Erdgeschoss in den ersten Stock etwa sollte versetzt werden, um den betrieblichen Abläufen besser gerecht zu werden. Doch sie entspricht nicht mehr den geltenden Brandschutzbestimmungen. „Es müsste dann eine rechteckige Treppe sein“, sagt Böckeler. In die Jahre gekommen sind auch die Aufzüge.

Im Keller war vor Böckelers Zeiten, nämlich bis Januar 2003, die Produktion von Torten und anderem Süßgebäck für Café und Konditorei Feller angesiedelt. Böckeler produziert seine süßen Versuchungen am Hauptsitz des Familienunternehmens in Bühl. Im Keller des Karlsruher Cafés will man künftig die Küche für Frühstück und Mittagstisch einrichten.

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Obergeschoss des Café Böckeler soll moderner und gastfreundlicher werden

Denn die Küche im ersten Stock ist alt und strategisch ungünstig platziert. Ein Bollwerk in Edelstahl, mit bester Sicht durch die Bogenfenster auf den Marktplatz. „Die Gäste haben diesen schönen Blick nicht“, sagt Böckeler. Künftig sollen die Cafébesucher auch im ersten Stock freie Sicht auf den Marktplatz haben. Das Gäste-WC ist ein Schiffscontainer im Innenhof, mittlerweile an mehreren Stellen undicht. Stefan Böckeler weist mit dem Finger auf entsprechende Flecken an der Deckentäfelung.

Der Innenhof ist Taubenrevier, ihr Kot verdreckt von oben den WC-Container sowie die 38 Jahre alte, giganteske Belüftungsanlage. Nicht nur der Spezialist für Fein- und Süßgebäck, auch andere Geschäfte des Carrés zwischen Marktplatz, Kaiser-, Lamm- und Zähringerstraße besitzen Hinterausgänge in diesen Hof. Mitarbeiter des Technischen Rathauses hätten sich schon beschwert, erzählt Böckeler: über den Taubendreck, den Lärm und die unschöne Optik der Belüftungsanlage.

Eine neue Anlage für wohltemperierte Raumluft soll gebaut werden, darüber ist man sich mit der Stadt einig. Doch eine so genannte Komfort-Klimatisierung, wie sie dem Konditormeister vorschwebt, sei nicht mehr möglich, seit Karlsruhe dem Klimabündnis beigetreten ist. „Wir brauchen aber die Klimatisierung des Verkaufsraums, sonst schmilzt uns hier im Sommer alles zusammen.“

Torten und Chocolaterien müssen gekühlt werden – aber wie, ohne Klimaanlage?

An heißen Tagen mit Temperaturen von an die 40 Grad Celsius auf dem Marktplatz sei es auch im Café nicht viel kühler. Nicht nur für die Gäste sei das unangenehm. Ohne richtige Kühlung der Raumluft schafften es die Kühltheken im Alleingang nicht, die Torten und Chocolaterien schön kühl zu halten. Selbst die maximal zulässige Temperatur von 25 Grad zu erreichen, sei an diesen Tagen schwierig. „Das allein durch Kühltheken zu versuchen, ist auch aus ökologischer Sicht Quatsch“, findet Böckeler.

Auch die Dauer der Umbauphase stellt den Konditormeister vor Probleme, kritisiert er. Der seitens der Stadt vorgeschlagene Plan sieht vor, dass Böckeler zunächst alles Inventar ausräumt, inklusive Teppichboden und Küche. „Das schaffen wir mit 40 Mann in einer Woche“, sagt Böckeler. Danach will die Stadt im Alleingang schalten und walten, Wände und Aufzüge herausreißen und erneuern. Die Übergabe zurück an Böckeler solle erst erfolgen, wenn der „veredelte Rohbau“ fix und fertig ist.

„Ich kann aber nicht erst nach der Übergabe anfangen, Handwerker zu bestellen“, sagt er. Mit diesem Vorgehen könne sich die Gesamtzeit des Umbaus auf bis zu zwei Jahre erstrecken. Böckeler wünscht sich mehr Flexibilität und Kooperation. „Und ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand zwei Jahre lang vom fertigen Marktplatz aus auf eine Baustelle gucken will.“ Zudem müsse er für die Umbauzeit seine 35 fest angestellten Mitarbeiter freistellen. „Das sind alles Topleute, die will ich nach elf Monaten wieder einstellen.“

Böckeler kritisiert unflexible Planung und hohe Kosten

Dritter Kritikpunkt in der Zusammenarbeit mit der KFG ist die Kostenverteilung. Im Vergleich zu 2003, als vor der Übernahme des Cafés durch die Familie Böckeler bereits renoviert wurde, liege heute ein wesentlich höherer Teil der Investitionen auf den Schultern der Böckelers. „Für viele der anfallenden Kosten können wir nichts“, sagt Stefan Böckeler.

Die neue Lüftungstechnik etwa solle nach dem Wunsch der Stadt in einer Gaube auf dem Dach untergebracht werden, so, wie es auch gegenüber beim Schöpf-Gebäude gemacht wurde. Das bedeute längere und breitete Leitungen, um nach unten hin alle Räume zu kühlen, und die Kosten solle Böckeler tragen. „Ich kann aber nichts dafür, dass die Anlage da hoch muss“, sagt er.

Wir sind zuversichtlich, dass wir eine für beide Seiten gut tragbare Lösung finden

Klaus Lehmann, Geschäftsführer der Karlsruher Fächer GmbH

„Mit ihren Immobilien wollen Stadt und Fächer gemeinsam mit den Pächtern einen Beitrag für eine attraktive Innenstadt leisten. Diesem Ziel dienen auch die laufenden Gespräche mit Herrn Böckeler über das künftige Konzept des Café Böckeler“, teilt die KFG auf Anfrage mit.

Aus Vertraulichkeits- und Datenschutzgründen könne man sich derzeit nicht zu planerischen Einzelheiten äußern. „Wir sind jedoch zuversichtlich, dass wir gemeinsam mit unserem Pächter unter Abwägung aller Belange eine für beide Seiten gut tragbare Lösung finden“, lässt KFG-Geschäftsführer Klaus Lehmann mitteilen.

Zuversicht für ein repräsentatives Kaffeehaus in bester Citylage hat auch Stefan Böckeler noch. Die KFG sei ihm in der Corona-Krise sehr weit entgegen gekommen, habe von sich aus die Miete gestundet. Man bleibe weiterhin in Gesprächen, in diesen Zeiten eben per Videokonferenz. Ein inhabergeführtes, nachhaltig wirtschaftendes Kaffeehaus zum Wohlfühlen: das wolle er auch in Zukunft direkt am Marktplatz bieten, sagt Böckeler und betont: „Wir betreiben unser Geschäft mit Herzblut.“