Ein neues Finanzamt soll von Herbst an in Offenburg gebaut werden. Die ersten Vorarbeiten laufen bereits. Leisten kann sich das Land den Neubau: Allein das Offenburger Finanzamt hat seine Steuereinnahmen in den vergangenen fünf Jahren um eine Milliarde Euro gesteigert. | Foto: slr

Finanzamt Offenburg

Der Steuergroschen rollt munter

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Klaus Thomas Teufel übergibt ein gut bestelltes Haus, wenn er zum 1. Mai als Vorsteher des Finanzamtes Offenburg und Chef von 509 Mitarbeitern in den Ruhestand geht: Der Neubau des Finanzamtes ist auf den Weg gebracht, die Behörde selbst als eines von fünf „Finanzämtern der Zukunft“ im Land auserkoren – und die Steuereinnahmen fließen so kräftig wie noch nie: Mit einem Aufkommen 2018 von 3,51 Milliarden Euro ist die im Vorjahr geknackte Drei-Milliarden-Grenze nochmals deutlich übertroffen worden.

In der Ortenau herrscht fast Vollbeschäftigung, die Wirtschaft brummt, und das lässt auch die Kassen im Finanzamt Offenburg klingeln: Mit mehr als 3,5 Milliarden Euro konnte Klaus Thomas Teufel am Dienstag vor der Presse erneut einen stattlichen Rekord verkünden. „Innerhalb von fünf Jahren eine Milliarde mehr an Steueraufkommen – das ist schon ein Pfund“, sagt der Vorsteher des Finanzamts, das für 29 Gemeinden mit zusammen fast 310.000 Einwohnern zuständig ist. Die Wirtschaftsstärke der Ortenau – und damit auch die Steuerkraft – belegt auch ein Vergleich: Mit einem Plus im Jahr 2018 bei den Steuereinnahmen von genau 9,3 Prozent liegt das Finanzamt Offenburg deutlich über dem Landesschnitt von vier Prozent. Den Löwenanteil am Steueraufkommen macht mit 1,84 Milliarden Euro die Umsatzsteuer aus.

800.000 Euro von französischen Unternehmen

Dabei profitiert Teufels Behörde von einer Sondersituation: Offenburg ist für die Umsatzbesteuerung aller in Deutschland aktiven französischen und monegassischen Unternehmen zuständig. Fliegt etwa Air France von Paris nach Berlin, dann wird die in Deutschland fällige Umsatzsteuer in Offenburg „eingetrieben“. So steuern französische Unternehmen 800.000 Euro zum Umsatzsteueraufkommen bei.

Zieht Bilanz: Finanzamts-Vorsteher Klaus-Thomas Teufel. | Foto: slr

Finanzamt ist Teil eines Pilotprojekts

Im März vergangenen Jahres hat Finanzministerin Edith Sitzmann Offenburg offiziell zum „Finanzamt der Zukunft“ (FIZ) ernannt. Teufels Behörde gehört damit zu jenen fünf von 65 Finanzämtern im Land, die für das Pilotprojekt ausgewählt wurden. Inzwischen kann der Amtsvorsteher schon erste Erfolge vermelden: Es gibt Rechner für die Elektronische Steuererklärung (Elster) in der Zentralen Informations- und Annahmestelle (ZIA) in der Carl-Blos-Straße, wer mit dem eigenen Laptop kommt, findet dort WLAN vor, es gibt erste Erklär-Videos zu Steuerthemen auf Youtube und auf der eigenen Homepage einen „Chatbot“ dem man online Fragen stellen kann, die automatisiert beantwortet werden. Selbst auf sehr blöde Fragen hat er, wie ein Kurztest ergab, eine schnelle Antwort – mitunter sogar ein lustige.

Personal soll flexibel sein

Die Mitarbeiter profitieren vom „Finanzamt der Zukunft“ durch eine Ausweitung der Telearbeit. Dienstanfänger werden mit Laptops ausgestattet, und auch ein „Change Management“, wie man es bei Behörden bisher weniger vermutet, ist Thema: Die Mitarbeiter sollen Veränderungen als Chance begreifen: „Manche haben 20 bis 30 Jahre nichts anderes gemacht als eine Aufgabe.“ Künftig sollen Einsteiger in den ersten zehn Jahren Erfahrung in verschiedenen Bereichen sammeln, bevor sie irgendwo fest eingesetzt werden. „Wir wollen unser Personal flexibel halten.“ Das gilt auch im Bereich Mobilität: Als „absolutes Novum in einer Finanzbehörde“ will Offenburg eine E-Flotte aufbauen: Zehn Pedelecs und drei E-Dienstwagen sind bereits genehmigt.

Neubau verschärft Parksituation

In den ersten von drei Bauabschnitten für ein neues Finanzamt gegenüber der bisherigen Adresse investiert das Land 13 Millionen Euro. Derzeit werden die Gebäude Zeller Straße 5 und 8 abgerissen, auf dem früheren Behördenparkplatz neben der Unionbrücke rollen schon die Bagger.
Dass 120 Parkplätze wegfallen und in Zukunft auch 100 Kollegen aus Achern, Kehl und Wolfach in Offenburg arbeiten, verschärft die Parksituation. Mit dem Neubau soll im Herbst begonnen werden.

 

slr