Eine Statue der Justizia
Eine Statue der Justizia. | Foto: David-Wolfgang Ebener/Archivbild

Ehefrau mit Messer getötet?

Prozess um 23 Jahre zurückliegendes Tötungsdelikt in Gengenbach hat begonnen

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Vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Offenburg hat der Prozess um ein 23 Jahre zurückliegendes Tötungsdelikt begonnen. Der 48-jährige türkische Angeklagte soll 1996 in Gengenbach seine Frau mit einem Messer getötet haben. Die Anklage lautet auf Mord aus Habgier und niedrigen Beweggründen. Strafrechtlich verjährt Mord nie. Er selbst schilderte die Tat als Unfall.

Von unserem Mitarbeiter Harald Rudolf

Sein größter Fehler sei gewesen, dass er das Messer aus der Küche genommen habe. Nach einer Diskussion, als beide ihre Trennung und Scheidung bereits beschlossen hatten und aus getrennten Urlauben in ihre Wohnungen nach Gengenbach zurückkamen, verließ er nicht wie nach solchen Streitereien üblich die Wohnung, sondern griff aus einem Reflex heraus nach dem Messer. „Ich wollte ihr Angst machen“, sagte er.

Ich wollte ihr Angst machen.

Der Angeklagte

Seine Ehefrau sei auf ihn zugekommen und habe ihn an der Hand angefasst. Der Angeklagte schilderte ein Gerangel. Seine Frau sei zurückgewichen und er ihr nachgegangen. „Dabei müssen wir über den Teppich gestolpert sein.“ Sie stürzte auf den Rücken, er fiel auf sie. Sie hörte auf zu kämpfen. Das Opfer hatte Schnittverletzungen an Ober- und Unterarmen und an den Handinnenflächen. Tödlich war ein Stich ins Herz, von oben gesetzt und mit Wucht ausgeführt, da das Messer mit einer Klingenlänge von 10,5 Zentimetern brach und eine Rippe verletzte.

Flucht in die Türkei

Dass sie tot war, sei ihm sofort klar gewesen, sagte der 48-Jährige. Er bedeckte die Leiche und versuchte, sich selbst zu töten. Er brachte es jedoch nicht fertig. Als die Polizei die Leiche fand, in der noch das Messer steckte, entdeckte sie auch eine Wäscheleine, die an einem Balken baumelte.

Der Prozess stehe wegen des langen zeitlichen Abstands zwischen Tat und Festnahme vor einer Verjährungsproblematik, sagte ein Sprecher des Gerichts. Eine Verurteilung des Mannes sei nur wegen Mordes möglich. Andere Vorwürfe wären vermutlich verjährt. Lediglich für den Vorwurf des Mordes gebe es juristisch keine Verjährung. Bei einer Verurteilung wegen Mordes drohe eine lebenslange Haftstrafe.

Der Angeklagte ging von der kleinen Dachgeschosswohnung in die im selben Haus von ihm bewohnte Einliegerwohnung. Er wollte nach Holland, wo er zuvor mit einem Freund Urlaub machte, erklärte er. Da er kein Geld hatte, nahm er die EC-Karte seiner Ehefrau. Am Abend jenes 20. Juni 1996 hob er innerhalb von drei Minuten dreimal Geld ab – insgesamt 1000 D-Mark. In Holland angekommen, sah er am Bahnhof ein Hinweisschild zum Flughafen. Daraufhin flog er in die Türkei.

Tat nie verziehen

„Es macht mich traurig, dass unsere Liebesgeschichte so endete“, sagte der Türke, der sich nach eigenen Angaben in den vergangenen 23 Jahren die Tat nie verziehen hat. Bis zu dem Abend habe es nur verbale Auseinandersetzungen gegeben. Begonnen hatte die Beziehung in einem Türkeiurlaub des Opfers 1991. Drei Jahre später heirateten sie in der Türkei. Anschließend kamen sie wegen einer Praktikumsstelle der Ehefrau in die Ortenau.

Es macht mich traurig, dass unsere Liebesgeschichte so endete.

Der Angeklagte stamme aus guten Verhältnissen, hatte ein Boot in Bodrum, arbeitete als Bootsführer, erklärte er. Aus Angst vor einer Inhaftierung wegen des nicht geleisteten Militärdienstes in der Türkei zögerte er die Rückkehr jedoch immer wieder hinaus. „Zuletzt hatten wir eine Lösung gefunden.“ Sollte er in Haft kommen, würde seine Ehefrau ihm Geld geben, um sich freizukaufen.

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Affäre war der Auslöser

Als sie ihm an jenem Abend auf sein Drängen berichtete, in ihrem Urlaub eine Affäre gehabt zu haben, sei er wütend geworden, hatte er vor dem Haftrichter geäußert, als er 23 Jahre nach der Tat festgenommen worden war. Wegen politischer Unruhen hatte er 2018 die Türkei verlassen. Für den Prozess sind sechs Verhandlungstage vorgesehen. Ein Urteil soll am 4. Dezember verkündet werden.