Letzte Einweisung: Peter Benz und Sohn Nico vom MSC Puma Kuppenheim zeigen Dominic Körner die wichtigsten Handgriffe auf einem Motoball-Motorrad. Am Lenker war eine Kamera befestigt. | Foto: Collet

Redakteur am Limit: Motoball

Schussversuch nimmt blutiges Ende

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Raus aus dem Alltag, auf ins Abenteuer lautet die Losung bei „Redakteur am Limit“. Für einen Tag, einige Stunden oder nur wenige Minuten schlüpft BNN-Redakteur Dominic Körner in für ihn ungewohnte Rollen. Am Boden, zu Wasser und in der Luft geht er bis an seine Grenzen. Heute: Motoball bei Puma Kuppenheim.

Schmerzhaftes Ende

Plötzlich heult der Motor auf, das Vorderrad blockiert und katapultiert mich über den Lenker auf den harten Asphalt. Mit dem Kopf schlage ich auf, trotz Helm pocht der Schmerz in meinem Schädel. Blut läuft mir über das Gesicht und tropft auf den Platz.

Im Hintergrund röhrt die am Boden liegende Maschine weiter, und für einen Moment will ich einfach nur liegen bleiben. Spätestens jetzt weiß ich: Motoball ist gefährlich – wenn man es nicht kann.

Herausforderung Motoball

Zwei Stunden zuvor: Die Stirn ist noch heil, die Stimmung gut. Für die Rubrik „Redakteur am Limit“ verlasse ich heute meinen Schreibtisch in der BNN-Redaktion und schlüpfe ins Trikot des MSC Puma Kuppenheim, auf dessen Anlage am 21. Oktober das Finale um die Deutsche Meisterschaft stattfindet.

Am Sportplatz begrüßt mich Vereinslegende Peter Benz und hakt gleich nach, ob ich mir das wirklich gut überlegt hätte: Motoballspielen ohne Erfahrung auf dem Motorrad? Für eine gute Idee hält er es offenbar nicht.

Jeder Handgriff muss sitzen

20 Minuten später bin ich voll eingekleidet – Helm, Brustpanzer, Ellenbogen- und Knieschoner sitzen, die schweren Motoballstiefel auch. Ich erhalte ein Trikot und, zu meiner Überraschung, das Motorrad mit der Nummer 3. Denn das kommt tatsächlich auch am 21. Oktober zum Einsatz, wenn sich die Pumas gegen den MSC Ubstadt-Weiher zum Deutschen Motoball-Meister krönen wollen. Offensichtlich traut man mir nicht zu, die 250-Kubik-Maschine (54 PS) zu zerlegen. Peters Sohn Nico, ein langjähriger Jugendspieler der Pumas, erklärt mir, wie das 100 Kilogramm schwere Zweirad funktioniert. Am Lenker befinden sich zwei Ganghebel, eine Kupplung, der Gasgriff und die Vorderradbremse, mit dem (freien) Fuß bremst man hinten.

Adrenalin-Trip auf Asphalt

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„Jetzt bin ich gespannt“, sagt Peter, als ich die Maschine mit einem kräftigen Tritt auf den Kickstarter anwerfe. „Den Ball lassen wir erst mal weg“, ruft er mir noch zu. Es ist soweit, mein Puls rast. Behutsam lasse ich die Kupplung kommen und gebe Gas. Der Motor knattert kräftig, als sich das Motorrad auf dem mit Rollsplitt bedeckten Asphaltplatz in Bewegung setzt. Meine größte Sorge, dass ich die Hebel am Lenker verwechsle, ist (vorerst) unbegründet. Vorsichtig umkurve ich das Tor und rolle zurück zu Peter. „Auf der Geraden gibst du mal richtig Gas und schaltest in den zweiten“, weist er mich an. Nach meinem beherzten Griff an den Gashebel richtet sich die Maschine kurz auf und geht ab. Adrenalin schießt durch meine Adern. Die mögliche Höchstgeschwindigkeit von 80 Stundenkilometern reize ich allerdings lange nicht aus.

Wenn du noch 15 wärst, würden wir dich nehmen

Jetzt die Königsdisziplin, das Driften. „Mit dem Fuß hart auf die Hinterradbremse, Kupplung ziehen und dann wieder Gas geben“, ruft Peter. Dreimal würge ich ab und fluche über mich selbst. Beim vierten Mal klappt es: Die Maschine steht eine Sekunde lang quer, dann gebe ich Gas und schieße wieder nach vorne.

Und jetzt mit Ball

Nach guten 30 Minuten Trockenübung wirft Peter mir einen Ball zu. Der hat einen Durchmesser von 40 Zentimetern, ist etwa 1 200 Gramm schwer und soll bei der Fahrt zwischen meinen Fuß und einer Halterung am Vorderrad.

Erste Versuche mit dem Ball am Fuß. | Foto: Collet

„Kein Problem, Fußball spielen kann ich“, kündige ich vollmundig an. Und tatsächlich: Bei der Fahrt mit Ball mache ich durchaus eine gute Figur, Peter ist überrascht. „Wenn du noch 15 wärst, würden wir dich nehmen“, sagt er lachend.

Die Muskeln brennen

Beim Schusstraining mit den echten Pumas, die nun auch auf dem Platz sind, lande ich aber unsanft wieder auf dem Boden der Tatsachen – und das gleich in doppelter Hinsicht. Mehr als eine Rückgabe zum Torwart bringe ich nicht zustande. Im Schussbein brennen Muskeln, von deren Existenz ich bislang nichts wusste.

Sturz aufs Gesicht

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Es kommt noch schlimmer: Beim nächsten Schussversuch verliere ich den Ball und verwechsle die Bremsen. Das Vorderrad blockiert und ich stürze aufs Gesicht. Solche Schmerzen hatte ich noch nie. „Alles okay?“, fragt Peter, der sofort neben mir steht, nachdem ich mich 20 Sekunden lang nicht gerührt habe. Blut rinnt über mein Gesicht. Ich will weiterspielen, wenigstens noch einen Schuss versuchen. Peter zieht die Reißleine: „Wir verarzten dich jetzt und dann ist Schluss“, sagt er und ich folge ihm in die Puma-Werkstatt.

Ein Abend am Limit

Während Peter meine Wunde reinigt, erklärt er: „Es braucht mindestens zwei Jahre, um Motoball spielen zu lernen“. Ich höre mich nicht widersprechen. Zur Sicherheit fahre ich später am Abend noch ins Krankenhaus, die Platzwunde wird mit vier Stichen genäht. Als die Nadel an der Stirn pikst, denke ich, dass ich heute wohl tatsächlich am Limit war. Und wahrscheinlich sogar darüber hinaus.

Veranstaltungstipp:
Finale um die Deutsche Motoball-Meisterschaft: MSC Puma Kuppenheim-MSC Ubstadt-Weiher, Samstag, 21. Oktober, 18 Uhr, Anlage des MSC Puma Kuppenheim (Eichetstraße 39). Weitere Infos zur Motoball-Bundesliga finden Sie hier.