Skip to main content

Kulturschaffende fühlen sich alleingelassen

Musiker aus Baden-Baden prangert mangelnde Unterstützung in der Corona-Zeit an

Die Corona-Pandemie ist für Selbständige in der Kulturbranche schwer. Auch der Baden-Badener Musiker Sebastian Dracu fühlt sich alleingelassen und macht seinem Ärger Luft.

Rockmusiker Sebastian Dracu ist während der Pandemie kreativ und hat ein neues Musikvideo mit regionalen Kulturschaffenden gedreht. Foto: Ronny Krautz

Rockmusiker und Baden-Badener Sebastian Dracu ist enttäuscht. Der sonst so begeisterungsfähige Kulturschaffende ist es fast müde geworden, sich für die Kultur einzusetzen. „Ich habe das Gefühl, dass es wenig wertgeschätzt wurde, was ich gemacht habe. Das Beste, was man als Musiker jetzt während Corona bekommt, ist ein Like auf Facebook. Soll das mein Leben füllen?“

Frustriert ist er nicht nur mit der Situation, seit fast eineinhalb Jahren nicht mehr auftreten zu können, sondern auch damit, dass er als Soloselbständiger in der Kulturbranche durch fast alle Raster fällt und die staatlichen Hilfen kaum greifen.

Das Jahr 2020 hätte eigentlich sein bisher erfolgreichstes Jahr werden sollen. Eine Tour durch Amerika war geplant, Festivals in Deutschland standen an. Dann kam die Pandemie. Sebastian Dracu zog sich erst einmal in den Schwarzwald zurück, nahm eine kreative Pause, erholte sich.

Video für neuen Song mit anderen Kulturschaffenden gedreht

Die Auszeit hat ihm gutgetan, sagt er heute. „Ich habe sechs Wochen keine Musik gemacht“, betont er, dann kam die Inspiration zurück und er arbeitete in der Isolation an einer neuen Platte. Nach fast einem Jahr zwischen Wald und Bergen kam er zurück in die Kurstadt. „Eigentlich wollte ich 2021 keine Platte machen. Jetzt habe ich doch wieder neue Songs geschrieben, es hat sich so viel verändert“, erzählt er.

Seit vier Wochen arbeitet er nun wieder in der Weststadt und hat gleich in seiner alten Stammkneipe Hemingways mit anderen jungen Kulturschaffenden aus der Region ein Video für den neuen Song „Falling in Love“ gedreht. „Das war für mich wie heimkommen ins Nest“, bemerkt Sebastian Dracu.

Zudem passe es, weil er im Song leide, und die Gastronomie ebenfalls unter Corona gelitten habe. Das Hemingways sei für ihn persönlich in seiner Entwicklung wichtig gewesen. Die Musik, die gespielt wurde, habe ihn geprägt, daher sei es ein richtiger Schritt, hier auch seine musikalische Entfaltung festzuhalten. „Nur in Bars redet man über das Leben, über Musik und Filme, diskutiert über Künstler. Daher machte es auch so viel Spaß hier zu drehen.“

Sebastian Dracu war zur Kulturkonferenz der Kulturregion Karlsruhe eingeladen

Das nächste Musikvideo soll im Theater Baden-Baden gefilmt werden, die Zusage dafür steht jedoch noch aus. „Das wäre ein toller Kontrast. Die Atmosphäre für den Song ‚Falling in Love‘ ist eng, knallig und heiß. Im Theater wollen wir dagegen die Weite des Raums nutzen. Der Song ‚Vertigo‘, also Schwindel, ist kühl, akustisch und ruhig“, erklärt er und hofft, dass die Zusammenarbeit klappt. Ihn reizt der Kontrast zwischen einem „Tempel der Hochkultur in der Innenstadt zu einer urigen Bar in der Weststadt“.

Was Dracu während der Corona-Pandemie bewusst wurde, sind die Unterschiede, die es in der Kulturbrache gibt. Der 28-Jährige war zur Kulturkonferenz der Kulturregion Karlsruhe eingeladen, deren Vorsitzende Baden-Badens Oberbürgermeisterin Margret Mergen (CDU) ist. Jetzt ist er frustriert, dass dem Ansinnen, der Kultur und den Kulturschaffenden nach der Pandemie unter die Arme zu greifen, bisher keine Taten gefolgt sind.

Ich hatte das Gefühl, dass die Popularkultur einfach kein Gehör findet und nicht geschätzt wird.
Sebastian Dracu, Musiker

Vielmehr habe er den Eindruck gewonnen, dass nur die sogenannte Hochkultur gefördert werde. „Ich war als junger Kulturschaffender eingeladen. Ich hatte jedoch das Gefühl, dass die Popularkultur, zu der ich mich zähle, einfach kein Gehör findet und nicht geschätzt wird. Dabei ist das die größte Sparte in der Kulturszene. Es ist doch wichtig, die unabhängigen Kulturschaffenden aus der Region zu unterstützen, oder nicht?“

Kritik an der fehlenden Unterstützung durch die Stadt Baden-Baden

Das Problem gebe es in Baden-Baden jedoch schon länger. Die Stadt habe keine gute Story, wenn es um junge Künstler gehe. Früher habe es viele gute Schulbands in der Kurstadt gegeben, es wurden Graffiti-Events organisiert. Heute sei davon nichts übriggeblieben. Das findet Sebastian Dracu schade.

„Es ist schließlich auch meine Stadt. Ich möchte etwas bewegen und werde mich verstärkt für junge Kultur einsetzen. Baden-Baden ist so reich an Kultur und versäumt es, seine eigenen Künstler zu unterstützen“, sagt er enttäuscht.

nach oben Zurück zum Seitenanfang