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Mit Sender unterwegs

Jungtiere aus Oos: Störche reisen von Baden-Baden bis nach Marokko

Vergangenes Jahr wurden in Baden-Baden Oos drei Störche geboren. Im Winter haben sie sich auf ihre erste große Reise gemacht. Das ging nicht für jeden gut aus.

Geeint im Nest: Ein Storchenpaar hat sich auf dem Nest der Schule in Oos niedergelassen und drei Jungvögel ausgebrütet. Foto: Hans-Peter Hegmann

Was wurde eigentlich aus den drei jungen Störchen, die im letzten Jahr an der Schule in Oos geboren wurden? Der regionale Weißstorchbeauftragte des Max-Plank-Instituts für Ornithologie Radolfzell, Stefan Eisenbarth kann diese Frage beantworten.

Er hat die drei Jungvögel beringt und dafür gesorgt, dass fünf junge Störche aus seinem Betreuungsgebiet zwischen Iffezheim und Karlsruhe vor ihrem Flug in das Winterquartier mit Sendern versehen wurden.

Darunter auch die drei aus Baden-Oos, von denen daher die exakten Daten bekannt sind.

Wie Eisenbarth erklärt, bleiben die jungen Tiere in ihrem ersten und zum Teil zweiten Lebensjahr überwiegend an ihren Überwinterungsplätzen in Westafrika oder Spanien.

Junge Störche sterben oft an Stromleitungen

Man sollte aber auch wissen, dass die Forscher im Institut in Radolfzell mit bis zu 70 Prozent Verlusten während dem ersten Winterzug rechnen. Hier droht den noch unerfahrenen Fliegern häufig der Tod durch Stromleitungen.

Außerdem darf man nicht vergessen, dass Störche in einigen afrikanischen Ländern als Nahrungsmittel betrachtet und gejagt werden. Anhand der aufgezeichneten Daten der GPS-Logger kann er vorab auch schon sagen, dass einer der Störche sein erstes Lebensjahr nicht überstanden hat.

Aber der Reihe nach: Mitte Juni haben eine Vogeldame (Alisa) und zwei Herren (Mario, Steffo) Baden-Oos Richtung Süden verlassen haben. Sie flogen zwar nicht zusammen, wählten aber ziemlich ähnliche Routen. Alisa flog in Breisach über den Rhein und danach durch Frankreich.

Storch-Dame aus Baden-Baden vermutlich tödlich verunglückt

Dort erreichte sie am 2. August westlich der Camargue das Mittelmeer. Zunächst ging es entlang der Küste des Golfes von Lion weiter. Ab Béziers wählte sie, an Andorra vorbei, die kerzengerade Route über die Pyrenäen nach Spanien.

Danach verweilte sie einige Tage am Ebro in der Nähe von Zaragoza. Am 22. August startete sie den nächsten Langstreckenflug Richtung Afrika und überquerte am 26. August die Meerenge von Gibraltar. Weiter ging es in drei Tagen immer geradeaus durch Marokko.

Am 30. August überflog sie die Grenze nach Algerien und sendete ihre letzte Positionsänderung am 31. August um 20 Uhr aus der Westsahara, seit diesem Tag gab es keine Änderungen mehr. Es ist davon auszugehen, dass sie dort tödlich verletzt wurde.

Sie hatte bis dahin 3.199 Kilometer durch fünf Länder zurückgelegt. Eisenbart hofft, dass der Sender in den nächsten vier Jahren noch sein Signal senden und daher eventuell gefunden und zurückgesandt werden kann.

Storch Mario war in drei Länder

Mario kam auf einer fast identischen Reiseroute am 1. September in der Nähe von Zaragoza an. Von dort flog er in mehreren Etappen mit mehrtägigen Pausen weiter, bis er am 20. September einen Außenbezirk von Madrid erreichte. Hier hielt er sich im Umkreis von etwa fünf Kilometern bis zum 5. April auf.

Inzwischen ist er wieder in Richtung Frankreich geflogen. Aktuell ist er in Nähe der Stelle am Ebro, wo sich schon Alisa aufhielt. Er hat bis heute 2.636 km in drei Ländern zurückgelegt.

Auch Steffo wählte eine ähnliche Route bis nach Spanien. Allerdings flog er bei der Durchquerung des Landes immer nur kürzere Etappen ohne längere Aufenthalte an einem Ort. So erreichte er am 6. September Cadiz.

Storch Steffo kommt eventuell zurück nach Deutschland

Von dort flog er am nächsten Tag rund 50 Kilometer über den Atlantik Richtung marokkanische Küste. Er landete ungefähr 25 Kilometer im Landesinneren und flog einen Tag später bis an einen großen Stausee (Oued Grou) bei Rabat weiter. Hier verbrachte er den Winter mit kurzen Ausflügen in die Umgebung bis zum 1. April.

Dann packte ihn wohl wieder das Reisefieber und er ist in den letzten acht Tagen über Gibraltar, durch ganz Spanien bis in die Nähe von Marseille geflogen.

Laut Eisenbarth könnte es ihn eventuell wieder Richtung Deutschland ziehen oder er verbringt den Sommer in Frankreich. Der Vielflieger hat bisher 4.906 km zurückgelegt.

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