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Wichtige Hinweise aus der Bevölkerung

Bühlerin in Bremen vermisst: Jennifers Freund droht Eltern in einem bizarren Video

In einem bizarren Video beschimpft Jennifers Freund die Bühler Familie und spricht vom möglichen Tod des Mädchens. Die privaten Ermittlungen in Bremen führten aber zu wichtigen Hinweisen aus der Bevölkerung.

Heruntergerissen: In beiden Bushaltestellen in der Nähe der Wohnung von Jennifers Freund in Bremen wurden die Flugblätter der Familie M. gewaltsam entfernt. Foto: privat

Der Auftritt ist bizarr. Nachdem Jennifer M. aus Bühl seit viereinhalb Monaten verschwunden ist und ihre verzweifelte Familie die 17-Jährige im Umfeld ihres iranischen Freundes in Bremen sucht, hat der 20-jährige Mann am Wochenende, wohl als Rache für die Medienberichte, über seinen WhatsApp-Status ein Video veröffentlicht, das sich direkt an die Familie wendet.

Ihr habt mich gerufmordet.
Jennifers Freund in einem Drohvideo

„Für den Rufmord gibt es auf die Fresse“ wird als Titel im Vorspann eingeblendet. In dem kurzen, mit dem Smartphone aufgenommenen Film beschimpft S. die Familie seiner Freundin mit üblen Worten.

Schlimmer als das sind die Drohungen des extrem aufgeregten jungen Mannes, dessen unscharfes Bild sich kaum vom dunklen Hintergrund der Wohnung abhebt.

„Ihr habt mich gerufmordet, das wird rechtliche Konsequenzen haben“, sagt er in einem aggressiven Ton. „Ihr habt einen Löwen aus dem Käfig geholt, ich schwör’s. Wundert mich nicht, wenn ihr eure Tochter nicht findet. Vielleicht ist sie schon tot. Ich lach mich darüber schlapp.“

Auch gegen die Medien, die die Familie M. bei der Suche nach Jennifer unterstützen, stößt er böse Drohungen aus.

Zahlreiche Hinweise bei der Familie eingegangen

Die Bühler Familie lässt sich davon nicht irritieren. Jennifers Onkel, der mehrere Tage lang gemeinsam mit dem Vater auf der Suche nach dem Mädchen in Bremen unterwegs war, berichtet von zahlreichen Hinweisen, die nach den Medienberichten und der Flugblattaktion in Bremen bei der Familie per E-Mail und Telefon eingegangen sind.

„Wir haben aus den zahlreiche Hinweisen, die, die uns wertvoll erschienen sind, ausgewählt und an die Polizei weitergeleitet“, berichtet der Onkel. „Wir hoffen, dass die Polizei dem nun nachgeht.“

Großer Einsatz: Die Familie M. aus Bühl sucht in Bremen nach der vermissten Jennifer und hat Flugblätter verteilt und im öffentlichen Raum an Wände und Scheiben geklebt. Foto: privat

Der Aufenthalt in Bremen hat für die Familie viele positive Aspekte. „Gleich mehrere Zeugen haben sich gemeldet, die Jennifer unversehrt gesehen haben“, erklärt der Onkel. Für ihn war auffällig, dass in der Nähe der Wohnung von S., in der dieser gemeinsam mit seinem Vater wohnt, alle Flugblätter von den beiden dortigen Bushaltestellen abgerissen wurden.

„Kaum ein Zufall“, meint er. „Davon haben wir uns aber nicht irritieren lassen. Ich habe mich in der Nähe dieser Adresse postiert und gezielt Leute angesprochen.“

Die Polizei muss endlich das Heft des Handelns in die Hand nehmen.
Jennifers Onkel im Interview

Über die aktuellen Ermittlungen der Polizei wird die Familie nach eigenen Aussagen nicht informiert. „Ich vermute, dass sich Jennifer nicht in der Wohnung von S. aufhält, sondern von ihm in seinem Umfeld untergebracht wurde“, sagt der Onkel. „Die Polizei muss endlich das Heft des Handelns in die Hand nehmen und sich beispielsweise mal mit seinem Handy beschäftigen.“

Befürchtungen haben sich erst mal zerstreut

Dass Jennifer offensichtlich unverletzt in Bremen gesehen wurde, beruhigt die Familie zunächst einmal. Befürchtungen, dass das Mädchen ins Ausland verschleppt wurde, haben sich damit erst einmal zerstreut. „Wir vermissen Jennifer sehr und hoffen, dass sie bald unversehrt nach Hause kommt“, sagt der Onkel.

Gerhard Zenk, Leiter des Kriminalkommissariats Rastatt, ist für die Ermittlungen in diesem Fall verantwortlich und arbeitet eng mit seinen Kollegen in Bremen zusammen. „Es ist selbstverständlich nicht so, dass wir nichts unternehmen“, erklärt er.

Die Polizei geht davon aus, dass Jennifer aus freien Stücken Bühl verlassen hat und mit hoher Wahrscheinlichkeit zu ihrem Freund nach Bremen gegangen ist. „Dafür gibt es belastbare Indizien“, sagt Zenk. „Allerdings bestreitet der junge Mann, dass Jennifer bei ihm ist.“

Polizei suchte Freund mehrfach auf - erfolglos

Die Bremer Polizei hat S. mehrfach in seiner Wohnung aufgesucht, die 17-Jährige dort aber nie angetroffen. Wie die Eltern gehen auch die Ermittler davon aus, dass das Mädchen im Umfeld des jungen Mannes untergebracht ist.

„Weder S. noch seine Bekannten sind gegenüber der Polizei kooperativ“, erklärt Zenk. Vielmehr verhalte sich S. ähnlich gegenüber den Beamten wie auf dem Drohvideo, das nach Ansicht des Kripo-Chefs ein Indiz für die Persönlichkeit des jungen Mannes ist. „Für die Bremer Kollegen ist das keine einfache Aufgabe“, meint Zenk. „S. kann sich jedoch nicht dagegen wehren, dass er regelmäßig von der Polizei überprüft wird.“ Der Rechtsstaat setzt den Ermittlern in solchen Fällen allerdings klare Grenzen.

Der neueste Hinweis im Fall ist ein Post auf dem Instagram-Account von S., in dem dieser über die aktuelle Situation des Paares berichtet und sich Hilfe durch die Gesellschaft wünscht. Er könne Jennifer nicht helfen.

Die Öffentlichkeitsfahndung der Bremer Polizei ist ein erfolgversprechender Ansatz. „Wir haben aussagekräftige Hinweise erhalten, dass Jennifer wohlauf ist“, berichtet Zenk. Die Bremer Polizei will ihre Ermittlungen jetzt weiter intensivieren.

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