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Händler berichten von guten Umsätzen

Corona gibt dem Wochenmarkt in Bühl einen zusätzlichen Schub

Der Bühler Wochenmarkt hat durch die Corona-Pandemie eine stärke Nachfrage erlebt. Die Händler berichten von einem umsatzstarken Sommer, die Kunden schätzen neben der Regionalität der Produkte auch die großzügige Anordnung der Marktstände.

Gut angenommen: Der Wochenmarkt auf dem Markt- und Kirchplatz hat in den Corona-Wochen eine gesteigerte Nachfrage erfahren. Foto: Bernhard Margull bema

Es ist Samstagmorgen, Urlaubszeit in Zeiten gebremster Reiselust. Der Bühler Markt- und Kirchplatz wirkt wie ein Farbkasten. Hier ein kräftiges Sonnenblumen-Gelb, dort lässt das Blau der Zwetschgen den Gedanken an einen Kuchen reifen, und der Obst- und Gemüsestand hat mit Zucchini, Zwiebeln, Johannisbeeren und Co. nahezu alle Farben des Regenbogens im Angebot. Das Ambiente zu Füßen von Rathaus- und Kirchturm verspricht dem Kunden ein entspanntes Einkaufserlebnis.

Das Ehepaar Schmezer gehört zu den regelmäßigen Kunden des Markts. Albrecht Schmezer sieht einen Pluspunkt des Markts in der zentralen Lage, Christiane Schmezer schätzt die frischen Produkte der Marktbeschicker und die geräumige Anordnung der Stände: „Man kann sich hier frei bewegen. Früher ist es hier mitunter drangvoll eng zugegangen.”

Früher: Das lenkt den Blick in die Zeit vor der Umgestaltung des Markt- und Kirchplatzes. Danach, mit der Rückkehr vom für die Zeit des Umbaus als Ausweichstandort genutzten Europaplatz, hat die Stadtverwaltung den Wochenmarkt neu strukturiert. Das habe dem Wochenmarkt gutgetan, sagt der städtische Pressesprecher Matthias Buschert.

Während der Corona-Pandemie habe sich die gute Entwicklung verstärkt: „Der Wochenmarkt hat noch einen zusätzlichen Schub erhalten.“ Buschert belegt dies mit den Rückmeldungen von Marktbeschickern, die von einem „umsatzstarken Sommer“ berichteten.

Stadtverwaltung hat Warteliste mit interessierten Händlern

Ein weiterer Beleg: In der Stadtverwaltung werde eine Warteliste mit interessierten Händlern geführt: „Wir müssen aktuell einige Interessenten auf das Spätjahr vertrösten, weil der zur Verfügung stehende Platz nicht für mehr Stände ausreicht.“ Wenn die Saison für manches Obst und Gemüse vorbei sei, benötigten einzelne Stände nicht mehr so viel Platz, wodurch wann wieder mehr Stände möglich würden.

Die Rückbesinnung auf die Regionalität war gut für den Markt.
Hans-Georg Seipel

Hans-Georg Seipel ist der Sprecher der Marktbeschicker. In den vergangenen Monaten hat er einige neue Gesichter auf dem Markt gesehen, und mancher Neukunde komme jetzt auch regelmäßig. Seipel macht dafür eine Reihe von Gründen aus: „Die Rückbesinnung auf die Regionalität war gut für den Markt, die Leute kaufen lieber im Freien ein, und weil im Lockdown die Restaurants und Kantinen geschlossen waren, wurde viel mehr selbst gekocht.“

Wenn es gelinge, die Kunden mit gleichbleibender Qualität und Vielfalt zu überzeugen, könne der Wochenmarkt langfristig von der Ausnahmesituation profitieren. „Wir können über Produkte und Herkunft ganz anders informieren, als dies im Supermarkt möglich ist.“ Zum Erfolg habe auch die Stadtverwaltung beigetragen: „Die Abstände haben wir hier sehr gut hinbekommen. Die Stadt hat sich in der Corona-Zeit um uns gekümmert. Wir hatten einen regen Austausch mit dem Marktmeister, was machbar ist und was nicht.“

Vermehrt junge Familie auf dem Markt

Auch Seipels Kollege Konrad Baumann sieht den Wochenmarkt gut angenommen, und die Corona-Zeit habe „eher ein Plus als Einbußen“ gebracht. Sicher würden einige Kunden nach Corona wieder dort einkaufen, wo sie es zuvor taten, aber das sei ein normaler Vorgang. „Es gibt immer gewisse Käuferschichten, die pendeln, mal hier einkaufen, mal dort“, sagt Baumann, der mehr junge Familien auf dem Markt sieht.

Vom Umbau profitiert: Die Umgestaltung von Markt- und Kirchplatz hat eine neue und großzügere Anordnung der Stände ermöglicht. Foto: Bernhard Margull

Als positiv habe sich die neue Anordnung der Stände erwiesen: „Die großzügigere Belegung hat es einfacher gemacht, die Corona-Auflagen zu erfüllen. Der Sicherheitsabstand war sehr, sehr gut.“ Mittlerweile bildeten sich aber wieder Grüppchen und Gruppen vor manchen Ständen.

Das ist auch an diesem Morgen zu beobachten: Warteschlangen mit ordentlichem Abstand zwischen den einzelnen Kunden finden sich ebenso wie munter diskutierende Grüppchen.

Regionalität ist das große Plus

Das große Plus des Wochenmarkts sei stets die Regionalität, meint Baumann, und das gelte nicht nur in Krisenzeiten, auch wenn sie in solchen noch stärker geschätzt werde. Das sieht auch Rudi Eckerle so. Der Steinbacher ist Stammkunde auf dem Bühler Markt: „Wo der Erzeuger seine frischen Produkte noch selbst verkauft, ist man gut aufgehoben. Das muss man unterstützen, und ich bin froh dass es einen solchen Markt noch gibt.”

Er diene nicht nur dem Einkauf: „Der Wochenmarkt ist ein Treffpunkt, an dem Leben herrscht und wo man auch mal ein Schwätzchen halten kann.” Tilo Friedmann ist aus Baden-Baden herübergekommen: „Ich bin mit dem Bühler Wochenmarkt aufgewachsen”, sagt er. In seiner Heimatstadt schätzt er das „schöne und tolle Angebot”.

Der Markt sei ein Riesenplus für die Stadt, und er strahle auch in die Region hinein: „Ich sehe hier immer wieder Baden-Badener Gesichter. Ich weiß nicht, ob sich die Bühler dessen bewusst sind.”

Die Kunden an diesem Samstagmorgen spüren jedenfalls die Gelöstheit eines Sommermorgens. Die Atmosphäre ist entspannt, fast schon ein wenig mediterran - fast schon ein kleines bisschen Urlaubsgefühl in Zeiten gebremster Reiselust.

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