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Zwei Demonstrationen in Bühl

Protest in Bühl: „Querdenker-Bewegung sollte sich schämen“

Rund 30 Teilnehmer protestierten in Bühl gegen die Kundgebung des Vereins „Querdenken 722“. Bis auf ein kurzes Wortgefecht blieb es friedlich.

Mit Trillerpfeifen und Bannern ausgerüstet: Die Verfechter der Corona-Auflagen auf dem Platz Vilafranca am Samstag. Foto: Foto: Katrin König-Derki

Bereits zum zweiten Mal versammelten sich am Samstag, zeitgleich zur Kundgebung des Vereins „Querdenken 722 Bühl/Baden“ mit rund 80 Teilnehmern auf dem Europaplatz, Verfechter der aktuellen Corona-Auflagen auf dem Schulhof der Carl-Netter-Realschule.

Bei den „Querdenkern“ sprach unter anderem Michael Jost, Facharzt für Anästhesie. Er rief dazu auf, Corona ins Verhältnis zu anderen höchstgefährlichen Infektionen zu setzen, und nannte exemplarisch die ambulant erworbene Pneumonie, Sepsis sowie Krankenhauskeime.

Unter Verweis auf seine Quellen bezifferte er auch die Todesopfer, die diese jeweils forderten: Laut RKI liege beispielsweise die Zahl der in Deutschland durch Krankenhauskeime verursachten Todesfälle bei 10 000 bis 20 000 pro Jahr. Wie auch bei Corona sei dabei schwer zu sagen, „ob die Patienten an oder mit der Infektion sterben“, sagte er mit Blick auf alte der vorerkrankte Menschen.

Auf dem Platz Vilafranca hatten sich derweil rund 30 Teilnehmer eingefunden, die mit ihrer Präsenz, vor allem aber auch über das durchgängige Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes und große Abstände ein deutliches Zeichen setzten. Einige waren mit Bannern erschienen: „Querdenken nein danke“ oder, in Anlehnung an Descartes, „Ich denke, also schütze ich dich“ war darauf etwa zu lesen.

Corona ist da und auch gefährlich.
Melanie Müßig, Mitorganisatorin

Melanie Müßig als Mitorganisatorin stellte zunächst Zahlen in den Raum: 111.984 neue Coronafälle allein in Deutschland in dieser Woche; aktuell rund 1,3 Millionen Covid19-Erkrankte. So etwas, befand die Schülerin, könne man nicht leugnen.

Coronavirus mit Grippe nicht vergleichbar

„Corona ist da und auch gefährlich“, sagte sie unter Beifall. Die Infektion sei mit einer einfachen Grippe nicht vergleichbar, sie fordere durchschnittlich acht Mal so viele Todesopfer. „Statt daheim im Warmen zu liegen, muss ich als Teenager alten Menschen, die Corona leugnen und Verschwörungstheorien verbreiten, erklären, wie man Statistiken liest“, so ihr Kommentar gen Europaplatz.

„Warum versteht ihr nicht, dass euer Verhalten Konsequenzen hat?“ Wenn weiterhin Querdenker Superspreader-Events veranstalteten, werde das die sogenannte Risikogruppe ausbaden müssen, auch ihr Opa und ihre Oma also. Und das, weil jemand zu trotzig oder zu arrogant sei, eine Maske zu tragen. „Ihr sagt immer, dass ihr euch für die Rechte der Menschen einsetzt. Aber was ist mit dem Recht auf Leben und Unversehrtheit?“

Lasst uns lieber zusammen auf Abstand stehen
Theo Kaufmann, Organisations-Team

Den zweiten Wortbeitrag lieferte Theo Kaufmann, ebenfalls vom Orga-Team, der insbesondere die vermeintlichen Parallelen zum Dritten Reich kritisierte, über die Querdenker sich als Opfer der Regierung oder als Widerstandskämpfer inszenierten. Auf ihren Demos seien etwa Aufnäher mit einem gelben Stern und der Aufschrift „ungeimpft“ zu sehen.

Corona stellt Zusammenhalt auf die Probe

„Das ist das Ekligste, was ich je gesehen oder gehört habe.“ Die Bewegung solle sich schämen; so lange sich die Bühler Querdenker nicht von solchen Aussagen und Bildern distanzierten, gelte dieser Aufruf auch für sie. Trieben die Querdenker das Infektionsgeschehen weiter an, „kommen härtere Maßnahmen auf uns alle zu“. Corona stelle den gesellschaftlichen Zusammenhalt auf die Probe, schloss er.

„Lasst uns lieber zusammen auf Abstand stehen als gegeneinander ohne Abstand.“ Über die Reden hinaus protestierten die Anwesenden mit lauter Musik, Trillerpfeifen und Parolen („Eins, zwei, drei, vier, Masken tragen wir“) gegen die Nachbarkundgebung. Bis auf ablehnende Äußerungen und ein kurzes Wortgefecht, als ein Querdenker unter ihnen Flyer zu verteilen versuchte, blieb die Situation zwar „leicht aggressiv“, wie ein Ordnungsbeamter es formulierte, insgesamt aber friedlich.

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