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„Enteköpfer“ fährt seit 50 Jahren nicht mehr

Halsbrecherische Verfolgungsfahrten zum Abschied von der Bimmelbahn in Bühl

Jahrzehntelang waren die Mittelbadische Eisenbahn-Gesellschaft für die Menschen auf dem platten Land das Verkehrsmittel schlechthin. Doch mit der zunehmenden Individual-Motorisierung konnten die kleinen Dieseltriebwagen nicht mehr mithalten. Im September 1970 fuhr zwischen Bühl und Freistett der letzte Personenzug.

Auf schmaler Spur: Am 27. September 1970 fuhr der letzte Personenzug zwischen Bühl und Freistett. Foto: Peter Letule/Sammlung Kohler

Heute würde man von VIP-Service sprechen: Wenn die „Schofers Inge“, die Haushaltsperle der Familie Jäckel in der Karl-von-Beust-Straße in Bühl mit ihrer Arbeit fertig war, fuhr sie mit dem „Enteköpfer“ zurück ins heimatliche Moos. Und weil die Inge den Franz kannte, Triebfahrzeugführer bei der Mittelbadischen Eisenbahn-Gesellschaft (MEG), durfte sie - großzügig gesprochen - am spontanen Bedarfshalt an der Obervogt-Häfelin-Straße einsteigen. Es waren die 1960er-Jahre, immer mehr Menschen leisteten sich zwar ein Auto, aber noch spielte die Bahn die erste Geige.

Wie bei Inge Schofer aus Moos. „Die ist immer mit dem Enteköpfer gefahren“, erinnert sich Lutz Jäckel. Für ihn und seine Geschwister, überhaupt für ganzen Kinder der Reihenhaus-Siedlung („das waren bestimmt um die 20, die Straße war unheimlich belebt“), die in dieser Ecke Bühls wohnten, gehörte die meterspurige Nebenbahn zum Alltag. Die Bimmelbahnromantik ist allerdings längst vorbei, am 27. September 1970 fuhr zwischen Bühl und Freistett der letzte Personenzug. Die MEG, deren Schienennetz zwischen Seelbach (bei Lahr) und Rastatt einst gut 110 Kilometern maß, war zu diesem Zeitpunkt nur noch ein Schatten ihrer selbst.

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