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Ernüchternde Studienergebnisse

Hochwasserschutz in Bühl: Gegen zu viel Wasser müsste sehr viel Geld fließen

Außer Spesen nichts gewesen? Die Hochwasserstudie für den Bereich zwischen Baden-Baden und Bühl errechnet für mögliche Schutzmaßnahmen voraussichtliche Kosten von bis zu fast 13 Millionen Euro. Das ist für Bühl in der aktuellen Situation nicht zu finanzieren. Hilfreich könnte die Studie trotzdem sein.

Kampf gegen das Wasser: Einsatzkräfte der Feuerwehr errichten im Frühjahr 2013 eine Sandsack-Barriere bei Oberbruch. Nach dem Hochwasser wurde eine umfassende Studie auf den Weg gebracht worden, deren Ergebnisse jetzt im Bühler Gemeinderat vorgestellt wurden. Foto: Margull Bernhard

Die Ergebnisse der Hochwasserstudie waren für den Bühler Gemeinderat eine kalte Dusche. Eine Verbesserung der Situation würde teuer, sogar sehr teuer. Eine Förderung vom Land ist nach den Worten von Stefan Krämer vom Büro Zink Ingenieure aus Lauf nicht zu erwarten, weil dafür das Kosten-Nutzen-Verhältnis nicht gut genug sei.

Nach dem Hochwasser von 2013 hatte der Zweckverband Hochwasserschutz Raum Baden-Baden/Bühl ein Hochwasser-Schutzkonzept für den Bereich Bühl, Ottersweier, Rheinmünster, Sinzheim und Baden-Baden in Auftrag gegeben.

Eine umfangreiche Variantenstudie habe Defizite im Gewässersystem der Acher-Rench-Korrektion festgestellt. Das Ziel sei es, die Bebauung vor einem 100-jährlichen Hochwasserereignis zu schützen, die Gewässer für einen 50-jährlichen Hochwasserschutz auszubauen und die Überflutungsflächen zu reduzieren.

Wesentliche Bestandteile des Hochwasserschutzes in der Region sind die Rückhaltebecken Hägenich und Abtsmoor. Bei allen drei Varianten, die Krämer vorstellte, soll der Regelabfluss des Hägenichbeckens von sieben auf zwölf Kubikmeter pro Sekunde erhöht werden.

Allerdings könne das gerade bei einem Hochwasser in den Sommermonaten, wenn die Bäche verkrautet seien, anfangs zu stärkeren Überflutungen führen. Ebenfalls in allen drei Varianten ist im Abtsmoor ein neues Abzweigbauwerk vorgesehen. Dadurch würden die Unterlieger des Rückhaltebeckens entlastet, es gäbe aber größere Überschwemmungsflächen im Bereich Schinlingraben.

Die erste Variante sieht auch einen neuen und deutlich leistungsfähigeren Düker an der „Kreuzung“ Sulzbach/Sandbachflutkanal vor, der laut Krämer 15 Kubikmeter pro Sekunde bewältigt. 2,8 Millionen Euro müssten für Variante 1 aufgebracht werden.

Die zweite Variante käme auf 12,7 Millionen Euro. Dafür gäbe es über eine Länge von 4,5 Kilometern einen umfangreichen Ausbau des Sulzbachs. Er würde leistungsfähiger und der Wasserspiel um 20 Zentimeter sinken.

Der Sulzbach flösse komplett in das Rückhaltebecken Abtsmoor, um dessen Reserven zu nutzen. Dafür müsste die Steuerung des Beckens verbessert werden. Auch die dritte Variante verfolgt das Ziel, das Volumen im Abtsmoor besser auszunutzen. Die Kosten lägen hier bei 3,9 Millionen Euro. Allerdings sind bei diesen laut Krämer grob geschätzten Kosten keine Mittel für den Objektschutz einberechnet.

Es ist kein ausreichendes Nutzen-Kosten-Verhältnis zu erwarten.
Stefan Krämer, Ingenieur

„Es ist kein ausreichendes Nutzen-Kosten-Verhältnis und damit keine Förderung zu erwarten“, sagte Krämer. Variante 2 scheide wegen der Kosten aus, und auch die beiden anderen Varianten seien nur bedingt empfehlenswert, da die Kosten hoch und im Bereich der bebauten Flächen Objektschutz nötig würde.

Als sinnvoll erachtete Krämer es, den Betrieb des Hägenichbeckens zu optimieren, den Verbundbetrieb Hägenich/Abtsmoor zu verbessern und die Gewässer regelmäßig zu pflegen. Sinnvoll sei es auch, die Ortsentwässerungssysteme in Balzhofen, Oberbruch, Vimbuch und Leiberstung in den Blick zu nehmen.

Wenn zu einem Hochwasser noch Starkregen und damit ein Abfluss aus der Ortsentwässerung komme, werde es durch den Kanal-Rückstau auch innerorts Überflutungen geben: „Das war aber nicht das Thema dieser Untersuchung.“

Im Gemeinderat herrschte Einigkeit, dass angesichts der hohen Kosten und ausbleibender Fördermittel nicht viel möglich sei. „Das ist unbefriedigend“, konstatierte Walter Seifermann (GAL).

Die finanziellen Möglichkeiten seien angesichts der Haushaltslage begrenzt, pflichtete Lutz Jäckel (FDP) bei, und von den südlich des Hägenichs gelegenen Kommunen sei keine Hilfe zu erwarten. Karl Ehinger (FW) blickte auf einige neuralgische Punkte am Sulzbach, bei denen sich die Frage stelle, wie sich ein höherer Regelabfluss auswirken würde.

Eine Erweiterung des Rückhaltebeckens Hägenich, nach der Johannes Moosheimer (FW) fragte, würde teuer und brächte viele Konflikte, sagte Krämer, beispielsweise wirtschaftlicher und naturschutzfachlicher Art. Auf die Frage von Georg Feuerer (CDU), ob einzelne Maßnahmen aus den Varianten herausgenommen und umgesetzt werden könnten, sagte Krämer: „Das ist möglich und sinnvoll.“

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