Skip to main content

290 Unterschriften

Bürger stellen sich wegen Schwarzwildgatter gegen die Jägerschaft

Der Landesjagdverband will bei Muckenschopf gern ein Schwarzwildgatter bauen. Doch die Bürger sind dagegen. 290 Unterschriften haben die Gegner bereits gesammelt und täglich wächst der Widerstand.

Pläne geschmiedet: Ortsvorsteher Jürgen Otteni mit den Ortschaftsräten, Nabu-Vertreter Herbert Schön (rechts), seinem Scherzheimer Amtskollegen Rainer Schieler-Stenftenagel (links) und dem Gamshurster Delegierten Klaus Walter (Zweiter von links). Foto: Jörg Seiler

Die geplante Trasse für den TGV mitten durch ihre malerische Heimat haben sie vor 30 Jahren erfolgreich verhindert. Nun formiert sich im Hanauerland erneut der Widerstand. Das vom Landesjagdverband geplante Schwarzwildgatter im Striehtwald hat zwar nicht dieselbe Dimension wie die Schnellbahngleise, doch als störend empfinden sie die Bürger in Muckenschopf und auch im benachbarten Acherner Stadtteil Gamshurst allemal.

Und so war die Botschaft der abendlichen Zusammenkunft im Schatten des Muckenschopfer Rathauses klar: Die Jäger sollen ihr Trainingsgelände für ihre Hunde woanders bauen. Bislang knapp 300 Bürger dokumentierten ihre Ablehnung bei einer Unterschriftensammlung, so Ortsvorsteher Jürgen Otteni, gut 230 Muckenschopfer und dazu noch 60 Gamshurster.

Bürger runzeln über Vorgehen des Landesjagdverbands die Stirn

Die Argumente der Gegner fasste Otteni zusammen, nachdem er kurz die Chronologie der Ereignisse Revue passieren ließ: Massive Eingriffe in eine intakte, ökologisch wertvolle Waldlandschaft, Fahrzeugverkehr und Besucherdruck in einem Naherholungsgebiet und vor allem auch Stirnerunzeln über das Verhalten des Landesjagdverbands bei der Standortfrage. Angeblich habe es anfänglich keine Alternative zum Gelände am Eichenkönig gegeben, nun hätte die Jägerschaft ein Areal in rund einem Kilometer Entfernung ins Auge gefasst.

Und eine zentrale Frage stellte Otteni an diesem Sommerabend vor idyllischer Dorfkulisse auch: Die Fachzeitschrift „Jagd in Baden-Württemberg“ stelle einen Standort in der Nähe des württembergschen Laupheim vor, dort stehen Jägervereinigung ebenso wie Behörden und Kommune hinter dem Projekt.

Herbert Schön als Vorsitzender der Nabu-Gruppe Lichtenau/Rheinmünster befürchtete angesichts der „geheimnisvollen Vorgehensweise“ des Landesjagdverbands, dass hier ein umstrittenes Vorhaben durch die Hintertür kommen soll. Zwar sei die Landes-Jägerschaft mit allen anerkannten Naturschutzverbänden unter dem Dach des baden-württembergischen Landes-Naturschutzverbands vereinigt, aber es stehe zu befürchten, dass just die Naturschützer in diesem Bauverfahren außen vor bleiben sollen.

Striethwald ist Heimat geschützter Tierarten

Schön forderte ein „sauberes und vertieftes Gutachten mit aktuellen Daten durch seriöse Fachleute.“ Das würde den Beweis liefern, dass der noch intakte Striethwald Heimat für viele streng geschützte Tierarten wie Wildkatze, Haselmaus, Gelbbauchunke oder Springfrosch sei.

Der Ausbildungsbetrieb und der damit verbundene Fahrzeugverkehr würde die Wildkatze vertreiben, der Bau des Zauns sei mit der Fällung von Bäumen und Sträuchern verbunden. Schön kündigte für September eine Exkursion des Nabu zum Plangebiet an, die aber nach derzeitigen Corona-Auflagen auf 20 Teilnehmer begrenzt werden müsse.

Einige offene Fragen

Ortschaftsrätin Renate Schwarz stellte die Frage, ob sich der Ausbildungsbetrieb wirklich nur auf drei bis vier Tage in der Woche beschränke. Das bestätigte Scherzheims Ortsvorsteher Rainer Schieler-Stenftennagel. Klaus Walter als Delegierter der Gamshurster Gegner allerdings gab zu Bedenken: „Was verspricht man vorab und was macht man?“

Es könnten durchaus mehr Autos am Tag werden, die – so ergänzte Renate Schwarz – natürlich auch andere Wege als den vorgegeben nehmen könnten. Und vor diesem Hintergrund befürchtet man im Dorf mehr Fahrzeugverkehr – zusätzlich zu den ganzen Lastwagen.

Fest steht: Die Muckenschopfer und Gamshurster werden weiter protestieren. Unterschriftenlisten werden demnächst in den Rathäusern in Muckenschopf und Scherzheim ausliegen. „Vielleicht wird es den Jägern dann bald zu ungemütlich“, hieß es am Ende des Abends. Die hiesigen Waidmänner, so Schieler-Stenftennagel, jedenfalls seien nicht alle für das Schwarzwildgatter, auch aus ökologischen Gründen.

Gemeinderat Lichtenau gegen Projekt

Eine Unterstützung ist den Gegnern bereits jetzt gewiss: Der Lichtenauer Gemeinderat hatte sich mit dem Thema bereits beschäftigt und einstimmig gegen das Schwarzwildgatter im Striethwald ausgesprochen.

nach oben Zurück zum Seitenanfang