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In Bühl gibt es Streit um bis zu 80 Meter hohe Strommasten

Weitenungs Ortsvorsteher Daniel Fritz: „Wir werden die Stromleitung in Dorfnähe nicht akzeptieren“

Seit fünf Jahren wehren sich die Menschen im Bühler Stadtteil Weitenung gegen den Neubau einer riesigen Stromleitung mit bis zu 80 Meter hohen Masten in unmittelbarer Dorfnähe. Ortsvorsteher Daniel Fritz (CDU) weiß eine Alternative.

Bedrohlich: Die Stromleitungen führen unmittelbar am Bühler Stadtteil Weitenung vorbei. Die neuen Masten sollen noch deutlich höher werden. Foto: Bernhard Margull

Die beiden Stromleitungen, die direkt am Bühler Stadtteil Weitenung vorbeiführen, sollen erneuert werden. Transnet Baden-Württemberg plant den Neubau mit deutlich höheren Masten in unmittelbarer Dorfnähe. Das lehnen die Weitenunger, allen voran eine Bürgerinitiative, ab. Sie fordert eine Bündelung mit der Rheintalautobahn. Unser Redaktionsmitglied Ulrich Coenen sprach mit Ortsvorsteher Daniel Fritz (CDU) über das umstrittene Projekt, das seit fünf Jahren für Diskussionen sorgt.

Daniel Fritz ist Ortsvorsteher in Weitenung. Foto: Ulrich Coenen

Wie ist der Stand der Dinge?
Daniel Fritz

Die Planfeststellung wurde von Transnet BW beantragt. Die Frist für Einsprüche von Bürgern und Behörden endete Ende September. Ortschaftsrat und Gemeinderat haben sich einstimmig gegen die Planung von Transnet BW ausgesprochen und für die Trasse entlang der Rheintalautobahn ausgesprochen. Jetzt warten wir auf den Erörterungstermin. Eine Entscheidung erwarten wir frühestens Mitte 2021.

Wieso sind die neuen Strommasten für Weitenung bedrohlicher als der Bestand?
Fritz

Die jetzigen Masten sind bis zu 45 Meter hoch. Die neuen können bis zu 80 Meter erreichen. Es gibt neue technische Entwicklungen, um die Gittermasten schlanker und weniger mächtig zu gestalten. Details kennen wir nicht. In jedem Fall gibt es deutliche Pfeiler in der Landschaft. Die Idee der Bürgerinitiative, Vollwandmasten, die wesentlich schlanker sind, zu verbauen, wurde von Transnet leider nie ernsthaft in Erwägung gezogen.

Wieso beharrt Transnet auf einer Trassenführung in Dorfnähe?
Fritz

Die betroffenen Grundstücke dort befinden sich im Besitz der Stadt. Transnet scheut sich, mit verschiedenen Eigentümern zu verhandeln. Es ist natürlich nicht Aufgabe der Ortschaft, Kaufverhandlungen für Transnet zu führen. Das Unternehmen hätte längst Kontakt mit den Eigentümern aufnehmen können. Aber Transnet war von Anfang an nicht bereit, auf diese Variante einzugehen.

Lässt sich die von Ihnen gewünschte Stromleitung entlang der Rheintalautobahn überhaupt bauen?
Fritz

Transnet hat nach einem Termin mit Vertretern des Regierungspräsidiums, der Bürgerinitiative und mir die technische Machbarkeit der Variante entlang der Autobahn geprüft. Diese Trasse wurde ins Scoping-Verfahren aufgenommen, gerade im Hinblick auf die Umweltverträglichkeit. Im Planfeststellungsverfahren wurde für uns dann allerdings wenig überraschend immer wieder mit denselben Argumenten die Trasse in Dorfnähe präsentiert.

Wieso kommt das Unternehmen Ihnen nicht entgegen?
Fritz

Als Argument nennt Transnet immer wieder das Gebot, die kostengünstigste Leitung zu realisieren. Man sei den Kunden gegenüber verpflichtet. Weil die Trasse in Dorfnähe außerdem alle gesetzlichen Grenzwerte einhält, ist das für das Unternehmen der bequemere Weg. Für uns ist das nicht akzeptabel.

Gibt es Kontakt zu den Managern von Transnet Baden-Württemberg und wie begegnen die Ihnen?
Fritz

Seit einem Jahr nicht mehr. Es gab bei Transnet mehrere personelle Wechsel. Einer der Manager ist inzwischen Bürgermeister einer Gemeinde in Württemberg. Eventuell sieht der die Sache jetzt anders. Es gab aber niemals eine Kompromissbereitschaft bei Transnet. Für uns gab es irgendwann keinen weiteren Grund, den Kontakt zu suchen.

Was halten Sie vom Engagement der Bürgerinitiative?
Fritz

Die hat sehr gute Arbeit geleistet und ist ausgesprochen professionell vorgegangen. Die Bürgerinitiative hat die Variante entlang der Autobahn mit Hilfe eines Ingenieurbüros vermessen. Dafür wurde Geld investiert, ebenso wie in eine juristische Beratung. Damit hat die Bürgerinitiative der Ortschaft und der Stadt eine tolle Arbeitsgrundlage geboten. Wir haben von Anfang an gut zusammengearbeitet und uns ausgetauscht. Das war vorbildlich und sehr sachlich.

In sozialen Netzwerken im Internet wurden die Weitenunger kritisiert, weil sie angeblich glauben, der Strom komme aus der Steckdose.
Fritz

Jedem ist bewusst, dass die Energiewende nur gelingen kann, wenn die Transportwege von Norden nach Süden gesichert sind. Im Norden Deutschlands wird der regenerative Strom hauptsächlich erzeugt. Aber die Bedürfnisse der Menschen, die von den neuen riesigen Strommasten betroffen sind, müssen ebenso berücksichtigt werden. Nicht mehr und nicht weniger fordern die Bürgerinitiative und die Kommune. Wir sind für den Neubau der Stromtrasse, aber mit einem erträglichen Abstand zu Wohnbebauung. Es gab in Weitenung niemals die Bestrebungen, die Stromleitung komplett zu verhindern. Insofern kann ich die Kommentare auf Facebook nicht verstehen.

Sind die Forderungen der Weitenunger überzogen oder zu teuer?
Fritz

Auf keinen Fall! Im Gegensatz zu Bayern, wo Bürgerinitiativen, Kommunen und das Land sogar die wesentlich teurere Erdverkabelung verlangen und teilweise durchgesetzt haben, fordern Ortschaftsrat und Bürgerinitiative in Weitenung lediglich die Verlegung der Trasse im Sinne des gesetzlich verankerten Bündelungsgebots an die Rheintalautobahn. Das wird kaum Mehrkosten verursachen und ist eventuell sogar kostenneutral. Alles andere als die Zustimmung zu dieser Variante wäre eine riesige Enttäuschung. Wir würden das nicht akzeptieren.

Wird es wirklich nicht teurer?
Fritz

Wir gehen davon aus, dass die Trasse entlang der Autobahn trotz der etwas längeren Strecke mit derselben Anzahl an Masten auskommt wie die Variante in Dorfnähe. Weil für die Autobahn-Variante vermutlich spezielle Winkelmasten notwendig sind, könnte es etwas teurer werden.

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