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Mehrfamilienhaus geplant

Autohaus in Gaggenau befürchtet noch mehr Stress mit Nachbarn

Konflikte mit Nachbarn im Gefolge des unvermeidlichen Lärms, der durch den Werkstattbetrieb und Anlieferverkehr entstehe, gibt es bereits jetzt, sagt der Seniorchef des Autohauses Stefan. Die würden aber noch deutlich zunehmen, wenn in seiner unmittelbaren Nachbarschaft das geplante Mehrfamilienhaus sei.

Unmittelbar hinter dem Zaun ist ein Mehrfamilienhaus mit elf Wohnungen geplant. Philipp Göller (Bild) und sein Vater Gerhard Stefan vom Autohaus Stefan befürchten eine Zunahme der Nachbarschaftskonflikte. Foto: Dorscheid

„Noch mehr Streitigkeiten werden unabdingbar sein.“ Das sagt Gerhard Stefan (69), Seniorchef des Autohauses Stefan in der Luisenstraße 4 in Gaggenau, im BNN-Gespräch. So hat er es auch in seiner Stellungnahme gegenüber der Stadtverwaltung im Zuge der Nachbaranhörung im Baugenehmigungsverfahrens formuliert. Seinen Betrieb gibt es dort schon seit 1976, er genießt Bestandsschutz.

Konflikte mit Nachbarn im Gefolge des unvermeidlichen Lärms, der durch den Werkstattbetrieb und Anlieferverkehr entstehe, gebe es bereits jetzt, sagt Stefan. Die würden aber noch deutlich zunehmen, wenn in seiner unmittelbaren Nachbarschaft das von der Firma Konzok geplante Mehrfamilienhaus mit elf Wohnungen bezugsfertig sei.

Betriebsablauf in Gefahr

„Die Terrassen und Balkone sind auf unserer Seite vorgesehen. Das wird neuen Streit geben. Wir kriegen immer mehr Druck“, sagt Stefan, der bereits Gespräche mit Oberbürgermeister Christof Florus und Bürgermeister Michael Pfeiffer geführt hat; jetzt will er auch die Gemeinderatsfraktionen von Gaggenau und die Handwerkskammer einschalten. Neue Streitereien „schränken unseren Betriebsablauf sehr stark ein und die volle Nutzung unseres Betriebs ist nicht mehr möglich“, heißt es in der schriftlichen Stellungnahme weiter.

Elf-Familienhaus in Gaggenau

Die aktuelle Planung hat als rechtliche Grundlage den Bebauungsplan „Quartier westlich des Stadtparks“, aufgestellt im Dezember 2018. Auslöser war der Wegzug der Firma Holz- und Rollladenbau Hurrle, die wie berichtet im Ottenauer Pionierweg einen Neubau auf einer größeren Fläche errichtet hat. Somit steht das bisherige Hurrle-Gelände in der Viktoriastraße, das nur durch einen Zaun vom Autohaus getrennt ist, für eine Nachnutzung zur Verfügung: Diese soll nach übereinstimmender Meinung von Gemeinderat und Verwaltung in der Nachverdichtung bestehen, sprich die innenstadtnahe Lage biete sich für eine Wohnnutzung an. Neben dem Elf-Familien-Haus sind zudem zwei Reihenhäuser vorgesehen.

Die bestehende Werkstatt genießt einen Bestandsschutz.

Einen sich zuspitzenden Konflikt zwischen Wohnen und Gewerbe durch das neue Mehrfamilienhaus sieht man in der Stadtverwaltung nicht. Gegebenenfalls müssten in dem Neubau aber Lärmschutzmaßnahmen getroffen werden, heißt es auf BNN-Nachfrage. Die Stadtverwaltung nennt als Voraussetzung für das Mehrfamilienhaus, „dass der Nachweis erfolgt, dass die geplante Wohnbebauung neben dem bestehenden Gewerbe verträglich ist. Dazu wurde vom Antragsteller eine schalltechnische Untersuchung beauftragt. Innerhalb dieser werden die Lärmwerte ermittelt und gegebenenfalls Maßnahmen empfohlen, welche dazu beitragen, dass sich Wohnen und Gewerbe nebeneinander vertragen. Die bestehende Werkstatt genießt einen Bestandsschutz, während die Wohnbebauung an die Gewerbenutzung heranrückt und daher sicherstellen muss, dass beide Nutzungen nebeneinander möglich sind.“

Wegzug erst mittelfristig denkbar

Gerhard Stefan begann 1976 in der Luisenstraße mit der Anmietung einer kleinen Halle, die er als Werkstatt zur Reparatur von Gebrauchtfahrzeugen nutzte. 1980 kaufte er die Halle, im Gefolge wurden die Werkstatt erneuert und eine Wohnung draufgesetzt, 1988 folgte ein großer Ausstellungsraum. Seit 2017 leitet Sohn Philipp Göller (23) den Betrieb: Dabei handelt es sich um eine freie Porsche-Werkstatt, einen Fahrzeugveredler und Händler exklusiver Fahrzeuge. Einen Wegzug schließen Vater und Sohn zwar nicht grundsätzlich aus; er sei nach wirtschaftlicher Abwägung aber erst mittelfristig denkbar.

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