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Anwohner ärgern sich

Saumäßiger Ärger in Gernsbach: Die Wildschweine werden immer frecher

Umgepflügte Gärten, zerstörte Pflanzen: Die Wildschweine in Gernsbach werden immer frecher - das beobachtet Revierförster Thomas Schlaich. Für das Verhalten der Wildtiere sieht er mehrere Gründe.

So lange der Wildschwein-Nachwuchs noch jung ist, sind die Frischlinge ganz niedlich. Wenn sie zu großen Schweinen herangewachsen sind, werden sie oft zu einer echten Plage. Foto: Gregor Fischer / dpa

Der Gernsbacher Revierförster Thomas Schlaich beobachtet schon seit ein paar Jahren das Verhalten des Schwarzwilds. In Lautenbach zeugen umgepflügte Wiesen im Dorf oder entlang der Lautenbacher Straße bis nach Scheuern von den Umtrieben des Borstenviehs, das hier tiefgründig das Unterste nach oben gekehrt hat. „Dies liegt zu einem an den milden Wintern“, erklärt der Revierförster, „denn solange der Boden nicht gefroren ist, fällt es dem anpassungsfähigen Allesfresser leicht, mit dem Rüssel den Boden aufzulockern, auf der Suche nach der tierischen Eiweißration in Form von Engerlingen oder Larven im Erdreich“.

Die verbesserte Nahrungslage und die wärmeren Temperaturen haben zudem den Effekt, dass immer weniger Tiere verhungern oder erfrieren und sich dadurch die Rotten vergrößern.

Ein Lied von den unliebsamen Besuchern in ihrem Garten kann die Familie Herrmann singen. Den Garten des malerisch am Gernsbacher Hardtberg gelegenen Hauses haben die Tiere in einen Rübenacker verwandelt, von der angelegten Rasenfläche ist nichts mehr übrig geblieben. Insbesondere die 94-jährige Oma leidet unter den Spuren der Zerstörung im Ziergarten.

Um der Plage Herr zu werden, hat die Familie schon einiges unternommen. Auf Anraten des Jagdpächters haben sie es mit einem Vergrämungsmittel probiert, der unangenehme Geruch des eingebrachten Streus sollte die Schwarzkittel von ihren Aktivitäten abhalten. Gebracht hat das allerdings: „Nix“.

Schon mehrfach hat der Jagdpächter das Grundstück wieder eingeebnet, doch allzu lange konnte sich die Familie danach nie freuen. Tatsächlich funktioniert hat der Tipp, den Rasen solange nicht zu mähen , bis sich einen dichte hohe Wiese bildet, denn die Tiere mögen kein hohes Gras. Doch kaum wurde ein Teilbereich gemäht, gab es wieder „Sauerei“. Tief nachts hörten sie die laut grunzenden Tiere vorm Schlafzimmerfenster in Aktion. Im Sommer zieht schon mal eine Rotte mit ihren Frischlingen am Haus vorbei.

Bejagt werden dürfen die Tiere in Wohngebieten nicht, betont der Revierförster ausdrücklich. Die Installation eines Elektro- oder Wildtierzaunes lasse die Topografie des Gebietes nahe am Waldrand nicht zu. Inzwischen sind die Herrmanns ziemlich ratlos, was die schlauen Tiere von weiteren Hausbesuchen abhalten könnte. Zur Freude der Familie gibt es aber ab und an auch Wildtierbesuch mit weniger zerstörerischer Absicht - scheue Rehe, die vorsichtig zwischen den Büschen hervorlugen.

Ähnlich ergeht es Familie Kimpel auf ihrem Grundstück genau gegenüber den Herrmanns, das nur durch den Lautenbach getrennt ist. Ein rot-weißes Absperrband umzäunt derzeit provisorisch das Gelände. Das Flattergeräusch im Wind soll die Wildschweine von ihren regelmäßigen Besuchen abhalten. Als nächste Stufe sei die Aufstellung eines Elektrozaunes geplant. Und wenn das nicht helfe, gibt es noch die Möglichkeit zur Installation eines speziellen tiefgehenden Wildtierzaunes, für den mit Kosten von 800 Euro zu rechnen sei.

Lebte die Familie Jahrzehnte unbehelligt von den Waldbewohnern, so könne ein Wildtierunfall vor vier Jahren der Auslöser für die regelmäßig veranstaltete „Sauerei“ im Hausgarten sein, mutmaßt Cornelia Kimpel. Mit ihrem Smart verletzte sie eine Wildsau, die ihr vors Auto sprang. Noch in derselben Nacht suchte eine Wildschweinerotte ihren Garten auf. „Vielleicht haben sie das Blut am Auto gerochen und sind der Spur gefolgt, mutmaßt Kimpel rückblickend.

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