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"Worst Case" befürchtet

Coronavirus könnte Ortenau Klinikum bis Ostern an seine Grenzen bringen

Vor gewaltigen Herausforderungen sieht sich das Ortenau Klinikum durch das Coronavirus. Auch der größte kommunale Krankenhausträger im Land muss fürchten, sehr bald an seine Grenzen zu kommen. Eines von mehreren Problemen: Der Personalmangel.

Massive Herausforderungen: Das Coronavirus könnte das Klinikum schnell an seine Grenzen bringen Foto: slr

Das Ortenau Klinikum bereitet sich auf eine dramatische Entwicklung der Corona-Fälle im Kreis vor. Bereits an Ostern könnten die Kapazitäten der acht Häuser erschöpft sein, wenn sich der Erreger weiter ungebremst ausbreitet. Dies sagte Klinik-Geschäftsführer Christian Keller am Montag in einem Pressegespräch.

Das Ortenau Klinikum verfüge derzeit über etwa 80 Intensivbetten, mehr als 100 Beatmungsstationen könnte zusätzlich geschaffen werden – in ehemaligen Notaufnahmen, Aufwachräumen im Umfeld der OP-Bereiche und an anderen Stellen mit einer ausreichenden Infrastruktur.

Doch dies alles wird nicht reichen, wenn die Menschen sich nicht an die Appelle halten, soziale Kontakte aufs Nötigste zu beschränken. Dies führe zum schlimmsten anzunehmenden Fall, zum „Worst Case“, der bereits an Ostern eintreten könnte, so Keller im Blick auf die Entwicklung in Italien.

Die Mitarbeiter sollen durchschnaufen.
Christian Keller, Geschäftsführer Klinikum

Engpässe erwartet die Klinikleitung vor allem beim Personal – aus diesem Grund habe man auch alle planbaren Operationen abgesagt. „Die Mitarbeiter sollen jetzt einmal durchschnaufen“, so Keller. Danach beginnen deren Schulung für den Umgang mit schwerstkranken Corona-Patienten.

Fallzahlen steigen rasant

Die Zahl der Corona-Fälle steigt auch im Ortenaukreis jetzt schnell an, über das Wochenende haben sie sich fast verdoppelt – von 25 auf 43. Mehr noch: Das Gesundheitsamt kann nicht mehr in allen Fällen ermitteln, wo und wie die Menschen sich angesteckt haben, teilte das Landratsamt am Nachmittag mit. Damit ist eine Eindämmung des Erregers kaum mehr möglich.

Nur ein Eingang offen

Das Ortenau Klinikum hat wie berichtet alle Häuser abgeriegelt, Besuche sind nur noch unter ganz bestimmten Umständen möglich – für Sterbende zum Beispiel durch engste Angehörige oder auch für jeweils einen Elternteil, wenn das Kind im Krankenhaus liegt. Ansonsten sind die Eingänge dicht, Zutritt ist jeweils nur noch über eine einzige, überwachte, Tür möglich.

„Es wird wohl das letzte Mal für geraume Zeit sein, dass wir uns hier treffen“, begrüßte Christian Keller am Montag die Medienvertreter, die das Krankenhaus über einen Hintereingang betreten mussten. Künftig werde man sich wohl nur noch telefonisch austauschen können.

Nach sieben Tagen am Scheideweg

Das Klinikum, so das Signal, nimmt die Bedrohung durch das Virus sehr ernst. Sechs der bislang registrierten 43 Patienten im Kreis sind so schwer erkrankt, dass sie in der Isolierstation aufgenommen werden mussten. Noch kein einziger ist genesen. Rund sechs bis sieben Tage, so der Medizinische Direktor Peter Kraemer, verlaufe die Krankheit sehr unbestimmt, mit oftmals unklaren Symptomen: „Dann geraten die Patienten an einen Scheideweg“.

Düstere Prognosen: Dezernent Reinhard Kirr, Klinik-Geschäftsführer Christian Keller und der Medizinische Direktor Peter Kraemer beim Pressegespräch. Foto: Löhnig

Einigen gehe es wieder besser, ein gewisser Teil „rauscht in ein Lungenversagen“, so Kraemer, und dies sei wörtlich zu nehmen, es gehe sehr schnell. Auf diese Patienten stellt sich das Klinikum mit seinen Beatmungsplätzen ein.

Kapazitäten bald erschöpft

Kraemer ist besorgt: Wenn die Zahlen so weiter ansteigen, dann „wäre schnell der Punkt erreicht, an dem die Kapazitäten der Häuser es nicht mehr schaffen". Was danach geschieht, das ließen die Vertreter des Kreises noch offen: „Es gibt“, so der für den Katastrophenschutz beim Kreis zuständige Dezernent Reinhard Kirr, „Strukturen, die im Bevölkerungsschutz verankert sind“. Dass man dann Lazarette in Turnhallen eröffnen müsse, verneinte Kirr.

Keine Verhältnisse wie in Italien

„Jeder weiß was kommt und jeder bereitet sich so gut es geht vor“, sagt Keller, der darauf verweist, dass das Ortenau Klinikum eines der größten kommunalen Häuser in Deutschland sei: „Wir sind gut aufgestellt“, die Zusammenarbeit der Mitarbeiter über Abteilungen und Häuser hinweg klappe hervorragend, „wir wollen keine Verhältnisse wie in Italien haben“.

Personalmangel als Problem

Eine wichtige Sorge gelte der Personalgewinnung, der Kreis spreche jetzt auch ehemalige Mitarbeiter an. Außerdem weiß man sich selbst zu helfen: Das Klinikum stellt selbst Desinfektionsmittel her. Mehr noch: Im Rahmen der Beschäftigungstherapie werden im Pflege- und Betreuungsheim Mund- und Nasenschutz gefertigt um die Lager aufzufüllen. „Das Gute ist, wir können uns vorbereiten“, so Keller. Jeder einzelne Tag helfe zur Zeit „dass so etwas wie in Italien hier nicht passiert“.

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