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Zeit bis 2050

Klimaneutrale Wärmewende wird für Achern zur Herausforderung

Nach der Energiewende und der Verkehrswende zeichnet sich nun die Wärmewende ab: Städte wie Achern müssen ihre Gebäude spätestens 2050 klimaneutral mit Wärme versorgen. Die ersten Weichen müssen bereits heute gestellt werden.

Ende in Sicht: Noch darf er rauchen, der Kamin an Hornisgruindehalle und Gymnasium in Achern. Bis 2050 müssen allerdings alle städtischen Gebäude klimaneutral beheizt werden. Foto: Michael Moos

Der Klimaschutz erfordert große Anstrengungen von den Kommunen: Sie müssen ihre Gebäude bis spätestens 2050 klimaneutral mit Wärme versorgen. Hintergrund ist das erst im vergangenen Jahr aktualisierte Klimaschutzgesetz des Landes Baden-Württemberg.

In Achern hat jetzt der Bau- und Umweltausschuss erste Weichen für die Wärmewende gestellt. Die Planungen werden eine zentrale Aufgabe für den künftigen Klimaschutzbeauftragten sein, der nach den Worten von Oberbürgermeister Klaus Muttach (CDU) voraussichtlich am 1. Juli seine Arbeit im Rathaus aufnehmen wird.

Es geht um die Vorbildfunktion der Kommunen für die Bürger: Als eine der rund 100 größten Städten im Land ist die Stadt Achern gesetzlich verpflichtet, eine Wärmeplanung für ihr gesamtes Gemeindegebiet aufstellen.

Bis zum 31. Dezember 2023 muss sie ihren Wärmeplan beim Regierungspräsidium in Freiburg einreichen. Dabei arbeitet sie mit der Abteilung „Integrierte Infrastrukturplanung“ der bnNetze zusammen, eine Tochtergesellschaft der badenova. Die Kosten für den Aufbau und die Einführung der kommunalen Wärmeplanung übernimmt das Land. Für die Erarbeitung einer Strategie gibt es in den Jahren 2020 bis 2023 jährlich rund 16.000 Euro, danach bis 2030 eine Zuwendung von rund 4.500 Euro.

Die anstehenden Aufgaben klingen zunächst etwas „theoretisch“: In einem ersten Schritt geht es um eine Bestandsaufnahme, so Nina Weiß, Projektleiterin für Integrierte Infrastrukturplanung bei der bnNetze. Sie will bereits im Herbst 2021 mit ersten Ergebnissen aufwarten. Zunächst werde der Energieverbrauch der städtischen Liegenschaften erfasst, in einem zweiten Schritt werden die gewonnenen und aktualisierten Daten zu einem „digitalen Zwilling“ der Stadt Achern gebündelt.

Zwei weitere „Arbeitspakete“ sehen eine Potenzialanalyse und die Berechnung von Klimaschutzszenarien bis 2030 und 2050 vor. „Die Entwicklung der Wärmewendestrategie für Achern soll bis im Frühjahr 2022 abgeschlossen sein“, so Nina Weiß.

„Jetzt kommt der Klimaschutz endlich vom theoretischen zum konkreten“, freute sich Cornelia Hummel von der Grünen-Fraktion im Gemeinderat. Ihre Frage nach dem zusätzlichen Personalbedarf beantwortete Bürgermeister Dietmar Stiefel mit einem Hinweis auf den Klimamanager, der voraussichtlich am 1. Juli seinen Dienst in Achern aufnehmen werde.

Es werde jedoch weiteres Personal, beispielsweise für die Beratung der Bürger, benötigt. Oberbürgermeister Klaus Muttach machte in diesem Zusammenhang deutlich, dass die Stadtverwaltung angesichts zahlreicher Aufgaben gegenwärtig an den Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit angelangt sei: „Zusätzliche Aufgaben können wir nicht mehr annehmen.“ Muttach schloss nicht aus, dass bereits angelaufene Projekte „abgebrochen“ werden könnten.

Muttach bezog sich dabei nicht zuletzt auf einen Vorstoß der Freien Wähler, die mit Blick auf die nachhaltige Entwicklung der Stadt Achern den Aufbau eines Qualitätsmanagementsystems gefordert haben: Um weitere Potenziale des Klimaschutzes identifizieren und nutzen zu können, müssten die Energie- und Klimaschutzaktivitäten „erfasst, bewertet, geplant, gesteuert und regelmäßig überprüft werden“, so Stadtrat Gebhard Glaser.

Für die Freien Wähler stellte er den Antrag, am Programm „European Energy Award“ (eea) teilzunehmen. Laut Glaser nutzen bereits mehr als 140 Kommunen im Land dieses „Klimaschutzwerkzeug“, darunter auch Karlsruhe, Kehl, Lahr und der Ortenaukreis. Die Landesregierung unterstütze die eea-Beteiligung mit einem Zuschuss von 10.000 Euro.

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