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Fastnacht ist nicht abgesagt

Narren in der Ortenau verzichten auf Umzüge und Sitzungen - wollen aber trotzdem Fastnacht feiern

Fastnacht trotz Corona? Die Präsidenten und Zunftmeister der Fastnachtsvereine in der nördlichen Ortenau sind sich einig. Große Umzüge sollen nicht stattfinden. Doch gänzlich will man nicht auf Jahrhunderte alte Traditionen verzichten.

Die Fastnacht wird nicht abgesagt, aber Narretei auf Abstand ist kaum möglich - hier beim Umzug in Achern 2018. Foto: Roland Spether

Von Roland Spether

Die Fastnacht wird nicht abgesagt, auf gar keinen Fall. Die Präsidenten und Zunftmeister der traditionsreichen Vereine Narrhalla Achern, Narrenzunft 1811 Kappelrodeck, Ottenhöfener Knörpeli und Narrenzunft „Germania“ Sasbachwalden sind sich völlig einig.

Die Fastnacht sei wie Ostern, Weihnachten und Geburtstag. Diese Feste könne man auch nicht absagen. Die närrischen Trägerverbände im Land sagten teils pauschal die Fastnacht ab, bei anderen waren es nur die Umzüge und die Saalfastnacht, und wieder andere warten noch ab, bis die neue Corona-Verordnung des Landes Baden-Württemberg am 30. November in Kraft tritt.

Im Bezug auf Zahlen und Auflagen herrscht Unsicherheit bei Verantwortlichen

Deshalb herrscht auch bei den hiesigen Verantwortlichen eine große Ungewissheit, was an neuen Auflagen kommen könnte. Die Zünfte und Vereine würden gerne das Kulturgut Fastnacht pflegen, aber die Übernahme der Verantwortung für die Einhaltung der „AHA-Regeln“ Abstand, Hygiene, Alltagsmaske sitzt allen im närrischen Häs. Doch sang und klanglos wollen die Narren die Segel vor Corona nicht streichen.

„Der Närrische Abend in der Illenau, die Kinderfastnacht und der Umzug finden nicht statt“, so Präsident Ralph Kiefer von der Narrhalla 1873. Doch sicher sei, dass die Kampagne 2021 nicht abgesagt werde. Die Narrhalla plane im kleinen Kreis, den Narrenbaum aufzustellen und das Rathaus zu stürmen.

Aktivitäten auf Abstand könnte es auch am „Schmutzigen Donnerstag“ als höchstem Feiertag der Narren geben. Doch Ralph Kiefer betonte wie seine Narrenfreunde, dass er Verständnis für die coronabedingten Absagen habe, denn keiner möchte den Kopf hinhalten, wenn jemand erkranken sollte.

Umzüge sind sonst große Einnahmequellen

Dessen ungeachtet stelle der Umzug die Haupteinnahme-Quelle dar, mit dem alle Veranstaltungen und das Vereinsleben rund um den eigenen Zunftraum finanziert werden muss. Die „Saschwaller Fasent“ ist urkundlich bis 1898 nachweisbar und hat seit 1965 mit den Germanen und seit 1968 mit den Glunkerle zwei Figuren, die einen historischen Ursprung haben und aktuell von 120 Aktiven von einem bis 90 Jahren verkörpert werden.

So erinnern die Glunkerle an jene Fuhrleute, die in „alde Zitte“ Holz- und Steintransporte mit schweren Ochsengespannen aus dem Gebirge herunter ins Tal vornahmen. „Wir sind Träger des närrischen Brauchtums und wir werden die Fastnacht nicht absagen“, so Zunftmeister Markus Bruder.

Eine endgültige Entscheidung über „Narre-Owe“ und „Narrendorf“ gab es noch nicht, aber altes Brauchtum wie das Wecken der Bürger, das Heischen von Wurst und Brot, das Narrenbaumstellen und der Rathaussturm wären denkbar. Dennoch sei es sehr traurig, dass alle kulturellen Aktivitäten unter Corona leiden, doch die „bodenständig-alemannische Fasent von Saschwalle“ werde stattfinden.

Vereine wollen weitere Entwicklungen der Lage abwarten

„Wir warten noch etwas ab, wie sich die Corona-Lage entwickelt und was die Politik entscheidet, so Präsident Josef „Sepp“ Müller von der Narrenzunft 1811 Kappelrodeck. Neben den Umzügen der Hexen, Schudi und Pröpperle sind es vor allem die Schudiabende in den Gasthäusern, die das Lebenselexir der „Kappler Fasnacht“ ausmachen und normal an sechs Abenden stattfinden.

Doch Schudis mit Masken zwischen Tischen und Stühlen sei kaum vorstellbar, auch entscheiden die Wirte, ob und wie sie die Regeln für die Gäste und die Auftritte einhalten können. Allerdings stellte Josef Müller auch fest, dass die „Kappler Fasent“ so spontan sei, dass auch „relativ kurzfristig“ etwas geplant werden könnte.

„Ich gehe davon aus, dass bei uns keine Saalfastnacht und kein Umzug stattfindet“, so Präsident Alfons Schmälzle von den Ottenhöfener Knörpeli. Doch vorerst werde man noch abgewartet, was die neuen Vorschriften bringen und dann werde mit den Mitgliedern des Komitees beraten und entschieden.

Vorstellbar wäre ein „kleines Programm“, um das Kulturgut Fastnacht in Corona-Zeiten lebendig zu halten. Doch Verein und Präsident würden in Haftung genommen werden, sollte jemand erkranken. „Wir haben die Absage der Fastnacht wegen des Golfkrieges 1991 überstanden, wir werden auch Corona überstehen“.

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