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Junge politische Gruppe

Für Gesellschaft ohne Rassismus: Solidarity Ortenau meldet sich erstmals in Achern zu Wort

Mehr als 60 überwiegend junge Menschen haben sich am Dienstagabend auf dem Acherner Rathausplatz versammelt. Es ging um Rassismus in Deutschland. 

Politische Arbeit in Achern: Junge politische Gruppe Solidarity Ortenau meldet sich erstmals zu Wort. Foto: Michaela Gabriel

Zwei Sprecher aus der Region berichteten von ihren Erfahrungen. Angemeldet hatte die Kundgebung die Gruppe Solidarity Ortenau aus Offenburg.

Sie stellten sich als junge Aktivisten vor, die sich für eine solidarische und tolerante Gesellschaft ohne Diskriminierung einsetzen. „Da die allermeisten von uns ihre Jugend in Achern verbracht haben, wollen wir unsere politisch Arbeit auf Achern fokussieren”, hieß es.

Anlass für ihre erste Veranstaltung dieser Art war der Jahrestag des Todes von George Floyd in den USA. Der Afroamerikaner starb durch Polizeigewalt, was zu Massenprotesten gegen Rassismus führte.

Rassismus stelle auch in Deutschland für viele Menschen ein alltägliches Problem dar, so eine Sprecherin der Gruppe. Raissa Ott bestätigte das: Menschen mit Migrationshintergrund hätten weniger Chancen auf dem Arbeitsmarkt und Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche.

Jugend aus Achern ist sauer

Sie sei sauer, dass es Menschen gebe, die Migranten für alles Negative verantwortlich machen. Sie sei sauer, weil Menschen mit dunkler Haut öfter von der Polizei kontrolliert werden: „Einfach nur, weil sie anders aussehen.“ Dagegen werde bei rassistischer Gewalt oft weggeschaut: „Sei es aus Angst, Akzeptanz oder Ignoranz.“

Wenn jemand zu euch sagt, dieser Witz hat ihn verletzt, dann entschuldigt euch!
Raissa Ott, Mitglied der Gruppe

Die 21-Jährige kam als Vierjährige aus dem Senegal nach Deutschland. In der Schule habe sie abseits gestanden und sei verspottet worden. Ihr größter Wunsch sei es gewesen, weiß zu sein, „damit die anderen mich akzeptieren und es einfacher wird“.

In ihrer Rede legte sie dar, was auch in Achern passiert: Witze werden gerissen auf Kosten von Menschen anderer Herkunft. „Wenn jemand zu euch sagt, dieser Witz hat ihn verletzt, dann entschuldigt euch!“, forderte sie.

Sie sei als Ausländerin beschimpft worden und spüre verachtende Blicke: „Und das in einem Land, das ich Heimat nenne.“

Emile Yadjo-Scheuerer unterstützte die jungen Leute gern. Der Sozialdemokrat ist Mitglied des Gemeinderates in Ottersweier und sagt von sich: „Ich gehöre dazu.“ Er erzählte, dass er in Kamerun geboren wurde und seit 1999 in Deutschland ist.

Emile Yadjo-Scheuerer berichtet von seinen Erfahrungen

Er habe Rassismus erfahren. Aber er habe immer Menschen gehabt, die ihm Rückendeckung gaben. „Jeder einzelne, egal wo er herkommt und wie er aussieht, soll bei uns die Möglichkeit haben, sich zu entfalten.“

So stelle er sich eine soziale und multikulturelle Gesellschaft vor.

Dass die jungen Leute auf die Straße gehen, mache ihm Hoffnung. Nicht wegzuschauen sei wichtig, wenn Menschen verletzt werden. Auch er gehe auf Menschen zu, die andere rassistisch beleidigen. Oft sei ihnen nicht bewusst, dass sie ihre Haltung ändern sollten.

Ein Polizist und eine Polizistin beobachteten die Kundgebung. Eine weitere Streife fuhr vorbei. Die jungen Leute ernteten Respekt von einigen Achernern, die sich interessiert zu ihnen gesellt hatten.

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