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Sammelstellen in Bühl und Sasbach schließen

Wandel bei Obsthändlern in Mittelbaden: Nur Märkte in Achern und Oberkirch bleiben

Immer weniger Obsterzeuger produzieren immer mehr Ware: Der Obstgroßmarkt Oberkirch folgt dem Strukturwandel und schließt fast alle Annahmestellen. Nur zwei bleiben übrig.

Ein Bild aus besseren Zeiten: Die Obstsammelstelle in Sasbach (Archivbild) wird ebenso geschlossen wie die in Bühl. Es verbleiben nur Achern und Oberkirch. Foto: Roland Spether

Der Obstgroßmarkt Mittelbaden (OGM) in Oberkirch schließt zum Jahresende seine Sammelstellen in Sasbach und Stadelhofen. Mit dem Beginn der kommenden Obstsaison wird auch die Betriebsstelle in der Draisstraße in Bühl vom Netz gehen. Damit bleiben, nachdem die Niederlassung in Ortenberg bereits im vergangenen Jahr aufgegeben wurde, nur noch Achern und der Hauptsitz in Oberkirch übrig.

Die Rathauschefs der betroffenen Kommunen, Hubert Schnurr (Bühl) und Gregor Bühler (Sasbach) zeigten Verständnis für die Maßnahme, die dem Strukturwandel bei den Obsterzeugern folgt. Laut einer Mitteilung des Obstgroßmarkts ist die Zahl der anliefernden Betriebe in Bühl und Achern in den vergangenen 15 Jahren von 2.700 auf 360 zurückgegangen. Sasbach sei vergangenes Jahr noch von 30 Anlieferern genutzt worden. Dies sei, so OGM-Chef Marcello Expósito, „betriebswirtschaftlich nicht mehr zu rechtfertigen“. Bereits im vergangenen Jahr hatte der OGM die Schließung von neun kleineren Obstannahmestellen angekündigt.

Zahl der Erzeuger geht stark zurück

Insgesamt habe sich die Zahl der Erzeuger beim OGM seit 2005 von 5.400 auf 1.200 verringert, gleichzeitig habe sich die Menge der angelieferten Ware pro Betrieb erhöht. Mit der neuen Struktur könne man nicht nur effizienter und kostengünstiger agieren, sondern auch durch einheitlichere Qualitätskontrollen sicherstellen, die Zahl der Reklamationen zu reduzieren. Dass man sich für den Erhalt des Standorts Achern und gegen Bühl entschieden habe, sei auch der Tatsache geschuldet, dass die Anliefermengen in Achern sehr viel größer seien. Der OGM rechnet damit, durch die Maßnahmen jedes Jahr rund eine halbe Million Euro einzusparen.

Der Bühler Oberbürgermeister Hubert Schnurr ist vom OGM-Geschäftsführer über die Entwicklung informiert worden. In Bühl hätten in diesem Jahr nur noch 60 Erzeuger abgeliefert, weshalb die Entscheidung betriebswirtschaftlich verständlich sei, zumal drei bis fünf dieser Erzeuger ihre Anlagen im Raum Ottersweier/Sasbach hätten und es keinen Unterschied mache, ob sie nach Achern oder Bühl fahren.

Schnurr fürchtet, dass mit der Schließung der Betriebsstelle die Zahl der Erzeuger noch schneller sinken könnte. Darunter leide das Landschaftsbild. Interessant sei die Frage, was mit der Immobilie geschehe. Für das an einen Bio-Großhändler verpachtete Gebäude gebe es derzeit keine anderen Pläne, Schnurr hinterlegte vorsorglich aber bereits das städtische Interesse an der Immobilie in der Draisstraße.

„Der Tenor ist, dass die Schließung nicht überraschend kommt“, sagt der Sasbacher Bürgermeister Gregor Bühler nach Gesprächen mit Landwirten. In Sasbach und Obersasbach sei die Zahl der Produzenten in wenigen Jahren von 300 auf 30 zurückgegangen. Man stehe mitten in einem Strukturwandel, an dem auch der Verbraucher seinen Anteil habe. Einige Nebenerwerbslandwirte würden aber auch wegen der hohen Hürden bei Nebenbestimmungen und Konzessionen aufhören. Er befürchte, dass viele kleine Betriebe den Wechsel aus Sasbach nach Achern nicht mittragen.

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